Michael Hartwig
Als Erwachsener hat man es oft schon verlernt, naive, kindliche Fragen zu stellen. Dabei gehört eine Frage wie: ,,Warum ist der Himmel blau?'' keinesfalls nur ins ,,Kinderreich''. Oft zeigt es sich, daß gerade die naiven Frage nicht einfach zu beantworten sind. Warum ist also der Himmel blau?
Nun, offensichtlich ist das Licht, das von der Sonne kommt, nicht blau. Irgendetwas muß also mit dem einfallenden Licht in der Atmosphäre passieren, so daß der Himmel blau erscheint. Bei der Gelegenheit können wir natürlich auch gleich die Frage stellen: ,,Warum ist der Sonnenaufgang bzw. -untergang rot?''
Eine gängige Methode in der Physik ist, ein Problem so weit wie möglich zu vereinfachen und dann zu sehen, wie weit man damit kommt. Dies wollen wir im folgenden ebenso handhaben. Denken wir uns also eine ideale Atmosphäre, frei von Staub, Dreck und anderen ungebetenen Gästen. Die Atmosphäre ist ein Gemisch aus verschiedenen Gasen, hauptsächlich aber aus Stickstoff, so daß wir uns am besten gleich eine reine Stickstoffatmosphäre denken.
Das Stickstoffmolekül ist sicher kleiner als die Lichtwellenlänge
. Trifft nun die Welle auf das Molekül, beeinflußt dies die
Elektronen im Molekül - sie werden gewissermaßen hin- und
hergeschüttelt. Die Welle wird dadurch gestreut. Es entsteht ein
Dipolmoment
, das mit dem
der Welle schwingt. Ein
Dipol ist ein Paar sehr benachbarter Ladungen. Bringt man einen Dipol in
ein elektrisches Feld, so versucht dieser, sich entsprechend des Feldes
auszurichten, es entsteht ein Drehmoment. Wenn
der Abstand der
Ladungen
und
ist, dann ist
das Dipolmoment.
Die Ladungen im Molekül werden getrennt und erzeugen ein Gegenfeld,
das das
-Feld der Welle ganz oder fast auslöscht. Man sagt,
das Molekül wird polarisiert. Die Polarisierbarkeit eines Moleküls
ist frequenzabhängig. Um dies zu zeigen, benutzen wir wieder ein
möglichst einfaches Beispiel: Ein Elektron ist elastisch an einen
Atomkern gebunden und führt mit der Frequenz
eine
gedämpfte harmonische Schwingung aus. Dieses Modell beschreiben wir
durch die Differentialgleichung eines harmonischen Oszillators
Wenn wir die Gleichung für das Dipolmoment einsetzen, erhält man
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Die Differentialgleichung wird (ohne Beweis) gelöst durch
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Kommen wir nun zu unserem eigentlichem Problem zurück. Das
elektrische Feld
des einfallenden
Lichts induziert im Stickstoffmolekül ein Dipolmoment
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Der Energiefluß des einfallenden Lichtes ist
, die
gestreute Energie pro Zeit ist
(Die
Energieflußdichte über eine Kugelfläche ist
. Nun definiert man einen
Streuquerschnitt
, also die gestreute Energie pro
Zeiteinheit/einfallender Energiefluß:
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Die Polarisierbarkeit von Stickstoff ist etwa gleich der einer
leitenden Kugel vom Radius
Å
cm.
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| (8) |
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Im Gegensatz dazu hat blaues Licht die Wellenlänge
| (10) |
km |
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Der Sonnenaufgang bzw. -untergang sind rot, da das Licht nun einen weiteren Weg durch dichtere Gebiete der Atmosphäre zurücklegen muß. Das blaue Licht wird kräftiger gestreut als das rote - der Himmel wird also rot.
(Anmerkung: Bei den Rechnungen folge ich dem Buch von Greiner: Klassische Elektrodynamik Seite 462, 463)