Zur Bohmisierung der Quantenfeldtheorie muß man von der Formulierung der Feldtheorie mit Hilfe des Wellenfunktionals ausgehen.
Da eine solche Formulierung (sowohl wegen ihrer Nicht-Lorentzinvarianz
als auch aus eher technischen Gründen) selten gebraucht wird, sei sie
kurz erklärt. In dieser Formulierung hat die Wellenfunktion
keineswegs auch nur irgendetwas mit der Diracfunktion
oder
anderen relativistischen Wellenfunktionen zu tun, sondern ist ein
Funktional
auf dem Raum der Feldkonfigurationen - also
einem Funktionenraum. Anstelle der Position eines Teilchens
oder der
Positionen der
Teilchen
haben wir es mit einem
unendlichdimensionalen Konfigurationsraum
(
durchläuft hier die Fermionen und
Eichfelder des gerade aktuellen Standardmodells) zu tun.
Die Schrödinger-Gleichung wird hierbei zu einer Funktional-Gleichung
für das Wellenfunktional
. Das
Wellenfunktional
hat durchaus eine
ganz normale Wahrscheinlichkeitsinterpretation und auch einen
Wahrscheinlichkeitsfluß
, der auch ein Funktional ist. Man
darf hierbei keinesfalls die Wahrscheinlichkeitsinterpretation für
dieses Wellenfunktional mit einer (gar nicht existierenden)
Wahrscheinlichkeitsinterpretation für die Funktionen
verwechseln!
Die Leitgleichung wird hingegen zu einem System von partiellen
Differentialgleichungen (oder eher Pseudodifferentialgleichungen) die
die Evolution einer Feldkonfiguration beschreiben. Genau wie im
endlichdimensionalen Fall erhält man ein Geschwindigkeitsfunktional
als
:
Wie bereits im Falle freier Dirac-Teilchen hat auch die Bohmsche Feldtheorie ein bevorzugtes Bezugssystem, welches bereits in der Definition der Konfiguration und des Wellenfunktionals vorhanden ist.
Diese Nicht-Lorentz-Invarianz auf dem fundamentalen Level führt jedoch keineswegs dazu, daß die beobachtbaren Effekte im Quantengleichgewicht die Lorentz-Invarianz verletzen. Es geht also, wenn wir davon sprechen, daß die Bohmsche Theorie nicht Lorentz-invariant ist, nicht um Fragen der Übereinstimmung zwischen Theorie und Experiment. Die ist in jedem Fall genauso gut wie in der besten gerade verfügbaren Quantenfeldtheorie, da sie einfach auf sie aufbaut und lediglich eine Zusatzgleichung - die Leitgleichung - zu definieren hat.
Die oft zu findende Behauptung, die Bohmsche Mechanik lasse sich nicht auf den relativistischen Fall verallgemeinern, ist hingegen falsch. Sie ist lediglich nicht Lorentz-invariant verallgemeinerbar und erfüllt somit nicht relativistische Schönheitskriterien. Dies ist eine wichtige Eigenschaft der Bohmschen Theorie, die wegen Bells Theorem mit Notwendigkeit daraus folgt, daß die Theorie realistisch und klassisch kausal ist aber die Bellsche Ungleichung verletzt.