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Betrachten nunmehr die elektromagnetischen Erscheinungen in Medien,
konzentrieren uns aber sogleich auf den einfachsten Fall eines homogenen
und isotropen Stoffes, wobei wir von Dispersion absehen. Dies ist für
unsere Zwecke vollauf gerechtfertigt, da wir uns ja mit dem Fall
stationärer Ströme in metallischen (nicht ferromagnetischen) Leitern
beschäftigen wollen3.
Am besten werden die elektromagnetischen Erscheinungen in Metallen
verständlich, wenn wir kurz den grundlegenden Aufbau rekapitulieren:
Ein Metall ist im wesentlichen ein Kristallgitter aus positiv geladenen
Ionen (Atomkerne+,,Rumpfelektronen''), in welchem im Falle einer von
außen anliegenden konstanten elektrischen Spannung die
Leitungselektronen den stationären elektrischen Strom ausmachen. In
Abwesenheit von Strömen ist der Leiter insgesamt elektrisch
neutral. Daher ist für den Fall, das kein Strom fließt,
.
Es sei
das Geschwindigkeitsfeld der Ladungsträger im Sinne
der Hydrodynamik. Um kovariante Materialgleichungen aufzustellen, ist es
bequemer, mit kovarianten Größen zu arbeiten. Die
Vierergeschwindigkeit wird durch
mit |
(97) |
definiert. Es handelt sich dabei um die Änderung des Vierervektors pro
Eigenzeitintervall des Fluidelements.
Beginnen wir mit dem Zusammenhang zwischen Strom und elektromagnetischem
Feld, also der Verallgemeinerung des Ohmschen Gesetzes, das im Ruhsystem
lautet. Im lokalen
Ruhsystem des Mediums gilt
 |
(98) |
wobei wir zunächst davon absehen wollen, daß im Falle eines
gewöhnlichen Leiters
ist. Da (98) eine kovariante
Gleichung ist, muß sie für jedes Bezugssystem gelten. Man beachte
dabei, daß die auf das Ruhevolumen bezogene Ladungsdichte
ein
Skalarfeld ist, nicht die Ladungsdichte in einem allgemeinen
Bezugssystem. Diese ist, wie wir oben bei der Betrachtung der
kovarianten Formulierung der Maxwellgleichungen im Vakuum gesehen haben,
bis auf den Faktor
identisch mit der Zeitkomponente der
Viererstromdichte
. Der Leitungsstrom
muß
sein, und aus einem Tensor zweiter Stufe kann man
nur einen Vektor machen, indem man ihn mit einem Vektor überschiebt,
und dazu steht und nur die Vierergeschwindigkeit (97) zur
Verfügung. Wir haben also
 |
(99) |
Offenbar gilt
, so daß wir gemäß
(98) für die Gesamtstromdichte
 |
(100) |
zu schreiben haben.
Wir setzen nun wieder, unserem Leiterproblem entsprechend
. Wir wollen als nächstes zeigen, daß hier die (notwendig
viererskalare) Größe
im Grenzfalle sehr kleiner
Geschwindigkeiten
der Elektronen mit der Definition
der Leitfähigkeit des Mediums [s. (1)] übereinstimmt. Setzen wir
(97) in (99) ein, finden wir
 |
(101) |
Multiplizieren wir die räumlichen Komponenten dieser Gleichung mit
und vergleichen mit der zeitlichen Komponente erhalten wir
 |
(102) |
Andererseits ist die Stromdichte
 |
(103) |
wobei
die auf unser Inertialsystem bezogene Dichte der
Leitungselektronen ist. Wir haben also
 |
(104) |
Tatsächlich ist also die Ladungsdichte im Inneren des Leiters um den
Faktor
kleiner als die
Leitungselektronenstromdichte und damit für gewöhnliche Ströme in
metallischen Leitern, für die die Driftgeschwindigkeit in der Ordnung
m/s
beträgt, völlig vernachlässigbar. Die
nichtrelativistische Behandlung, die wir oben besprochen haben, ist also
eine hervorragende Näherung.
Nun müssen wir noch die Materialgleichungen für den Zusammenhang
zwischen den Erregungsgrößen
und
und den
Feldstärken
und
kovariant erfassen. Wie wir sehen
werden, ist selbst in dem Falle, daß das Medium weder elektrisch noch
magnetisch polarisierbar ist, wenn also
4 gilt,
und
nicht übereinstimmen. Die inhomogenen
Maxwellgleichungen sind dabei anstatt mit
mit
anzusetzen. Unsere Maxwellgleichungen in kovarianter Form haben also
 |
(105) |
zu lauten. In der Dreierformulierung ausgedrückt, heißt das
Wir nehmen nun wieder den einfachsten Fall an, d.h. daß das
elektromagnetische Feld so schwach ist, daß der Zusammenhang zwischen
und
linear ist. Wir benötigen dazu offenbar
eine Tensorgröße
, so daß
 |
(110) |
ist. Dabei kann
nur aus auf den Leiter bezogene physikalische
Größen und allgemein invariante Tensorausdrücke aufgebaut sein. Dazu
stehen uns wegen der vorausgesetzen Homogenität und Isotropie des
Leiters ohne Stromfluß lediglich
,
und im
Prinzip auch
zur Verfügung. Da aber
die elektromagnetische Wechselwirkung invariant unter Raumspiegelungen
ist, muß der Term mit
verschwinden. Wir müssen allerdings annehmen, daß
beim Vertauschen seiner ersten beiden Indizes das Vorzeichen
wechselt, da
ein antisymmetrischer Tensor ist.
kann auch antisymmetrisch der Indizes
gewählt werden, da ja auch
ein antisymmetrischer
Tensor ist. Demnach muß
von der Form
 |
(111) |
sein. Die Skalare
und
müssen dabei durch
und
ausgedrückt werden können. Dazu setzen wir (111) in
(110) ein und vergleichen im Limes
mit den nichtrelativistischen Materialgleichungen
,
. Führt man die Doppelsumme
(110) aus, findet man durch Vergleich der Komponenten auf
beiden Seiten die Beziehungen
 |
(112) |
Entwickeln wir dies bis zur ersten Ordnung nach
, ergibt
sich
 |
(113) |
Vernachlässigen wir hierin auch noch die führenden relativistischen
Korrekturen zur Ordnung
, finden wir durch
Vergleich mit den nichtrelativistischen Materialgleichungen
 |
(114) |
Die Gleichungen (112) sind recht kompliziert, aber auch in
dieser Form nicht notwendig, denn wir benötigen im Grunde nur
Gleichungen, die
und
eindeutig durch
und
ausdrücken. Dies ist zwar durch (112) bereits in
gelöster Form ausgeschrieben, aber diese Beziehungen lassen sich durch
einfachere Gleichungen erfassen. Dazu bemerken wir, daß der
Materialtensor (111) einfache Eigenschaften hinsichtlich der
Vierergeschwindigkeit
besitzt. Zunächst gilt
 |
(115) |
Das bedeutet aber wegen (110)
 |
(116) |
Dividiert man hier noch beide Seiten durch
, erhält man
in dreidimensionaler Form
 |
(117) |
Die Gleichung für
ist übrigens redunandant, denn sie lautet
 |
(118) |
und diese Gleichung folgt sofort aus (117) durch skalare
Multiplikation mit
. Die Gleichung (116) erhält man
übrigens einfacher, indem man die Gleichung an dem gegebenen
Raumzeitpunkt, in dem Bezugssystem betrachtet, in dem dort
ist. In diesem Bezugssystem gilt nämlich
. Da
in diesem Falle
ist, kann man sie sofort kovariant in
der Form (116) ausdrücken. Da dies eine Tensorgleichung ist,
gilt sie aber in jedem Bezugssystem.
Die entsprechende Beziehung für den Zusammenhang zwischen magnetischer
Feldstärke und Erregung können wir herleiten, indem wir (110)
mit Hilfe des Levi-Civita-Symbols in eine Tensorgleichung für den
dualen Erregungstensor überführen. Dieser Aufwand ist aber unnötig,
und wir können gleich unser einfacheres Kovarianzargument anwenden. Im
lokalen Ruhsystem der Fluidzelle am gerade betrachteten Raumzeitpunkt
lautet die Materialgleichung ja
, und sie schreibt
sich kovariant in der Form
 |
(119) |
oder in dreidimensionaler Form ausgedrückt
 |
(120) |
Für die Zeitkomponente der Vierertensorgleichung (119) gilt
das Analoge wie oben für (116) und (117).
Es ist klar, daß wir (112) aus (117) und
(120) erhalten können, indem wir die letzteren Gleichungen zum
einen skalar, zum anderen vektoriell mit
addieren und dann die
Felder in Komponenten parallel und senkrecht zu
zerlegen. Unsere vollrelativistischen makroskopischen Maxwellgleichungen
lauten also
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