Um nun einige Untersuchungen hinsichtlich der Symmetrieeigenschaften der mechanischen Systeme anstellen zu können, suchen wir eine Formulierung der relativistischen Mechanik mit Hilfe des Hamiltonschen Prinzip der kleinsten Wirkung.
Zunächst erscheint es am einfachsten, auf manifeste Kovarianz zu
verzichten und das Prinzip in Analogie zur nichtrelativistischen
Mechanik zu formulieren. Dazu wird das Wirkungsfunktional
definiert, das alle möglichen Trajektorien
eines
Punktteilchens wie folgt in die reellen Zahlen abbildet:
Bezeichnet nun
die tatsächlich durchlaufene Bahn, muß dieser
Ausdruck für alle Variation
verschwinden, und
das kann nur der Fall sein, wenn in (1.89) die Klammer unter dem
Integral identisch verschwindet. So gelangt man zu den
Euler-Lagrangegleichungen
Für ein freies Teilchen steht uns lediglich
selbst als
,,Baustein'' für die Lagrangefunktion zur Verfügung. Wir müssen nun
verlangen, daß ein freies Teilchen einem Poincaré-invarianten
Bewegungsgesetz folgt. Das Wirkungsprinzip vereinfacht diese Aufgabe
erheblich: Wir können einfach verlangen, daß die Wirkung
Poincaré-invariant sein möge1.11. Diese Forderung läßt sich nun wieder am
bequemsten dadurch erfüllen, daß das Differential
Poincaré-invariant ist.
Zunächst betrachten wir die Untergruppe der
Raum-Zeit-Translationen. Es soll also
unter der Variation
Wir müssen weiter
so festlegen, daß
auch unter Lorentztransformationen invariant ist. Aus den
Vierervektorkoordinatendifferentialen können wir aber nun nur eine
Invariante bilden, nämlich das Eigenzeitelement
Die Euler-Lagrangegleichungen (1.90) ergeben dann
const |
(1.95) |
const |
(1.96) |
| (1.97) |
Als nächstes wollen wir mit dem speziellen Relativitätsprinzip vereinbare Wechselwirkungen mit äußeren Feldern aufsuchen. Unter ,,äußeren Feldern'' verstehen wir solche Felder, die wir irgendwie erzeugt denken, etwa ein elektromagnetisches Feld durch Ladungs- und Stromverteilungen, wobei die Rückwirkung des untersuchten Punktteilchens auf die Felder selbst vernachlässigt werden kann. Ein Beispiel ist etwa die Bewegung einzelner Elektronen im elektrischen Feld eines Plattenkondensators oder dem Magnetfeld einer Spule, die von makroskopisch großen Strömen durchflossen wird.
Dazu ist es nun von großem Vorteil, manifest kovariante
Formulierungen der Wirkung zu verwenden, d.h. die Lagrangefunktion
manifest Lorentz-invariant zu schreiben. Dies gelingt am einfachsten,
indem man einen skalaren Weltzeitparameter
einführt
und die Trajektorien in der vierdimensionalen Raumzeit
betrachtet, wobei
die Zeit- und
Raumkoordinaten bzgl. eines beliebigen Inertialsystems bezeichnen. Es
ist klar, daß dabei wie bei unserer Formulierung mit der Eigenzeit
des Teilchens die scheinbare Überzahl von einem Freiheitsgrad
durch eine Nebenbedingung der Art (1.68) reduziert wird.
Letztlich sind ja die drei räumlichen Koordinaten die eigentlichen
dynamischen Freiheitsgrade des Punktteilchens.
Am elegantesten läßt sich das Wirkungsprinzip umformulieren, indem man
die allgemeine Unabhängigkeit der Variation des Wirkungsfunktionals im
Hamiltonschen Sinne vom Parameter
verlangt, der auch als
die Zeit
gewählt werden kann. Die vier Koordinaten
können dann frei variiert werden, und da die Wirkung stets dieselbe
ist, auch wenn man
setzt, kann man sicher sein, stets
dasselbe dynamische System zu beschreiben. Man kann freilich auch die
Eigenzeit
selbst als Weltparameter wählen, nachdem die
Euler-Lagrangegleichungen aus dem Variationsprinzip bestimmt sind.
Vorher ist das nicht möglich, weil
kein von
bzw.
unabhängiger Parameter ist.
Wir schreiben also die Wirkung in der Form
Wir untersuchen nun die Bedingung an die Lagrangefunktion, die die
Unabhängigkeit der Wirkung
von der Wahl des Weltparameters
sicherstellt. Dazu variieren wir nun
durch eine
infinitesimale ,,Umparametrisierung'':
Nun liefert das Hamiltonsche Prinzip offensichtlich dieselben
Bewegungsgleichungen, wenn man die Lagrangefunktion um die totale
Ableitung einer Funktion
nach
ändert, da
dies in der Wirkung nur Randterme liefert, und beim Hamiltonschen Prinzip
die Werte der Weltlinie
am Rande des Integrationsintervalls
(hier der Einfachheit halber
) nicht variiert
werden. Folglich ist also nach partieller Integration von (1.105)
zu verlangen, daß es eine Funktion
gibt, so daß
![]() |
(1.106) |
const |
(1.107) |
![]() |
(1.108) |
Dies ist nun sicher der Fall, wenn L eine homogene Funktion erster
Ordnung in
ist, also wenn für einen beliebigen positiven
Parameter
gilt1.12