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Was ist die Bellsche Ungleichung?
Wie in Abschnitt 4 erklärt, erwies sich
die Frage, die EPR aufwarfen, als theoretisch nicht entscheidbar:
unter der Annahme, eine erweiterte und verbesserte Theorie als die
Quantenmechanik werde alle offenen Fragen schon beantworten, läßt sich
nun mal nicht konkret diskutieren. Was allerdings gezeigt werden kann,
ist, welche Eigenschaften diese neue und verbesserte Theorie haben muß
respektive nicht haben darf.
1964 nun formulierte John S. Bell eine experimentell verifizierbare
Bedingung, die alle Theorien, die ein lokales Realitätskriterium (wie
das Einsteins) beinhalten, erfüllen müssen. Er zeigte des weiteren, daß
die Quantenmechanik diese Bedingung verletzt und skizzierte einen Weg
zur experimentellen Realisation. So sollte ein simples Experiment die
alte Frage entscheiden können. Diese Bedingung soll im folgenden
dargestellt werden: der Text richtet sich im wesentlichen nach
[Bel71] und [Bel75], beides abgedruckt in
[Bel93].
Wie weiter oben erklärt, haben die Observablen von
hidden-variable-Theorien immer folgende Form:
Dabei ist
die versteckte Variable,
das
statistische Gewicht eines bestimmten Wertes von
, und die
gemessene Observable
ist das Integral über alle Werte
der versteckten Variable, was natürlich identisch ist mit einem
statistischen Mittel von
in einem (hier nicht
spezifizierten)
-Ensemble. Genaugenommen trifft das formal
auch auf Theorien zu, die keine versteckten Variablen beinhalten, hier
ist lediglich
.
Insbesondere haben natürlich auch alle lokal realistischen
hidden-variable-Theorien, also alle Theorien, bei denen alle
Observablen nur von Variablen abhängen, die am selben Ort realisiert
sind, diese Eigenschaft.
Es werde nun folgendes Experiment betrachtet: von einer Quelle Q
werden zwei Photonen, deren Polarisationsrichtungen
zunächst unbestimmt, aber zueinander orthogonal sind,
in entgegengesetzte Richtung emittiert. Beide
Photonen treffen nun auf je einen Polarisationsfilter und werden nach
Passieren des Filters von je einem Detektor registriert (oder auch
nicht). Seien die das Experiment beschreibenden Observablen definiert
durch: A=+1 wenn der erste Detektor ein Photon registriert und -1
sonst, ebenso B=+1 wenn der zweite Detektor ein Photon registriert
und -1 sonst. Es seien nun beide Polarisationsfilter um Winkel
und
(relativ zu einer beliebigen aber vorher
festgelegten Richtung) drehbar.
In hidden-variable-Theorien sind nun die Observablen A und
B nicht nur durch die entsprechenden quantenmechanischen Operatoren
bestimmt, sondern auch durch den Satz
versteckter Variablen
. Also ist der Mittelwert vieler Messungen
von
, wie oben begründet, gegeben durch:
und analog für
. Einsteins Realitätskriterium nun verlangt
die Abwesenheit einer spooky action at a distance, in anderen
Worten also die Unabhängigkeit As von am zweitewn Detektor
beobachtbaren Größen. Einstein erlaubt, daß A von
und
abhängen darf, verlangt aber, daß die Einstellung des
zweiten Polfilters (also
) bei der Messung von A am ersten
Detektor keine Rolle spielt. Also:
und für die Korrelationsfunktion
analog
Das muß für jede lokal realistische Theorie gelten.
Wenn nun der Mittelwert von P bei zwei verschiedenen Einstellungen
des zweiten Polarisationsfilters, nämlich
und
gemessen
wird, so muß demnach gelten:
Wird nun zu dieser Gleichung 0 addiert
so ergibt sich
Natürlich folgt aus
sofort
und das heißt:
da sowohl
als auch die Terme in eckigen Klammern nicht
negativ werden können. Mit
und
gilt dann:
oder anders formuliert:
 |
(2) |
Ungleichung 2 ist nicht die einzige, aber
die bekannteste Formulierung der Bellschen Ungleichung. Sie muß
von jeder Theorie erfüllt werden, die ein lokales Realitätsprinzip
besitzt, also insbesondere von jeder lokalen
hidden-variable-Theorie. Dabei sind die in der Bellschen
Ungleichung vorkommenden Größen nach ein paar Modifikationen direkt
experimentell zugänglich, wie in Abschnitt
10 näher erläutert. Somit ist die
Frage, ob unsere Welt mit einem lokalen Realitätskonzept vollständig
beschrieben werden kann, experimentell entscheidbar.
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