Hendrik van Hees
Date: 07. August 2004
Im folgenden behandeln wir eines der wenigen geschlossen lösbaren
Influenzprobleme der Elektrostatik, und zwar sei eine ideal leitende
Kugelschale vom Radius
betrachtet, in deren Innerem sich eine ruhende
Punktladung
befinde. Wir nehmen weiter an, die Kugel selbst sei
ungeladen. Wir wählen den Kugelmittelpunkt zum Ursprung unseres
Koordinatensystems.
Wir bedienen uns des in der Teilchenphysik üblichen Heaviside-Lorentzschen Maßsystem, das die dimensionellen Vorteile des Gaußschen Maßsystems mit der Rationalität des SI vereinigt. In diesem Maßsystem lauten die Maxwellschen Feldgleichungen für elektrostatische Situationen
Die erste Gleichung wird nach dem Lemma von Poincaré durch den Ansatz
Wir müssen nun die folgende Fallunterscheidung vornehmen: Entweder
oder
. Im ersten Falle wird das Problem im
Innenraume offenbar einfach durch das Coulombpotential gelöst. Die Kugelschale
spielt dann offenbar gar keine Rolle für das Feld. Das ist freilich auf
die Symmetrie des Problems zurückzuführen: Es gibt eben keine andere
vollständig radialsymmetrischen Lösungen der Poissongleichung als
const
und
, d.h. in diesem Falle muß also für
Auch im Außenraume muß nun das Potential genau diese Gestalt besitzen, denn nach Annahme ist ja die Kugelfläche ungeladen, und nach dem Gaußschen Gesetz muß also im Außenraume das Coulombsche Gesetz mit der im Inneren befindlichen Ladung gelten. Die Kugel besitzt in diesem Falle also gar keine Auswirkung auf das Feld.
Wenden wir uns nun dem weitaus interessanteren zweiten Fall zu, d.h. sei
. Dann müssen wir das Problem in Innen- und
Außenraumproblem trennen. Im Innenraum herrscht ein Feld, das zum einen
durch die eingebrachte Ladung
und die durch sie bewirkte Influenzladung
der Kugelschale bewirkt wird. I.a. ist dies ein äußerst kniffeliges
Problem für die Potentialtheorie. Wegen der Kugelsymmetrie des Leiters
läßt es sich aber in unserem Falle mit der Methode der virtuellen
Ladungen leicht lösen.
Dieser Methode zufolge dürfen wir im Außenraum beliebige fiktive
Ladungsverteilungen (die virtuellen Ladungen eben) anordnen, solange wir
nur den Innenraum betrachten. Die Idee ist nun, diese so zu wählen, daß
die Randbedingung (5) erfüllt wird, wenn man das durch die echte
Ladung
und die virtuellen Ladungen hervorgerufene Potential bestimmt
als wäre die Kugelschale gar nicht vorhanden.
In unserem Falle der Kugel ist die virtuelle Ladung einfach durch eine
Punktladung auf der durch
vorgegebenen Radiallinie gegeben, wie
wir sogleich beweisen werden. In diesem Falle nennt man sie auch
Spiegelladung. Um unser Problem etwas bequemer lösen zu können,
wollen wir sphärische Koordinaten einführen, wobei wir
in die
Polarrichtung legen wollen. Dann lautet unser Ansatz für das Feld im
Inneren der Kugelschale
Setzen wir schließlich die Lösung (9) in den Ansatz (7) ein, erhalten wir
Freilich kann man aus der hier gegebenen Lösung beliebige neue Lösungen generieren, indem man auf die Kugelschale eine beliebige homogen verteilte Zusatzladung aufbringt. Dann ändert sich freilich an der Innenraumlösung gar nichts, während im Außenraum zusätzlich ein Coulombfeld zu superponieren wäre, das gerade dieser aufgebrachten Ladung entspricht.
Betrachten wir nun noch den Fall, daß sich die Punktladung im Äußeren der Kugel findet. Wir behalten alle Bezeichnungen der vorigen Rechnung bei. Die Spiegelladungsmethode ist nun freilich im Außenraume zu verwenden, und die virtuelle Ladung liegt nun im Inneren der Kugel. Die Außenraumlösung besitzt nun die Gestalt (10), ergänzt um das Coulombfeld einer zunächst unbestimmten homogenen Oberflächenladung auf der Kugel, die wir uns freilich auch durch eine weitere im Kugelursprung sitzende Spiegelladung ersetzt denken dürfen:
Dazu benötigen wir aber die Innenraumlösung. Hier führt wieder das Symmetrieargument, das wir oben für den Außenraum angewandt haben, zum Ziele: Im Inneren der Kugel befindet sich voraussetzungsgemäß keine Ladung, so daß wir eine Lösung der Laplacegleichung mit der Kugel als Äquipotentialfläche suchen. Wie oben gezeigt, kann das nur eine Konstante sein, d.h. im Inneren haben wir also