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Moderne Versuche einer Quantentheorie der Gravitation
Trotz ihres (späten) Erfolgs hat die ART einen entscheidenden Nachteil:
Da die Krümmung des Raumes durch die verschiedenen Materiefelder bestimmt
wird, diese Materiefelder aber nach moderner Auffassung alle quantisiert
sind, muss sich dies auch im Raum manifestieren; die ART muss also angepasst
werden. Dies hat sich jedoch als sehr schwierig erwiesen, da man bei solchen
Vorhaben immer wieder auf schier unüberwindliche mathematische Probleme stößt.
In einige Bereichen hat man aber bereits signifikante Fortschritte erzielt: So
hat der Mathematiker und Physiker Stephen Hawking (*1942) durch die Anwendung
quantentheoretischer Methoden errechnet, dass Schwarze Löcher Strahlung
aussenden [23, S. 399-416].
Für die Praxis ist die fehlende Quantisierung meist kein sehr großes Problem:
Im atomaren Bereich, wo die Quanteneffekte eine sehr große Rolle spielen, ist
die Gravitation wegen ihrer Schwäche bedeutungslos (siehe auch Abschnitt
1.1). Umgekehrt treten in großen Skalen, wo die Gravitation als
entscheidende Wechselwirkung beteiligt ist, praktisch keine Quanteneffekte auf
[2, S. 254].
Trotzdem ist eine Quantentheorie der Gravitation erstrebenswert: Zum einen ist
es für die theoretische Physik natürlich unbefriedigend, nicht alles mit
einer Theorie beschreiben zu können; die theoretischen Physiker waren
schon immer auf der Suche nach einer Weltformel, die die gesamte Physik
beschreibt. Zum anderen gibt es Szenarien in der Physik, wo eine
Vereinigung von Quantentheorie und ART nötig wird. Dies ist z. B. beim Urknall
der Fall: Die Bedingungen kurz nach dem Urknall waren nach heutigem Wissen so
extrem, dass durch die hohe Energie Quanteneffekte und Gravitation gleichzeitig
zum Tragen kamen; man spricht sogar von einer Vereinigung der Fundamentalkräfte
zu einer einzigen Kraft (siehe auch Kapitel 6). Auf eine
Beschreibung solcher Effekte im Rahmen der theoretischen Physik können wir
natürlich nur hoffen, wenn wir eine Theorie aufstellen, die die zwei großen
modernen Theorien (ART und Quantentheorie) miteinander vereinigt.
Ein Ansatz, der viel versprechend aussieht, sind die so genannten
String-Theorien. In ihnen werden die Elementarteilchen als schwingende
,,Fäden`` (Strings) angesehen. Dadurch werden gewisse unendliche Terme
in bestimmten Rechnungen vermieden. Es gibt jedoch (mindestens) zwei Tatsachen,
die erkennen lassen, dass die String-Theorien noch lange nicht so ausgereift
sind, als dass man sie zur ,,Weltformel`` erklären könnte:
- Es gibt eine Vielzahl von konkurrierenden String-Theorien. Manche
erlauben nur geschlossene, andere auch offene Strings. Es ist noch lange
nicht geklärt, welche Version der String-Theorie richtig ist.
- Eine mathematisch konsistente String-Theorie erfordert eine Raumzeit mit
entweder 10 oder 26 Dimensionen [4, S. 97].
Die String-Theoretiker können bis heute noch nicht erklären, warum wir nur vier
davon wahrnehmen. Es wird von einer ,,Einrollung`` der zusätzlichen Dimensionen
gesprochen, die entsprechende Theorie ist aber weder mathematisch noch
physikalisch ausgereift.
Wie alle theoretischen Physiker vor uns müssen wir also weiterhin auf die
Weltformel warten, was uns jedoch nicht davon abhält, uns intensiv mit den
bestehenden Theorien auseinander zu setzen.
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