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Mannigfaltigkeiten
Schon im ganz alltäglichen Leben begegnen uns geometrische Objekte, die nicht
mehr auf einfache Weise durch einen
oder einen
beschrieben werden können. So ist zum Beispiel die Oberfläche unserer Erde
annäherungsweise eine Kugeloberfläche. Diese kann, obwohl sie an sich ein
zweidimensionales Gebilde ist, nicht mehr in befriedigender Weise in der
(euklidischen) Ebene dargestellt werden. So können z. B. Weltkarten die
Kugelstruktur nur sehr schlecht darstellen: Die Erde muss an einer geeigneten
Stelle, meist in Nord-Süd-Richtung, ,,aufgeschnitten`` werden. Dies führt dazu,
dass das Bild einer vollständigen Umrundung der Welt auf dieser Karte einen
Sprung macht, nämlich dann, wenn es die Stelle des ,,Aufschneidens`` erreicht.
Weiterhin ergibt sich durch die Krümmung der Kugeloberfläche ein anderes
Problem: Längen und Winkel sind in der Abbildung mehr oder weniger verzerrt;
es gibt keine Karte, auf der alle Längen vollständig korrekt dargestellt
werden.
Die beiden Probleme lassen sich nur dann lösen, wenn man darauf verzichtet, für
die Darstellung der gesamten Kugel mit einer einzigen Karte auszukommen. Je
kleiner die verwendeten Karten, desto besser stimmen die Längen und Winkel mit
den wahren Größen auf der Kugel überein. Aus dem ,,Zusammenkleben`` vieler
kleiner Karten erhält man wiederum eine Struktur, die die Kugel ohne
,,Aufschneiden`` beschreibt.
Das Konzept der Karten wird nun von der Differentialgeometrie übernommen: Man
definiert allgemein eine Karte auf einem Gebiets eines topologischen Raums wie
folgt [22, S. 8]:
Definition 3.1 (

-dimensionale Karte)
Eine

-dimensionale Karte auf einem topologischen Raum

ist ein Paar

, bestehend aus einer offenen Teilmenge

von

und einem
Homöomorphismus

von

auf eine offene Teilmenge des

.
Die Verwendung des Begriffes Homöomorphismus stellt die Stetigkeit sicher: Die
oben angesprochene Situation, dass Kurven, die im betrachteten Raum (z. B. der
Kugeloberfläche) stetig sind, auf der Karte Sprünge machen, wird in der
Mathematik von vornherein durch die Definition der Karten ausgeschlossen.
Wie man am Beispiel der Kugel erkennen kann, sind deshalb meist mehrere Karten
nötig, um einen Raum vollständig mit Karten zu bedecken. Man muss nun
beschreiben, wann zwei solche Karten ,,zusammenpassen``. Man betrachtet hierzu
den Überlappungsbereich der beiden Karten. Wenn in diesem Bereich auf
der einen Karte ein differenzierbarer Weg gezeichnet wird, so muss auch sein
Bild in der anderen Karte differenzierbar sein [22, S. 8]:
Definition 3.2 (Verträglichkeit)
Zwei

-dimensionale Karten

und

heißen
verträglich, wenn

oder wenn die sinngemäß
eingeschränkten Abbildungen

und

beliebig oft differenzierbare Abbildungen von offenen
Mengen des

sind.
Diese Definition wird in Abbildung 3.1 veranschaulicht.
Da man den gesamten Raum mit Karten überdecken will, definiert man nun
weiterhin [22, S. 8]:
Definition 3.3 (

-dimensionaler Atlas)
Ein
-dimensionaler Atlas auf

ist eine Menge von verträglichen

-dimensionalen Karten, die ganz

überdecken.
Zu jedem Atlas
lässt sich nun ein maximaler Atlas konstruieren:
Dieser besteht aus allen Karten, die zu Karten aus
verträglich sind:
Definition 3.4 (Maximaler Atlas)
Ein Atlas heißt
maximal, wenn er zu jeder Karte

auch alle zu

verträglichen Karten enthält.
Mit dieser Definition sind wir nun gerüstet für die Definition der
differenzierbaren Mannigfaltigkeit: Wir gehen von einem topologischen Raum aus
(siehe Anhang A) und definieren zusätzlich durch einen Atlas eine
differenzierbare Struktur auf diesem
Raum. Damit aus äquivalenten differenzierbaren Strukturen auch gleiche Atlanten
folgen, fordern wir für die Mannigfaltigkeit einen maximalen Atlas
[22, S. 9]:
Definition 3.5 (

-dimensionale differenzierbare Mannigfaltigkeit)
Eine
-dimensionale differenzierbare Mannigfaltigkeit ist
durch einen Hausdorffraum

, der das zweite Abzählbarkeitsaxiom erfüllt, und
einen maximalen

-dimensionalen Atlas auf

gegeben.
Beispiele für Mannigfaltigkeiten sind
- der euklidische Raum
,
- die
-dimensionale Kugel und der
-dimensionale Torus
[22, S. 9],
- die physikalische Raumzeit,
jeweils mit geeigneten Atlanten.
Der Sinn der Definition von Mannigfaltigkeiten war es, den
Differenzierbarkeitsbegriff sinnvoll auf gekrümmte Räume zu übertragen. Dies
können wir nun tun. Hierbei gehen wir natürlich über Karten vor:
Definition 3.6 (Differenzierbarkeit in einem Punkt)
Seien

und

Mannigfaltigkeiten und

eine Abbildung von

auf

.
Sei ferner

und

. Dann existieren Karten

auf

mit

und

auf

mit

. Die Abbildung

heißt nun
differenzierbar in 
, wenn

eine
in

differenzierbare Abbildung ist.
Eine Abbildung ist also differenzierbar, wenn die Abbildung zwischen den
entsprechenden Karten als Abbildung des
auf den
differenzierbar ist. In der üblichen Weise definiert man nun:
Definition 3.7 (Differenzierbare Abbildung)
Eine Abbildung

heißt
differenzierbar, wenn sie in jedem Punkt
von

differenzierbar ist.
Es vereinfacht unsere Betrachtungen beträchtlich, wenn die vorkommenden
Abbildungen möglichst oft differenzierbar sind.
Abbildungen, die beliebig oft differenzierbar sind, werden auch als
bezeichnet.
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