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Metrik und kovariante Ableitung
In der analytischen Geometrie führt man für Vektorräume oft ein Skalarprodukt
ein, mit dessen Hilfe man dann Längen und Winkel bestimmen kann. Betrachten wir
zunächst die exakte Definition des Skalarprodukts nach
[13, S. 142]:
Die Eigenschaften 3 und 4 sind natürlich (zusammen mit Eigenschaft 2)
äquivalent zur Linearität des Skalarprodukts in beiden Argumenten. Es liegt
also eine lineare Abbildung von zwei Vektoren auf die reellen Zahlen vor. Mit
unserer Terminologie können wir also von einem
-Tensor sprechen. Dieser
ist zusätzlich symmetrisch (Eigenschaft 2) und erfüllt die Eigenschaft 1.
Etwas Ähnliches wollen wir nun auch für unsere Tangentialräume
definieren. Wir werden unsere Abbildung jedoch nicht Skalarprodukt, sondern
metrischen Tensor bzw. Metrik nennen, da wir nur eine
abgeschwächte Version von Eigenschaft 1 aus Definition 3.14 fordern
[23, S. 22]:
Definition 3.15 (Metrik)
Ein symmetrischer

-Tensor

heißt
Metrik bzw.
metrischer
Tensor, wenn

nur dann für alle

gleich

ist, wenn

.
Wenn wir, wie beim Skalarprodukt üblich, Vektoren
mit
als
senkrecht zueinander bezeichnen, können wir die Bedingung der Metrik dermaßen
formulieren, dass nur der Nullvektor auf allen Vektoren senkrecht steht.
Die Metrik liefert uns ein Mittel, Längen und Winkel zu messen. Diese Größen
müssen sich nicht notwendigerweise wie im gewohnten euklidischen Raum
verhalten. So kann es durchaus Vektoren mit negativer Länge und Vektoren, die
zu sich selbst senkrecht stehen, geben. Diese Tatsachen sind ja schon aus der
Geometrie der Speziellen Relativitätstheorie bekannt.
Das Vorzeichen der Länge eines Vektors ist sogar ein wichtiges Kriterium zur
Klassifikation von Vektoren. Sei
ein Vektor.
heißt
, falls
;
heißt
, falls
;
heißt
, falls
.
Dieses Konzept können wir leicht auf Kurven übertragen: Eine Kurve ist zeit-,
licht- bzw. raumartig, wenn die Tangentialvektoren in jedem Punkt der Kurve
zeit-, licht- bzw. raumartig sind.
Die Bezeichnungsweise hat folgenden Hintergrund: Materielle Körper bewegen sich
immer auf zeitartigen Kurven. Wenn man dabei das Bezugssystem des jeweiligen
Körpers als Ruhesystem festlegt, kann man sagen, dass zwei Ereignisse, die
der Körper erlebt, nur durch eine gewisse Zeit (daher der Begriff
zeitartig) voneinander getrennt sind. Masselose Körper (wie z. B.
Photonen) hingegen bewegen sich immer auf lichtartigen Kurven. Kein Körper kann
sich je auf einer raumartigen Kurve bewegen, dies würde nämlich bedeuten, dass
der Körper Überlichtgeschwindigkeit bekäme. Der Begriff raumartig soll
also verdeutlichen, dass in jedem Bezugssystem ein räumlicher Abstand besteht,
der nicht durch irgendeine Bewegung eines Körpers überwunden werden kann.
Wenn man die Komponenten eines metrischen Tensors in einem bestimmten
Koordinatensystem angeben will, so verwendet man oft die folgende Notation
[23, S. 23]:
 |
(24) |
Diese Notation kann man auf zwei verschiedene Arten deuten:
- Das Symbol
bezeichnet den metrischen Tensor. Auf der rechten
Seite stehen die Komponenten
dieses Tensors sowie die
Basis-1-Formen
und
. Das Produkt zwischen diesen beiden
1-Formen ist als Tensorprodukt zu deuten. Insgesamt entspricht die Notation
also der Gleichung (3.16).
- Das Symbol
bezeichnet den Wert
des metrischen Tensors bei
Anwendung auf einen Vektor
. Die Symbole
und
bezeichnen
dabei die entsprechenden Komponenten des Vektors
. Die Schreibweise
soll andeuten, dass man die Komponenten des Vektors
aus einer
infinitesimalen Verschiebung erhält (siehe Gleichung 3.8).
Insgesamt wird durch diese Deutung also der Charakter des metrischen Tensors
als Instrument zur Längenmessung deutlich gemacht.
Zu den Komponenten des metrischen Tensors noch eine Bemerkung: Aufgrund
Definition 3.15 kann man immer ein lokales Koordinatensystem finden, in
dem alle Komponenten des metrischen Tensors außer den Diagonalkomponenten
verschwinden [23, S. 23]. Man bezeichnet die
entstehende Darstellung des metrischen Tensors auch als Diagonalform.
Man kann dann definieren [3, S. 27-28]:
Definition 3.16 (Signatur)
Seien

die Komponenten eines metrischen Tensors in
Diagonalform. Die Differenz der Anzahl positiven und der negativen Einträge in

wird als
Signatur der Metrik bezeichnet. Diese Zahl
ist bei einem gegebenen Tensorfeld auf der ganzen Mannigfaltigkeit gleich.
Der in der Physik am häufigsten vorkommende Fall ist eine Zeit- und drei
Raumkoordinaten, wobei die Zeitkoordinate in der Diagonalform der Metrik ein
negatives Vorzeichen, die Raumkoordinaten ein positives Vorzeichen
erhalten5. Die entstehende Signatur ist also
und wird auch als Lorentz-Signatur bezeichnet.
Zu jedem metrischen Tensor
definieren wir mittels
 |
(25) |
einen
-Tensor
[3, S. 27]. Den metrischen Tensor
und diesen neuen inversen metrischen Tensor verwenden wir nun, um
folgende Beziehungen zwischen Tensoren herzustellen: Einem
-Tensor
ordnen wir durch
 |
(26) |
einen
-Tensor zu, bzw. durch
 |
(27) |
einen
-Tensor [23, S. 25].
Schon bei der Definition des Tangentialraumes haben wir darauf hingewiesen,
dass die Tangentialräume in den einzelnen Punkten der Mannigfaltigkeit
zunächst einmal keinen natürlichen Zusammenhang haben. Wir wollen nun einen
solchen konstruieren. Dabei beschränken wir uns auf einen lokalen Zusammenhang.
Diesen konstruieren wir mit Hilfe einer Ableitung. Wir können dann zumindest
Aussagen der Art ,,Ein Tensorfeld ist in der Umgebung eines Punktes konstant.``
treffen. Gleichzeitig beheben wir den Mangel der fehlenden Ableitung für
allgemeine Tensorfelder in unserem Formalismus. Denn zur Definition vieler
physikalischer Größen und Zusammenhänge benötigt man eine Ableitung.
Wir werden nun zunächst unabhängig von der Metrik eine Ableitung definieren,
die so genannte kovariante Ableitung. Später werden wir sehen, wie wir
diese Ableitung mit der oben definierten Metrik verknüpfen können.
Es ist zu beachten, dass wir in Form der Vektoren bereits Ableitungsoperatoren
für Skalarfelder (,,
-Tensoren``) definiert haben. Unsere Definition der
kovarianten Ableitung berücksichtigt dies [23, S. 30-31]:
Definition 3.17 (Kovariante Ableitung)
Eine kovariante Ableitung ist ein Operator

, der die differenzierbaren

-Tensorfelder auf differenzierbare

-Tensorfelder abbildet
und folgende Bedingungen erfüllt:
- Linearität: Für alle
-Tensorfelder
und
sowie für alle
gilt:
- Leibniz'sche Produktregel: Für alle
-Tensorfelder
und alle
-Tensorfelder
gilt:
- Kommutativität mit der Kontraktion: Für alle
-Tensorfelder
gilt in Indexschreibweise, wobei der bei der Ableitung entstehende zusätzliche
kovariante Index an den Differentialoperator geschrieben wird:
- Berücksichtigung der Rolle der Vektoren als Ableitungsoperatoren: Für
alle differenzierbaren Skalarfelder
und alle Vektoren
gilt
wenn man ein Skalarfeld als
-Tensor betrachtet und auf der rechten Seite
den Vektor
als Funktion der 1-Formen in die reellen Zahlen betrachtet.
- Torsionsfreiheit: Für alle differenzierbaren Skalarfelder
gilt in
Indexschreibweise:
Die fünfte Bedingung wird nicht immer gefordert. Es gibt Gravitationstheorien,
die eine Torsion des Raumes zulassen; in der ART ist dies jedoch nicht der
Fall. Da wir uns hier auf die ART beschränken, wurde auch die fünfte
Bedingung in unsere Definition mit einbezogen ein.
Als Beispiel für eine kovariante Ableitung betrachten wir zunächst die zu einem
Koordinatensystem gehörenden partiellen Ableitungen. Zu jedem Koordinatensystem
definieren wir einen Ableitungsoperator
, so dass zu jedem
-Tensorfeld
durch
dasjenige
-Tensorfeld
bezeichnet wird, dessen Komponenten
in dem gegebenen Koordinatensystem
sind.
Der Nachteil dieses Ableitungsoperators ist, dass nicht festgelegt werden kann,
welches Koordinatensystem zur Bildung der Ableitung verwendet werden soll. Es
wäre ein Ableitungsoperator wünschenswert, der eine koordinatenunabhängige
geometrische Bedeutung hat.
Hier kommt nun wieder die Metrik ins Spiel. Es lässt sich nämlich zeigen, dass
zu jedem metrischen Tensorfeld
genau ein Ableitungsoperator existiert,
derart, dass die kovariante Ableitung von
überall verschwindet
[23, S. 35-36]:
 |
(28) |
Wenn wir im folgenden von kovarianter Ableitung reden, so werden wir immer
genau diesen Operator meinen.
Die kovariante Ableitung kann auch zur Bildung von Richtungsableitungen von
Tensorfeldern benutzt werden. Sei
ein Vektorfeld,
ein
-Tensorfeld, dann
bezeichnet
 |
(29) |
die kovariante Ableitung von
in Richtung
.
Zur praktischen Berechnung der kovarianten Ableitung gibt es folgenden
interessanten Zusammenhang, der sich auch auf allgemeine Tensorfelder
erweitern lässt [23, S. 33-34]:
 |
(30) |
sind hierbei die zum Ableitungsoperator
gehörenden Christoffel-Symbole, die sich nach folgender Formel berechnen
lassen [23, S. 36]:
 |
(31) |
Wenn man berücksichtigt, dass
nichts weiter als partielle
Ableitungen bezeichnet, so sieht man, dass es mit Hilfe der Formeln 3.25
und 3.26 kein Problem mehr ist, beliebige kovariante Ableitungen
in einer Koordinatenbasis auszurechnen.
Für eine detailliertere Behandlung der kovarianten Ableitung, die auch eine
Herleitung der oben verwendeten Formeln und Sätze liefert, sei auf
[23, S. 30-36] verwiesen.
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