Was charakterisiert eine Gerade? Nun, dem Namen nach muss sie gerade sein, ihre Richtung darf sich also nicht ändern. Die Richtung einer jeden Kurve ein einem beliebigen Punkt der Kurve kann durch einen Tangentialvektor beschrieben werden. Bei einer Geraden müssen also alle Tangentialvektoren in dieselbe Richtung zeigen.
In gekrümmten Räumen ist diese Bedingung nicht ohne weiteres zu überprüfen, da die Tangentialräume zweier Punkte einer Mannigfaltigkeit zunächst nichts miteinander zu tun haben. Über die kovariante Ableitung lässt sich zumindest ein lokaler Zusammenhang zwischen den Tangentialräumen definieren. Eine Geodäte in einem gekrümmten Raum ist damit eine Kurve, deren Tangentialvektor sich entlang dieser Kurve nicht ändert, wobei die Änderung über die kovariante Ableitung berechnet wird [23, S. 41]:
Wir wollen unsere Behandlung der Geodäten mit einer Betrachtung von
Kurvenlängen abschließen. Wie wir bereits gesehen haben, ist der
metrische Tensor eine Verallgemeinerung des Skalarprodukts. Da jedes
Skalarprodukt in einem Vektorraum eine Norm induziert, können wir unseren
metrischen Tensor auch zur Berechnung von Längen von Vektoren verwenden. Da bei
zeitartigen Vektoren die Metrik jedoch negative Werte liefert, müssen wir bei
der Berechnung der ,,Länge``
eines solchen Vektors
ein negatives
Vorzeichen unter der Wurzel hinzufügen:
Berechnen wir nun die Änderungsrate des ``Längenquadrats``
des
Tangentialvektors
einer Geodäte, indem wir die Rechenregeln aus
Definition 3.17, die Beziehung zwischen Metrik und kovarianter
Ableitung (3.23) sowie die geodätische Gleichung (3.27)
benutzen:
Über die Tangentialvektoren können wir auch zeitartigen Kurven eine
Länge zuordnen. Wir müssen nur die Wurzel (3.29) für die
Tangentialvektoren entlang der jeweiligen Kurve integrieren. Für die Länge
eines Stückes einer zeitartigen Kurve mit dem Parameter
und den Koordinaten
ergibt sich damit
Geodäten haben nun die interessante Eigenschaft, das Integral (3.30) zu minimieren bzw. zu maximieren. Damit erben die Geodäten von den Geraden auch die Eigenschaft ,,kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten``, wenn man davon absieht, dass es sich aufgrund des Vorzeichens der ,,Norm`` in manchen Fällen auch um die längste Verbindung handeln kann.
Aus der Extremaleigenschaft in Bezug auf die ,,Länge`` folgt auch eine
Lagrange'sche Extremalbedingung für Geodäten. Und zwar erfüllen Geodäten immer
die Euler-Lagrange-Gleichung (siehe Anhang B) mit der
Lagrange-Funktion