Trotzdem werden die meisten elektromagnetischen Vorgänge von uns nicht direkt wahrgenommen. Dies liegt vor allem daran, dass die elektromagnetische Kraft hauptsächlich im mikroskopischen Bereich wirkt. So ist sie z. B. für die Ausbildung chemischer Bindungen verantwortlich. Die Gravitation hingegen zeigt sich fast nur im makroskopischen Bereich. Am deutlichsten wird dies bei astronomischen Vorgängen; dort ist die Gravitation praktisch die einzig relevante Kraft.
Man mag sich nun fragen, wieso dies so ist. Insbesondere die Tatsache, dass die Gravitation im Vergleich zur elektromagnetischen Kraft sehr schwach ist2, würde doch vermuten lassen, dass sie auf große Entfernungen praktisch keine Rolle mehr spielt. In der Tat ist es so, dass bei kleinen geladenen Massen die Gravitation praktisch immer vernachlässigt werden kann. Bei größeren Materieansammlungen hingegen gleichen sich positive und negative Ladungsträger meist fast vollständig aus, wodurch die resultierenden elektromagnetischen Kräfte sehr klein werden. Da es aber keine negativen Massen gibt, addiert sich die anziehende Wirkung aller vorhandenen Masse und kann besonders bei sehr massiven Objekten enorme Kräfte hervorrufen. Das extremste Beispiel hierfür sind die Schwarzen Löcher. Hier ist die Gravitation so stark, dass nichts mehr entkommen kann, nicht einmal mehr Licht.
Da die Gravitation vor allem bei astronomischen Vorgängen eine Rolle spielt, kommt ihr bei der Frage nach dem Ursprung unseres Universums eine Schlüsselrolle zu (siehe Kapitel 6). Doch auch bei irdischen Problemen wird eine exakte Gravitationstheorie immer wichtiger. So funktioniert z. B. die Satellitennavigation mittels GPS nur aufgrund allgemeinrelativistischer Berechnungen so exakt.