Nächste Seite: Die Periheldrehung
Aufwärts: Bahnkurven bei Schwarzschild-Löchern
Vorherige Seite: Bahnkurven bei Schwarzschild-Löchern
  Inhalt
Klassifikation der Bahnkurven
Zur Klassifikation der Bahnkurven werden wir vor allem auf die radiale
Komponente der Bewegung zurückgreifen. Hierzu werden wir nun, wie bereits
angekündigt, die effektive Potentialfunktion
(5.3) diskutieren:
Betrachten wir zunächst das Verhalten dieser Funktion an den Rändern ihrer
Definitionsmenge. Wir müssen also die Limites
und
bilden. Formen wir dazu zunächst den Funktionsterm etwas um:
Wenn nun
gegen
geht, so gehen die drei Terme in Gleichung
(5.6), die Potenzen von
im Nenner stehen haben, gegen Null. Es
gilt also:
 |
(62) |
An Gleichung (5.7) kann man erkennen, dass das effektive Potential
bei
einen dreifachen Pol hat. Es gilt also:
 |
(63) |
da in der Nähe der Null das negative Vorzeichen des Terms
im Zähler
den Ausschlag gibt.
Als nächstes wenden wir uns den Nullstellen des Potentials zu. Dazu formen wir
den Ausdruck (5.3) erneut etwas um:
Wir erkennen, dass
genau eine Nullstelle bei
hat. Dies ist genau
der Schwarzschildradius, was jedoch keine Auswirkungen für unsere Diskussion
hat, da der Nullpunkt eines Potentials beliebig wählbar ist.
Bilden wir nun die Ableitung des effektiven Potentials:
Zur Ermittlung der Nullstellen der Ableitung betrachten wir die Diskriminante
des Zählers von (5.11):
 |
(66) |
Es können nun drei Fälle auftreten:
- a)
In diesem Fall ist die Diskriminante negativ. Die Funktion
hat also
keine Nullstellen. Weiterhin erkennt man z. B. durch Einsetzen, dass
immer positiv ist. Das effektive Potential hat also keine Extrema und ist
streng monoton steigend.
- b)
Hier ist die Diskriminante Null. Die Ableitung des effektiven Potentials hat
also genau eine Nullstelle. Da dies eine doppelte Nullstelle ist, hat die
Ableitung dort keinen Vorzeichenwechsel. Sie ist also immer nichtnegativ.
Das effektive Potential ist auch hier wieder streng monoton steigend, hat jetzt
aber einen Terrassenpunkt an der Nullstelle der Ableitung. Diese Nullstelle ist
gegeben durch
.
- c)
Hier ist die Diskriminante positiv.
hat also zwei reelle Nullstellen.
Da der Zähler von (5.11) eine nach oben geöffnete Parabel ist und der
Nenner nie negativ wird, ist der linke der beiden Vorzeichenwechsel von
von
nach
, der rechte von
nach
. Für
bedeutet dies, dass
man, von links kommend, zunächst auf ein Maximum, dann auf ein Minimum stößt.
Dazwischen liegen die erwarteten Monotonieeigenschaften vor.
Die gewonnenen Erkenntnisse sind für die drei Fälle skizzenhaft in Abbildung
5.3 veranschaulicht.
Abbildung 5.3:
Je nach
dem Wert des Drehimpulses
des orbitierenden Körpers im Vergleich zu Masse
des Schwarzen Loches ergeben sich verschiedene Kurven für das effektive
Potential
|
Betrachten wir nun die physikalischen Konsequenzen für die Bahnkurven der
einzelnen Typen, indem wir beachten, dass die Steigung des effektiven
Potentials die Beschleunigung in radialer Richtung ausdrückt (Gleichung
(5.4)):
- a)
- Hier erfährt der Körper in radialer Richtung immer eine
Beschleunigung zum Zentrum des Schwarzen Loches hin. Bewegt sich der Körper in
die richtige Richtung und reicht seine Energie aus, so kann er ins Unendliche
entkommen. Ansonsten muss er ins Loch stürzen.
- b)
- Hier gibt es genau eine Kreisbahn, nämlich beim Terrassenpunkt
des effektiven Potentials, da hier keine radiale Beschleunigung auf den Körper
wirkt. Diese Bahn ist jedoch nur in eine Richtung stabil: Weicht der Körper
nach außen ab, so wird er sofort wieder nach innen gezogen. Wenn der Körper
jedoch nach innen abweicht, wird er weiter nach innen beschleunigt und wird ins
Schwarze Loch fallen. Außer dieser Kreisbahn gibt es noch die Bahnen aus Fall
a).
- c)
- Dies ist der komplizierteste Fall. Zunächst gibt es hier zwei
verschiedene Kreisbahnen. Sie befinden sich bei den Extrema des effektiven
Potentials. Die Kreisbahn bei Punkt
ist instabil, da jede kleine Abweichung
vom Kreisradius eine Beschleunigung weg von diesem Radius verursacht. Die
zweite Kreisbahn, die sich bei Punkt
befindet, ist stabil: Eine kleine
Abweichung vom Kreisradius verursacht eine Beschleunigung zurück zu diesem
Radius. Außer den Kreisbahnen gibt es hier auch ellipsenartige Bahnen: Reicht
die kinetische Energie des Körpers weder aus, um ins Unendliche zu entkommen,
noch um den Potentialwall bei Punkt
zu überwinden, so pendelt der Abstand
des Körpers immer zwischen zwei Extremwerten, die durch die
-Werte der
Schnittpunkte der Geraden
mit dem Graphen des effektiven Potentials
bestimmt werden. Diese Bahnen sind nur angenähert Ellipsen, weil eine so
genannte Periheldrehung auftritt (siehe Abschnitt 5.3.2). Außer
den ellipsenartigen Bahnen treten und den Kreisbahnen hier natürlich bei
entsprechend hoher Energie des Körpers auch die Kurven aus Fall a) auf.
Nächste Seite: Die Periheldrehung
Aufwärts: Bahnkurven bei Schwarzschild-Löchern
Vorherige Seite: Bahnkurven bei Schwarzschild-Löchern
  Inhalt
FAQ Homepage