Warum führen wir überhaupt noch Überlegungen zum Ende des Universums durch? Es ist mittlerweile doch geklärt, dass kein Mitglied der menschlichen Rasse, geschweige denn ein heute lebender Mensch, je ein ,,Ende`` miterleben wird. Trotzdem gibt es viele Wissenschaftler, die sich immer noch mit Kosmologie beschäftigen. Dies hat verschiedene Ursachen. Zum einen ist die Kosmologie ein Extremgebiet der Physik: Sie ist der ,,Härtetest`` für alle Theorien, die den Anspruch erheben, allumfassend zu sein. Es ist ja schließlich genau der Urknall, wo die Unvollständigkeit der ART am deutlichsten sichtbar wird. Allumfassende Theorien werden jedoch auch unser Verständnis von irdischen Vorgängen entscheidend voranbringen.
Ein zweiter Grund dafür, dass sich Menschen mit Kosmologie beschäftigen, ist die menschliche Neugier: Seit Jahrtausenden haben sich Philosophen und Naturwissenschaftler mit Fragen beschäftigt, die den Ursprung und den Sinn der menschlichen Existenz betreffen. Die Kosmologie ist eine Wissenschaft, die sehr verwandten Fragestellungen nachgeht: So wird der Beginn des Universums ja vielfach immer noch als göttlicher Schöpfungsakt gesehen; das Ende des Universums ist für die Menschen schon deswegen interessant, weil sie wissen wollen, ob es etwas gibt, was über das Universum hinausgeht, wie es ja von vielen Religionen gepredigt wird. Die Kosmologie, die meistens auf exakte mathematische Formalismen zurückgreift (siehe Abschnitt 4.3.2.1), wird damit zur Wissenschaft, die am ehesten ein Bindeglied zwischen religiösen und physikalischen Überlegungen ist.
Dabei darf natürlich auch nicht verschwiegen werden, dass die Kosmologie ohne philosophische Überlegungen nicht existieren kann: Wir werden wahrscheinlich nie genügend experimentelle Daten sammeln können, um alle offenen Fragen bezüglich des Universums klären zu können. Deswegen muss die Kosmologie immer auf vorgefertigte Weltbilder zurückgreifen, die ohne philosophische Spekulationen nicht entstehen können [23, S. 91].