Nächste Seite: Parametrisierung der Bewegung durch
Aufwärts: Elementare Kreiseltheorie
Vorherige Seite: Elementare Kreiseltheorie
Wir behandeln im folgenden die Bewegung des starren Körpers. Es sei
nur bemerkt, daß es den starren Körper in diesem Sinne in der Natur
nicht gibt. Schon die einfachsten Tatsachen der speziellen
Relativitätstheorie sagen dies aus: Ein ideal starrer Körper würde
eine unendlich schnelle Signalübertragung gestatten, weil sich jede
Bewegungsänderung, die durch Kraftwirkung an einem Ende hervorgerufen
wird, am anderen Ende instantan auch wirksam werden muß. Wir
behandeln im folgenden den starren Körper im Rahmen der Newtonschen
Mechanik.
Der im angedeuteten Sinne idealisierte starre Körper ist nun dadurch
charakterisiert, daß alle seine Punkte stets die gleiche relative
Position zueinander einnehmen. Wir können den starren Körper also
wie folgt parametrisieren. Zunächst zeichnen wir einen beliebigen
Punkt
dieses Körpers aus und machen ihn zum Ursprung ein
kartesischen fest mit dem Körper verbundenen Koordinatensystems
mit
. Im Gegensatz dazu bezeichne
ein in einem beliebigen Inertialsystem befestigtes kartesisches
Dreibein. Wir bezeichnen das ungestrichene System als das
körperfeste, das gestrichene als das raumfeste
Bezugssystem.
Seien nun mit
(
) die Koordinaten des
Ortsvektors des Massepunktes
relativ zum körperfesten und
mit
die Komponenten desselben Vektors bzgl. der
raumfesten Bezugssystems bezeichnet. Seien ferner
die
Komponenten des körperfesten Ursprungs im raumfesten System. Dann
gilt offenbar für den Ortsvektor
des Massenpunkts
im raumfesten Bezugssystem
 |
(1) |
Da nun sowohl im raumfesten als auch im körperfesten Bezugssystem die
Abstände der Massenpunkte erhalten bleiben, müssen
und
durch eine (i.a. zeitabhängige) Drehung auseinander
hervorgehen. Die Zeitabhängigkeit von
rührt dabei nur
von der Drehung her, denn im körperfesten Bezugssystem sind diese
Vektoren per definitionem zeitunabhängig. Sei
die
Drehmatrix. Dann gilt
 |
(2) |
Dabei haben wir die Orthogonalitätsbedingung
genutzt. Daraus ergibt sich
 |
(3) |
Die in (2) auf der rechten Seite auftretende Matrix ist also
antisymmetrisch. Nun läßt sich jede antisymmetrische
-Matrix durch eine Linearkombination der total antisymmetrischen
Levi-Civita-Symbole darstellen
 |
(4) |
Wir können also schreiben
 |
(5) |
Es gilt dann
 |
(6) |
Dabei ist das Kreuzprodukt in kartesischen Koordinaten durch
 |
(7) |
definiert. Damit ergibt sich aus (2)
 |
(8) |
Um eine anschauliche Bedeutung des Vektors
zu
gewinnen, betrachten wir eine Rotation des Körpers um die
Dreiachse. Dann ist
 |
(9) |
Für den Vektor
ergibt sich damit sofort
 |
(10) |
Der Vektor
ist also vom Betrag her die
Winkelgeschwindigkeit der Drehung und zeigt in die Richtung der
Drehachse. Das gilt für jeden Zeitpunkt, d.h.
gibt
stets Betrag und Richtung der Winkelgeschwindigkeit des Körpers im
raumfesten Bezugssystem an.
Nun berechnen wir die kinetische Energie des Körpers. Aus (8)
folgt
![$\displaystyle T=\sum_{k=1}^n \frac{m_k}{2} \left ( \frac{\d \vec{x}_k'}{\d t} \...
...(\vec{\omega}' \times \vec{r}_k) + (\vec{\omega}' \times \vec{r}_k')^2 \right].$](img31.png) |
(11) |
Die drei in dieser Summe auftretenden Terme lassen sich nun leicht
physikalisch deuten. Der erste Term ist offenbar die
Translationsenergie des gesamten Körpers, der mittlere stellt den
Anteil der Energie dar, der durch die Bewegung des Schwerpunktes
mit  |
(12) |
um den körperfesten Bezugspunkt zustandekommt. Dieser Term
verschwindet, wenn man den Schwerpunkt zum Bezugspunkt des Körpers
macht. Das ist, wie wir gleich noch näher begründen werden, für den
Fall eine sinnvolle Wahl, daß sich der starre Körper frei in einem
äußeren Kraftfeld bewegt. Der letzte Term in (11) schließlich
beschreibt die intrinsische Rotationsenergie des Körpers, die durch die
Rotation des Körpers um den festen Bezugspunkt
zustandekommt.
Die Energie (11) läßt sich durch Einführung des Schwerpunkts
noch wie folgt vereinfachen:
 |
(13) |
Der Rotationsterm ist eine positiv definite quadratische Form bzgl.
der Winkelgeschwindigkeit
. Um die dazugehörige
darstellende Matrix, die Komponenten des Trägheitstensors, zu
gewinnen, schreiben wir diesen Term in Komponenten aus. Zunächst gilt
 |
(14) |
und damit folgt
 |
(15) |
Setzen wir dies in (13) ein, ergibt sich für die gesamte
kinetische Energie des starren Körpers, ausgedrückt im raumfesten
Bezugssystem also
 |
(16) |
Im Falle eines nicht weiter eingeschränkten starren Körpers, der
sich frei (evtl. in einem äußeren Potential) bewegen kann, wählt
man am besten den Schwerpunkt als Bezugspunkt des körperfesten
Koordinatensystems, so daß der mittlere Term in der vorigen Formel
wegfällt:
 |
(17) |
Für einen freien Kreisel, der sich nicht in einem äußeren Potential
befindet, ist der Ausdruck (17) forminvariant unter
zeitunabhängigen Drehungen des körperfesten Bezugssystems, so daß
nach dem Noethertheorem der dazugehörige kanonisch konjugierte
Impuls, in dem Fall der Drehimpuls des Körpers, nämlich
 |
(18) |
erhalten ist.
Nächste Seite: Parametrisierung der Bewegung durch
Aufwärts: Elementare Kreiseltheorie
Vorherige Seite: Elementare Kreiseltheorie
FAQ Homepage