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Die moderne Physik hat gezeigt, daß ein rein phänomenologischer
Standpunkt in der klassischen Elektrodynamik als nicht mehr ausreichend
als Zugang zu einer Theorie der Punktteilchen anerkannt werden
kann. Vielmehr muß von allgemeingültigen Symmetrieüberlegungen
ausgegangen werden, d.h. für die klassische Elektrodynamik, daß sie in
jedem Inertialsystem im Sinne der speziell relativistischen Physik
forminvariant formuliert sein muß. Mathematisch steht dazu das Mittel
der Tensorrechnung über dem Minkowskiraum, also dem
mit einer
Metrik der Signatur (1,3), zur Verfügung.
In der Dreierformulierung des 19. Jahrhunderts können die
elektromagnetischen Feldgrößen durch die vier Maxwellgleichungen
definiert werden, wobei wir uns auf den Fall des Vakuums
spezialsieren. Sie lauten im nichtrationalisierten cgs-System
(Gaußsches Maßsystem):
 |
(1) |
Dabei bezeichnen
und
elektrisches bzw. magnetisches
Feld und
und
die Ladungs- bzw. Stromdichte. Es fällt bei
dieser Schreibweise der Maxwellgleichungen sofort die Rolle auf, die
in dieser Theorie der Materie zugewiesen wird: Sie taucht als
Inhomogenitäten in den Feldgleichungen in Form von Ladungs- und
Stromdichte auf. Das Feldsystem kann also nur dann als abgeschlossenes
System gelten, wenn es sich um den ladungs- und stromfreien Raum, das
sog. freie Feld, handelt. Eine nähere Begründung dieses Sachverhalts
wird sich weiter unten ergeben.
Um nun zu einer kovarianten Formulierung zu gelangen, führen wir die
elektrodynamischen Potentiale ein. Die dritte Maxwellgleichung, die
die Quellenfreiheit des Magnetfeldes beschreibt, besagt, daß
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(2) |
sein muß.
ist aber nicht eindeutig, sondern nur bis auf den
Gradienten eines Skalarfeldes bestimmt. Man kann also über
noch näher verfügen. Setzen wir (2) in die 1. Maxwellgleichung
ein, so folgt
 |
(3) |
Die Rotationsfreiheit eines Feldes besagt, daß dieses ein skalares
Potential besitzt:
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(4) |
Setzen wir nun (2) und (4) in die zweite Maxwellgleichung
ein, folgt unter Ausnutzung der Formel
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(5) |
die Bestimmungsgleichung
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(6) |
Nun ist A aber nur bis auf einen Gradienten bestimmt, d.h. wir können
statt A auch
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(7) |
benutzen. Daraus folgt dann
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(8) |
(7) und (8) bezeichnet man als Eichtransformation und
als das zu dieser gehörige Eichfeld. Die Maxwellgleichungen
sind eichinvariant. Wir können nun bei gegebenen Feldern
und
über
so verfügen, daß
 |
(9) |
Diese Festlegung des Eichfeldes
bezeichnet man als
Lorentzeichung. Dabei ist aber zu beachten, daß nach der Festlegung der
Eichung die Gleichungen nicht mehr eichinvariant sind. Wir werden weiter
unten wieder zu einer eichinvarianten Formulierung zurückkehren. Setzt
man nun (7)-(8) in (9) ein, findet man als
Bestimmungsgleichung für
:
mit |
(10) |
Das ist eine inhomogene Wellengleichung, die mit Hilfe der unten
hergeleiteten Greenfunktion dieser Gleichung gelöst werden kann, d.h.
die Lorentzeichung existiert. Wir nehmen nun im folgenden an,
und
genügten der Lorentzeichung. Dadurch läßt sich (5)
vereinfachen:
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(11) |
Diese Gleichung ist bereits eine wesentlich übersichtlichere Form der ersten
drei Maxwellgleichungen. Wir müssen noch die 4. Maxwellgleichung erfüllen,
indem wir (4) einsetzen:
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(12) |
(11) und (12) haben den Vorteil, daß die drei Komponenten
von
und
einer einheitlichen Gleichung genügen. Es
liegt nun nahe, die vierdimensionalen Vektoren
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(13) |
zu definieren. Dann schreiben sich (11) und (12) in der
Form
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(14) |
Dies wird nun aber zu einer kovarianten Vektorgleichung, wenn man den Vierervektor
 |
|
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(15) |
und die Metrik
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(16) |
einführt, also Zeit und Raum zu einem vierdimensionalen Vektor im Raum
zusammenfaßt. Dann schreibt sich nämlich (14) in
der Einsteinschen Schreibweise des kovarianten Tensorkalküls:
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(17) |
Dabei ist
 |
(18) |
Die Lorentztransformationen sind nun diejenigen regulären linearen
Abbildungen, unter denen die (1,3)-Bilinearform invariant ist. Diese
Abbildungen definieren eine Gruppe, die O(1,3), die Isometriegruppe des
. Für eine Lorentztransformation
gilt
 |
(19) |
Damit sind die fundamentalen Symmetrien der Elektrodynamik bekannt:
Nämlich die Lorentztransformationen, die sich auf die Raum-
Zeit-Koordinaten beziehen, also die Struktur von Raum und Zeit
bestimmen. Das Viererpotential des elektromagnetischen Feldes
transformiert sich wie die Raum-Zeitkoordinaten, stellt also einen
Vektor dar. Eine weitere Symmetrie, eine dynamische Symmetrie, ist durch
die Eichinvarianz gegeben.
Wir formulieren nun die physikalisch relevanten Größen, nämlich die
Felder, kovariant, also im Rahmen des Tensorkalküls, wobei gleichzeitig
die Eichinvarianz, die wir oben zugunsten der Lorentzeichung fallen
gelassen haben, wieder hergestellt wird. Ein Blick auf die
Maxwellgleichungen und die obige Dreierformulierung der Potentiale
zeigt, daß dafür nur der antisymmetrische Tensor
 |
(20) |
in Frage kommt. Die ursprünglichen Felder
und
des
Dreierformalismus erhält man daraus durch Aufspalten in Raum- und
Zeitkomponenten. Da ein antisymmetrischer Tensor im vierdimensionalen
Raum sechs unabhängige Komponenten enthält, nennt man ihn auch
Sechservektor. Die erwähnte Aufspaltung in Raum und Zeit ergibt
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(21) |
Dabei laufen griechische Indizes von
bis
, d.h. die Felder
und
sind im Viererformalismus durch den
antisymmetrischen Feldstärketensor (Sechservektor)
gegeben.
Dieser Tensor ist eichinvariant, wie es für physikalisch relevante
Größen sein muß. Auch die Maxwellgleichungen lassen sich
eichinvariant im Viererformalismus vermittels des Feldstärketensors
ausdrücken. Dazu gehen wir auf die Gleichungen (6) und (12)
zurück. Danach gilt
 |
(22) |
d.h. man kann die Maxwellgleichungen in eichinvarianter Form anschreiben:
 |
(23) |
Weiter muß man aber noch die Integrabilitätsbedingung, d.h. die
Darstellbarkeit des Vierertensors
als Viererrotation eines
Vektorpotentials vierdimensional formulieren. Diese
Integrabilitätsbedingung ist durch die beiden homogenen
Maxwellgleichungen gegeben. Betrachtet man diese, erkennt man, daß der
dualisierte Tensor
 |
(24) |
die geeignete Größe zur Formulierung der Integrabilitätsbedingung
ist. Die rechts stehende Formulierung mit Hilfe des Vektorpotentials
zeigt, daß die Integrabilitätsbedingung gegeben ist durch
 |
(25) |
(23) und (25) stellen also die eichinvariante relativistisch
kovariante Formulierung der klassischen Elektrodynamik dar.
Um nun die Symmetrieprinzipien der Mechanik auf die Feldtheorie
übertragen zu können, benötigen wir die Lagrangeformulierung bzw.
das Hamiltonsche Prinzip für Felder. Die Verallgemeinerung des
Hamiltonschen Prinzips für die Punktmechanik ergibt sich nun wie folgt:
Statt einer Lagrangefunktion
wird für die Felder eine
Lagrangedichte
eingeführt. Dafür, daß die Feldgleichungen
kovariant sind, ist es hinreichend (aber nicht notwendig!), daß
eine skalare Viererdichte ist. Das Hamiltonprinzip für Felder besagt in
Analogie zum Hamiltonprinzip der Mechanik, daß das Wirkungsintegral
 |
(26) |
unter den üblichen Randbedingungen stationär werden muß, d.h.
wobei |
(27) |
Die Feldgleichungen ergeben sich daraus durch Bildung der Variation
unter dem Integral
![$\displaystyle \delta I=\int_{V^{(4)} } \left [{\frac{\partial \Lag}{\partial A^...
...c{\partial \Lag}{\partial A^{a,b} }} \delta A^{a,b} \right ] d^{4} \uvec{X} =0.$](img52.png) |
(28) |
Da die Feldvariation mit der Differentiation vertauschbar ist und der
vierdimensionale Gaußsche Satz angewandt werden kann, gilt die Formel
der partiellen Integration
 |
(29) |
Daraus folgt nun wegen der Vertauschbarkeit der Feldvariation mit den
partiellen Ableitungen nach den Raum-Zeit-Koordinaten:
 |
(30) |
letzteres weil die Feldvariationen auf dem Rand des vierdimensionalen
Volumens beim Hamiltonschen Prinzip verschwinden sollen. Setzt man dies
in das obige Wirkungsintegral ein, folgt
![$\displaystyle \delta I =\int_{V^{(4)} } \left [{\frac{\partial \Lag}{\partial A...
...} {\frac{\partial \Lag}{\partial A^{a,b} }} \right ]\delta A^{a} d^{4} \uvec{X}$](img55.png) |
(31) |
Da die
unabhängig voneinander sind, folgt aus dem
Fundamentallemma der Variationsrechnung, daß die Feldgleichungen durch
die Euler-Lagrangegleichungen
 |
(32) |
gegeben sind. Um die sich aus diesem Formalismus ergebenden weiteren
Folgerungen verwerten zu können, müssen die Feldgleichungen (23)
der Elektrodynamik mit (32) beschreibbar sein. Wir haben die dazu
passende Lagrangedichte
aufzufinden. Es ist klar, daß
nur
bis auf einen konstanten Faktor durch (32) und die
Maxwellgleichungen bestimmt sein kann. Das Vorzeichen des Faktors kann
dadurch gefunden werden, daß bei linearen Feldgleichungen die
Feldgradienten eine quadratische Form in
bilden. Das Vorzeichen
ist so zu wählen, daß Terme, die der kinetischen Energie der Mechanik
entsprechen, also die Zeitableitungen der Felder enthalten, mit
positivem Vorzeichen erscheinen. Der Absolutwert des Faktors legt, wie
sich weiter unten zeigen wird, die Verbindung des elektromagnetischen
zum mechanischen Maßsystem fest. Wir haben hier die nichtrationalen
Gaußschen cgs-Einheiten gewählt, so daß ein Faktor
in
auftaucht. Die Feldgleichungen (23) schreiben sich unter
Verwendung von (20) wie folgt:
 |
(33) |
Man sieht durch einfache Integration, daß sich
aus den beiden
Summanden
zusammensetzt. Das ist die gesuchte Lagrangedichte des
elektromagnetischen Feldes. Das freie Feld enthält nur
. Die
Stromdichte
stellt dabei ein äußeres nicht im Hamiltonprinzip zu
variierendes Feld dar, d.h.
führt die Raum-Zeitkoordinaten
explizit in die Lagrangedichte ein. Das ist dadurch verständlich, daß
es sich um die Ankopplung der Teilchen, die sich in der Elektrodynamik
als Viererstrom äußern, an das elektromagnetische Feld handelt.
Als nächster Schritt bei der Analyse der Struktur der Lagrangetheorie
der Felder, ist die Klärung der Frage, welche Lagrangedichten
zu (34) äquivalent sind, d.h. welche Lagrangedichten zu denselben
Feldgleichungen führen. Diese Frage läßt sich am schnellsten
beantworten, wenn man die obige Rechnung, die vom Hamiltonprinzip zu den
Lagrangegleichungen führten, betrachtet. Es folgt, daß man zu
die Divergenz eines beliebigen Feldes, das nur von den Feldern
und
explizit von den Raum-Zeit-Koordinaten abhängt, addieren kann:
mit |
(35) |
Es folgt nämlich
 |
(36) |
Dabei haben wir den vierdimensionalen Gaußschen Satz benutzt, wobei
das Flächenintegral verschwindet, weil die Feldvariationen
definitionsgemäß auf dem Rand des betrachteten Gebiets verschwinden.
Auch die Eichtransformationen ändern die Lagrangedichte in dieser
Weise ab. Setzt man nämlich die Eichtransformation
(7-8) in (34) ein, so folgt
 |
(37) |
weil gemäß (23) J divergenzfrei ist:
 |
(38) |
Diese Divergenzfreiheit des Viererstroms ist offensichtlich aber
umgekehrt auch als Folgerung der Eichinvarianz der Elektrodynamik
anzusehen, d.h. die durch die Eichgruppe beschriebene Symmetrie zieht
die Divergenzfreiheit des Stromes nach sich. Diese Divergenzfreiheit
schreibt sich nun aber im Dreierformalismus
 |
(39) |
Integrieren wir diese Gleichung über den gesamten Ortsraum, so folgt
aus dem Gaußschen Satz bei hinreichend schnellem Abfall des Stromes im
Unendlichen:
 |
(40) |
d.h. die Divergenzfreiheit des Viererstroms stellt in integraler Form
einen Erhaltungssatz bzw. in differentieller Form eine
Kontinuitätsgleichung dar. Die Symmetrie des Maxwellfeldes, die durch
die Eichgruppe beschrieben wird, zieht die Ladungserhaltung nach sich.
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