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Im folgenden betrachten wir die totale Variation der Lagrangedichte, die
sich zum einen aus der bereits eben hergeleiteten Feldvariation, zum
anderen aus der Variation der Raum-Zeitvariablen X ergibt. Wir
behandeln Transformationen, die sich durch infinitesimale Erzeugende
beschreiben lassen, setzen also voraus, daß die Transformationsgruppen
Liegruppen sind.
Das Hauptproblem ist, daß anders als beim Hamiltonprinzip die Variation
mit der partiellen Differentiation aufgrund der Mitvariation der
Raum-Zeit-Koordinaten nicht vertauschen. Es gilt
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(41) |
Dabei haben wir die Ableitung der Umkehrfunktion benutzt und die
Taylorentwicklung bzgl. der Variationen mit dem linearen Glied
abgebrochen. Außerdem wurde die Inversion einer nur infinitesimal von
der Einheitsmatrix verschiedenen Matrix benutzt:
![$\displaystyle [({\delta^{l} }_{k} +(\delta x^{l} )_{,k} ]^{-1} = {\delta^{k} }_{l} - (\delta x^{k} )_{,l}.$](img75.png) |
(42) |
Weiter benötigen wir die Variation des Vierervolumenelements:
Dabei durchläuft
die 24 Permutation der Zahlen 0 bis 3. Die totale
Variation des Wirkungselements lautet demnach
![$\displaystyle \delta (\Lag d^{4} \uvec{X} ) =\left \{{\frac{\partial \Lag}{\par...
...rtial A_{i,k} }} A_{i,l} \right ] (\delta x^{l} )_{,k} \right \} d^{4} \uvec{X}$](img79.png) |
(45) |
In Analogie zur klassischen Punktmechanik führen wir den kanonischen
Energie-Impulstensor
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(46) |
ein, so daß sich (45) abkürzen läßt zu
![$\displaystyle \delta (\Lag d^{4} \uvec{X} ) =\left [{\frac{\partial \Lag}{\part...
...l \Lag}{\partial x^{k} }} \right )_{\exp} \delta x^{k} \right ] d^{4} \uvec{X}.$](img81.png) |
(47) |
Eine Symmetrietransformation ist nun eine solche Transformation, bei der
die Feldgleichungen forminvariant bleiben, d.h. die eckige Klammer darf
nur eine Divergenz der Form (35) sein. Damit also die betrachtete
Transformation eine Symmetrietransformation darstellt, ist die folgende
Bedingung notwendig und hinreichend:
 |
(48) |
Wir folgern daraus nun einen Erhaltungssatz indem wir (46) nach
differenzieren:
 |
(49) |
Dabei haben wir die Lagrangegleichungen (32) benutzt. Setzt man
dies in (48) ein, läßt sich (48) als Divergenz schreiben:
![$\displaystyle \left [{\frac{\partial \Lag}{\partial A_{i,k} }} \delta A_{i} -\Theta^{kl} \delta x_{l} +\delta \Omega^{k} \right ]_{,k} =0.$](img85.png) |
(50) |
Dies ist aber genau wie der Erhaltungssatz der Ladung ein Erhaltungssatz
in lokaler Form. Wir nutzen jetzt die Kenntnis des Verhaltens der Felder
unter der Poincarégruppe aus, die eine Symmetrietransformation
darstellt.
Wir beginnen mit der Translation. Dabei ändern sich die Felder nicht
explizit, sondern nur über die Variablentransformation, die aber in der
obigen Rechnung berücksichtigt ist. Dann folgt für die
Translationsgruppe
const |
(51) |
Ein Blick auf (48) lehrt, daß Translationsinvarianz besteht, wenn
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(52) |
also die Lagrangefunktion nicht explizit von den Koordinaten abhängt,
d.h. im Falle der Elektrodynamik für das strom- und ladungsfreie
Maxwellfeld. Dann ist
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(53) |
In Raum und Zeitkoordinaten getrennt geschrieben (griechische Indizes laufen
im folgenden von 1 bis 3) heißt das
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(54) |
Der korrespondierende globale Erhaltungssatz wird hergeleitet wie bei
der Ladungserhaltung. Daraus geht hervor, daß
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(55) |
die Impuls- bzw. Energiedichte des Feldes sein müssen.
Wir betrachten nun eine infinitesimale Lorentztransformation (obwohl wir
das Ergebnis im folgenden nicht weiter benötigen werden). Für diese
gilt
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(56) |
Dabei haben wir die Bewegungsregeln für Indizes auf die infinitesimalen
Lorentzmatrizen
angewandt:
 |
(57) |
Die infinitesimale Erzeugende der Lorentztransformation ist also eine
antisymmetrische Matrix. Unter Lorentztransformationen gilt demnach
 |
(58) |
Wegen (56) können wir o.B.d.A
als antisymmetrisiert in den
Indizes
und
denken.
bestimmt die Darstellung der
Lorentztransformation, nach der sich die Feldgrößen transformieren.
Im Falle des elektromagnetischen Vierervektors
haben wir
offenbar zu setzen
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(59) |
Gehen wir mit (58) in (50) ein, finden wir demnach
 |
(60) |
d.h. mit den kanonischen Feldimpulsen
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(61) |
ergibt sich der gesuchte Erhaltungssatz durch Antimetrisieren des
Koeffizienten von
in (41), weil
allein durch die Antimetrie eingeschränkt ist, d.h. das Feld
Die
-Komponente von
muß nach unserem allgemeinen Schema für
der Schwerpunkts- für
der Drehimpulsdichte des Feldes
zugeordnet werden. Man erkennt ferner, daß sich der kanonische
Felddrehimpuls aus dem vom geometrischen Typ der Felder, also dem
Transformationsverhalten derselben unter Lorentztransformationen,
abhängigen ,,Spin-`` und dem aus dem kanonischen
Energie-Impulstensor zusammengesetzten ,,Bahndrehimpuls``
zusammensetzen.
Wir gehen jetzt auf das elektromagnetische Maxwellfeld zurück. Dazu
benutzen wir (34) um den kanonischen Energie-Impulstensor
auszurechnen. Es gilt
 |
(64) |
Bis jetzt haben wir bei unseren Herleitungen nur Lorentzkovarianz
gefordert und durch den Tensorkalkül praktisch automatisch
eingehalten. Nun muß aber jede meßbare physikalische Größe (dazu
gehören offensichtlich Energie und Impuls) eichinvariant sein. Das ist
aber für den kanonischen Energie-Impulstensor nicht der Fall, denn es
gilt
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(65) |
Wir haben aber
dadurch physikalisch ausgezeichnet, daß er
einen Erhaltungssatz
ergibt, falls es sich um ein
freies Maxwellfeld (also
) handelt. Der Erhaltungssatz ändert sich
aber offenbar nicht, wenn man zum kanonischen Energie-Impulstensor einen
divergenzfreien Term addiert. Auf diese Weise können wir einen
eichinvarianten Energie-Impulstensor gewinnen. Wenn man (65)
betrachtet, sieht man, daß dies durch
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(66) |
erfüllt wird. Für
kann man (66) aufgrund von
(23) schreiben:
 |
(67) |
und der Zusatzterm ist divergenzfrei bzgl.
wie es sein muß.
Für uns ist im folgenden die Wirkung des Viererstroms interessant, denn
er beschreibt die Quellen des elektromagnetischen Feldes. Aus (66)
folgt
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(68) |
Die Viererkraftdichte, die aufgrund des elektromagnetischen Feldes auf
ein Kontinuum (bzw. Teilchen bei Verwendung der Diracschen
-Funktion) ist demgemäß
 |
(69) |
Im Dreierformalismus schreibt sich das wie folgt:
 |
(70) |
Der rechts im Dreierformalismus geschriebene Tensor
ist der
Maxwellsche Spannungstensor, der sich schreiben läßt zu
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(71) |
Wir wollen nun (69) zur Herleitung der Kraftwirkung auf
Punktladungen anwenden. Die Viererstromdichte einer Punktladung ist
offenbar
![$\displaystyle J^{0} (t;\vec{x} )=qc\delta^{(3)} [\vec{x} -\vec{z} (t)], \quad \vec{j} (t;\vec{x} )=q \vec{v} \delta^{(3)} [\vec{x} -\vec{z} (t)].$](img123.png) |
(72) |
Daß dies eine kovariante Ausdruck ist, zeigt sich daran, daß man ihn
in der explizit kovarianten Form
![$\displaystyle J^{a} (\uvec{X} ) =q\int_{R} {\frac{d Z^{a} }{d\tau }} \delta^{(4)} [\uvec{X} -\uvec{Z} (\tau )] d\tau$](img124.png) |
(73) |
schreiben kann, wobei
irgendein die Bahnkurve im Minkowskiraum
(die Weltlinie) des Teilchens parametrisierender Skalar ist. Dazu kann
die Eigenzeit des Teilchens gewählt werden. Setzen wir den Strom in der
Form (72) in (69) ein, so erhalten wir nach Integration
über das Dreiervolumen
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(74) |
Die 0-Komponente der Gleichung (69) schreibt sich
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(75) |
Explizit relativistisch kovariant wird diese Bewegungsgleichung erst
dadurch, daß wir (74) und (75) durch den Lorentzfaktor
dividieren und damit
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(76) |
erhalten.
Eine andere Fragestellung ist die nach dem durch auf vorgegebenen
Viererbahnen bewegten Teilchen erzeugten elektromagnetischen Feld. In
Lorentzeichung schreibt sich das als die inhomogene Wellengleichung
(14) mit dem gegebenen Strom (73). Eine Partikulärlösung
der inhomogenen Gleichung kann allgemein angegeben werden, wenn man die
Greenfunktion des d'Alembert-Operators findet. Die Greenfunktion ist
definiert durch die Differentialgleichung
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(77) |
und die Retardierungsbedingung
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(78) |
Dabei ist
die Heavisidesche Sprungfunktion. Um das Problem zu
lösen, führen wir eine Fouriertransformation von (77) durch:
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(79) |
Setzt man dies in (77) ein, findet man:
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(80) |
Bei der Rücktransformation von (80) in den Raum-Zeit-Bereich ist
(78) zu beachten. Deshalb erscheint es sinnvoll, zunächst das
-Integral auszuwerten. Die Schwierigkeit besteht dabei darin, daß
auf der
-Achse Pole der Fouriertransformierten liegen. Man hat also
den Integrationsweg in der folgenden Weise ins Komplexe zu deformieren:
Abbildung:
Zur Fourier-Rücktransformation der retardierten
Greenfunktion der Wellengleichung.
|
|
Die kleinen Halbkreise, die die Pole ausschließen, wurden in die untere
Halbebene gelegt um die obige Retardierungsbedingung zu erfüllen: Beim
Durchlaufen des oberen Weges muß
sein, damit das Integral
über den großen Kreis im Limes für
verschwindet. Für
muß der Weg in der unteren Halbebene
geschlossen werden. Das Integral über diesen Weg verschwindet nach dem
Residuensatz, weil innerhalb desselben keine Pole des Integranden
liegen, wie wir es oben gefordert haben. Das Integral über den oberen
Weg läßt sich ebenfalls vermittels des Residuensatzes ausrechnen:
![$\displaystyle \int_{R} {\frac{\exp [ik_{0} (X_{0} -X_{0'} )]}{k_{0}^{2} -k^{2} ...
...[ik(X_{0} -X_{0'} )]}{2 k}} -{\frac{\exp [-ik(X_{0} -X_{0'} )]}{2 k}} \right ],$](img137.png) |
(81) |
d.h. es gilt
![$\displaystyle g(\uvec{X} ;\uvec{X}' ) =\left ({\frac{1}{2\pi }} \right )^{3} \i...
... [k(X_{0} -X_{0}' )]}{k}}\exp [\vec{ik} (\vec{x} -\vec{x}_{0} )] d^{3} \vec{k}.$](img138.png) |
(82) |
Zur Berechnung dieses Integrals führt man Kugelkoordinaten ein und
erhält durch einfache Integration
mit  |
(83) |
Das elektromagnetische Feld bei vorgegebenem Strom ist also
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(84) |
Zum Nachweis, daß die Lorentzeichbedingung des Potentials erfüllt ist,
schreiben wir
 |
|
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(85) |
 |
|
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(86) |
weil
divergenzfrei ist.
Zur physikalischen Interpretation rechnen wir das Ergebnis in den
Dreierformalismus um:
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(87) |
Erinnert man sich der Elektro- bzw. Magnetostatik, erkennt man, daß
zum Feld zur Zeit
die Quellen zur Zeit
,
wobei
der Abstand zwischen Auf- und Quellpunkt ist, beitragen,
d.h. die elektromagnetische Wirkung der Quellen breitet sich mit (der
endlichen!) Lichtgeschwindigkeit
aus. Hätte man die
Retardierungsforderung nicht gestellt, hätte man auch die avancierte
Greenfunktion, wo die Quellen aus der Zukunft gewirkt hätten, oder
eine Linearkombination aus beiden erhalten können, die aber nicht die
Forderung der Kausalität erfüllen.
Wir wenden schließlich noch die Greenfunktion auf die Quellen
(73) an:
![$\displaystyle A^{a} (\uvec{X} )={\frac{4\pi }{c}}\int_{R^{4} } \int_{R} q\delta...
...\pi }{c}}\int_{R} q{\frac{dY^{a} }{d\tau }} G[\uvec{X} -\uvec{Y} (\tau )] d\tau$](img150.png) |
(88) |
Das ist das sog. Lienard-Wiechertsche Potential.
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