Nächste Seite: Eichtheoretischer Zugang zur Quantisierung
Aufwärts: Magnetische Monopole Seminarvortrag, TH-Darmstadt
Vorherige Seite: Der kanonische Formalismus für
Bevor wir uns mit der Quantisierung der oben entwickelten klassischen
Theorie befassen, wollen wir uns kurz über die Grundlagen der
relativistischen Quantentheorie klar werden, denn wie nicht anders zu
erwarten, ergeben sich bei der Quantisierung der klassisch
relativistischen Theorie eine relativistische Quantentheorie.
Wir betrachten zunächst noch einmal die Formulierung der
nichtrelativistischen Quantentheorie, wobei wir die konkrete
Darstellung der Zustände als
Funktionen im Ortsraum
(Ortsdarstellung) und der Operatoren als Differential- bzw.
Multiplikationsoperatoren verwenden. Wir wiederholen kurz die
Interpretation der nichtrelativistischen Quantentheorie:
- (1)
- Die Wellenfunktion ist eine Wahrscheinlichkeitsamplitude,
d.h. die Wahrscheinlichkeit, ein Teilchen in einem Volumenelement
um den Punkt
zur Zeit
zu finden, ist
.
- (2)
- Die Zeitentwicklung der Wellenfunktion wird durch den
Hamiltonoperator erzeugt:
 |
(161) |
Die Wellenfunktion muß wegen der Wahrscheinlichkeitsinterpretation
notwendig normierbar sein, und zwar in dem Sinne, daß diese
Normierung mit der Zeitentwicklung, die durch die
Schrödingergleichung gegeben ist, nicht zerstört wird. Das ist in
der Tat der Fall. Aus der Hermitezität des Hamiltonoperators folgt
nämlich sofort:
 |
(162) |
Definiert man nun einen Strom zu
 |
(163) |
haben wir eine Kontinuitätsgleichung gewonnen, die in der üblichen
Weise interpretiert werden kann. Insbesondere ist das Raumintegral
über die positiv semidefinite Wahrscheinlichkeitsdichte
mit der Zeit konstant, weil der Beitrag des Stromes nach dem
Stokesschen Satz bei der Integration über die im Unendlichen gelegene
Oberfläche verschwindet, d.h. die Wahrscheinlichkeitsnormierung ist
konsistent mit der Zeitentwicklung. Die Kontinuitätsgleichung läßt
sich physikalisch als Erhaltungssatz für die Masse bzw. die
Teilchenzahl deuten.
Charakteristisch für die relativistische Quantentheorie ist aber
gerade das Versagen der eben gegebenen
Wahrscheinlichkeitsinterpretation. Betrachten wir etwa die einfachste
relativistische Wellengleichung, die wir unten noch näher herleiten
werden, die Klein-Gordon-Gleichung für das freie Teilchen
 |
(164) |
Dabei ist die Form dieser Gleichung durch reine Invarianzüberlegungen
zu rechtfertigen. Jede relativistische Wellenfunktion muß nämlich
eine relativistisch kovariante Größe sein, d.h. sich nach einer
Darstellung der Lorentzgruppe transformieren. Die einfachste
Möglichkeit für die Wellenfunktion ist ein Skalar. Soll sie ein
freies Teilchen beschreiben, muß die Wellenfunktion invariant
gegenüber Translationen von Raum und Zeit sein (Erhaltung des
Viererimpulses nach dem Noethertheorem), d.h. bei Durchführung einer
solchen Transformation darf sich die Wellenfunktion nur mit einem
Phasenfaktor multiplizieren. Das kann aber nur die ebene Welle
leisten:
 |
(165) |
Dabei ist der Impulsoperator ein Differentialoperator bzgl. der
Raumzeitkoordinaten, weil er infinitesimaler Erzeugendenoperator von
Raum-Zeittranslationen ist (s.o.). Betrachtet man die
Klein-Gordongleichung, zeigt sich in der Tat, daß die ebene Welle,
die ein Teilchen mit konstantem Impuls und konstanter Energie (eben
ein freies Teilchen) beschreibt, zur richtigen Energie-Impulsbeziehung
dieses freien Teilchens führt.
Betrachten wir in Analogie zur Stromdichte der nichtrelativistischen
Quantenmechanik die Größe
![$\displaystyle J_{a} =i[\psi^*\partial_{a} \psi -\psi \partial_{a} \psi^*],$](img306.png) |
(166) |
so ergibt sich für diese Größe aus der Klein-Gordon-Gleichung eine
Kontinuitätsgleichung der obigen Form. Die Nullkomponente ist jedoch
nicht mit
identisch, so daß aufgrund der
Kontinuitätsgleichung der Stromdichte
nicht zeitlich
konstant und demzufolge nicht als Wahrscheinlichkeitsdichte für die
Lokalisierung eines Teilchens interpretierbar ist. Anders ausgedrückt
ist die Erhaltung der Teilchenzahl in einer nichtrelativistischen
Theorie nicht mehr gegeben, was damit zusammenhängt, daß in
relativistischen Theorien nicht die Ruhemasse für sich sondern die
Gesamtenergie des Systems, zu der auch die Ruheenergie zählt, eine
Erhaltungsgröße ist. Eine relativistische Theorie ist demzufolge
notwendig eine Vielteilchentheorie. Die mit der obigen Stromdichte
formulierte Kontinuitätsgleichung muß als Erhaltungssatz einer
Ladung (z.B. der elektrischen Ladung) interpretiert werden.
Behandelt man die Vielteilchentheorie, die durch Anwendung des
Verfahrens der zweiten Quantisierung des Klein-Gordon-Feldes
entsteht, so hat man eine weitere Schwierigkeit zu beheben:
Grundlösung der Gleichung für das freie Teilchen sind ebene Wellen
der Form
. Die dem Teilchen zugeordnete Energie
muß lediglich der Gleichung
genügen. Das folgt zwanglos aus der
Klein-Gordon-Gleichung, wenn man nach dem Quadrat des
Hamiltonoperators
 |
(167) |
auflöst. Die Lösungen dieser Gleichung sind aber gegeben durch
 |
(168) |
Die zweite Lösung bereitet in ihrer Interpretation insofern Probleme
als ihr ein Teilchen mit negativer Energie entspricht (
ist
als die positive Wurzel der obigen Gleichung vorausgesetzt). Bei der
Entwicklung des Operators der Wellenfunktion der zweiten Quantisierung
kann man dieses Problem dadurch beheben, daß man den
Erzeugungsoperator der Teilchen, die zu solchen Fourierkomponenten mit
negativer Energie gehören, als Vernichtungsoperator von anderen
Teilchen positiver Energie interpretiert
(Feynman-Stückelberg-Formalismus). Diese andere Teilchensorte stellt
das Antiteilchen zu den betrachteten Teilchen dar.
Ein weiteres Ergebnis der relativistischen Quantentheorie sei hier nur
qualitativ erörtert. Stellt man eine Lagrangetheorie der freien
Klein-Gordon-Gleichung auf, so erhält man durch Berechnung des
kanonischen Energie-Impulstensors für die Energie des Feldes eine
positiv definite Größe, so wie es sein muß. Wendet man diese
Definition der Energie beim quantisierten Feld an, so erkennt man,
daß nur die zweite Quantisierung mit Kommutatorregeln zu einer
positiv definiten Gesamtenergie der Teilchen und Antiteilchen führt.
Die Teilchen vom Spin 0 sind also notwendig Bosonen. Eine
Quantisierung nach Antikommutatoren führt zu einer nicht positiv
definiten Gesamtenergie des Systems und ist somit nicht konsistent mit
der physikalischen Interpretation der Vielteilchentheorie. Dies ist
Ausdruck des Spin-Statistik-Theorems, das von Pauli 1940 erstmals
bewiesen wurde. Demnach müssen Teilchen mit ganzzahligen Spins
Bosonen, mit halbzahligen Spins Fermionen sein. Dieser Sachverhalt war
lange vor dem Beweis des Theorems empirisch bekannt und muß in der
nichtrelativistischen Quantentheorie als zusätzliche Annahme
eingeführt werden, denn die zweite Quantisierung des
Schrödingerfeldes kann sowohl mit Kommutator- als auch mit
Antikommutatorregeln konsistent durchgeführt werden.
Nach diesem Ausflug in die relativistische Quantenmechanik kehren wir
zu unserer Betrachtung der Teilchen und Pole zurück, wobei wir das
elektromagnetische Feld, wie bereits oben erwähnt, nicht
quantisieren, also als klassisches Feld in der Theorie weiterverwenden
wollen. Dies ist der Standpunkt, den wir auch bisher in der
nichtrelativistischen Quantentheorie benutzt haben. Wie oben bereits
angedeutet, ergibt sich als Operator für
in der
Ortsdarstellung des Hilbertraums:
 |
(169) |
weil die Viererimpulse Translationen in Raum und Zeit erzeugen. Es ist
leicht nachzurechnen, daß diese Operatoren die kanonischen
Vertauschungsrelationen, die wir als die Poissonklammern (153)
der klassischen Theorie formuliert haben, erfüllen. Für die Ladungen
folgt, wenn wir hier die Teilchen als skalare Bosonen betrachten
(also skalare Wellenfunktionen benutzen):
![$\displaystyle (\hat{p}^{a} -{\frac{e}{c}} A^{a} ) (\hat{p}_{a} -{\frac{e}{c}} A...
...}{i}} \partial_{a} {\frac{e}{c}} A^{a} \right ) - m^{2} c^{2} \right ]\psi = 0.$](img316.png) |
(170) |
Man erhält also die bereits oben betrachtete Klein-Gordon-Gleichung,
allerdings unter Berücksichtigung der Wirkung des klassischen
Maxwellfeldes. Die Feldgleichung für die Pole sieht auf den ersten
Blick wie für die des freien Teilchens aus:
![$\displaystyle \left [\left ({\frac{\hbar}{i}} \partial^{a} \right )\left ({\fra...
...-m^{2} c^{2} \right ]\psi =0 \Rightarrow (\hbar^{2} \Box +m^{2} c^{2} )\psi =0.$](img317.png) |
(171) |
Dazu kommt aber noch die Gleichung für die Strings. Die
Stringvariablen sind als kontinuierliche Zahl von Parametern
(parametrisiert durch
) anzusehen. Das haben wir schon beim
oben bei der Herleitung Hamiltonformalismus' gesehen, wo sich die
als Impulsdichten ergaben. Man hat die Wirkung
dieser Dichten also durch die sog. Funktionalableitung zu definieren.
Ist also
die Dichte einer Größe
, so definiert man als
Funktionalableitung von F
 |
(172) |
Die Dichte der Wellenfunktion ist
 |
(173) |
Man erhält damit als Gleichung für die Strings
 |
(174) |
wie man unmittelbar der Definition (159) für die Impulsdichten
der Strings entnimmt.
Wir kommen nun zu der wesentlichen Folgerung aus der Annahme der
Existenz der Pole. Dazu deformieren wir den String in der oben
definierten raumartigen Fläche. Aus der klassischen Elektrodynamik
ist klar, daß eine Deformation des Strings nur eine
Eichtransformation der Felder bewirken kann. Wir deformieren den
String in der beim Übergang zum Hamiltonformalismus eingeführten
dreidimensionalen raumartigen Fläche, so daß er am Ende des
Deformationsprozesses wieder auf den alten String zu liegen kommt. Der
vorigen Gleichung entnimmt man unmittelbar, daß dann
 |
(175) |
sein muß. Dabei ist
die von der Stringdeformation
umschlossene Fläche und
ihr antisymmetrisches
Flächenelement. Wählt man die raumartige Fläche senkrecht zur
Zeitachse, erkennt man, daß es sich bei dem Integral um das
Flußintegral des elektrischen Feldes handelt, also
ergibt,
falls die Fläche eine Ladung
enthält. In diesem Falle ändert
sich
also um einen Phasenfaktor:
 |
(176) |
Damit
eindeutig ist, muß also gelten
mit  |
(177) |
d.h. aus der Existenz eines Pols folgt die Quantelung der elektrischen
Ladung. Das ist deshalb so bemerkenswert, weil man außer der Diracschen
Hypothese der Existenz magnetischer Monopole (einer im Universum würde auch
schon reichen!) keine andere theoretische Erklärung für dieses Phänomen
gefunden hat.
Nächste Seite: Eichtheoretischer Zugang zur Quantisierung
Aufwärts: Magnetische Monopole Seminarvortrag, TH-Darmstadt
Vorherige Seite: Der kanonische Formalismus für
FAQ Homepage