Wir formulieren also zunächst die wichtigsten mathematischen Grundlagen der Gruppentheorie.
Eine Menge
mit einer binären Operation
,
heißt Gruppe,
wenn folgende Axiome erfüllt sind:
Gilt zusätzlich noch die Kommutativität, also für alle
die Beziehung
, so heißt die Gruppe Abelsche Gruppe.
Eine Teilmenge
heißt Untergruppe zu
, wenn sie mit
der Gruppenmultiplikation von
wieder eine Gruppe bildet.
Die einfachsten Beispiele für Abelsche Gruppen sind die Addition in
Vektorräumen bzw. Körpern (die sog. additiven Gruppen). Wir
benötigen im folgenden vor allem Untergruppen der
GL
, also
der Gruppe, die durch die invertierbaren
-Matrizen (isomorph
zur Menge aller Automorphismen des
, wobei
den jeweils zugrundegelegten Skalarenkörper des Vektorraumes
bezeichnet, für unsere Zwecke also stets
oder
) definiert
ist. Die Gruppenmultiplikation ist dabei die übliche
Matrizenmultiplikation (entsprechend der Hintereinanderausführung der
Automorphismen).
Betrachten wir jedoch nun die Transformationen der Form (1.3.1), also die Galileiboosts. Diese bilden eine Untergruppe der vollen Galileigruppe, die wir kurz als Boostuntergruppe bezeichnen wollen. Das läßt sich leicht einsehen, wenn wir die Hintereinanderausführung zweier Boosts betrachten:
| (1.3.2) |
In der klassischen Mechanik haben wir es, wie oben erwähnt, meist mit
Matrixgruppen, also Untergruppen der
GL
zu tun, und da
versteht sich die Differenzierbarkeitsstruktur wie in
endlichdimensionalen Räumen üblich komponentenweise, so daß wir
hier auf die mathematisch äußerst interessante aber auch nicht ganz
einfache Theorie der allgemeinen Liegruppen nicht näher eingehen
werden. Wir werden allerdings so oft als möglich, die
gruppentheoretische Sprechweise und auch die typische Schlußweise
benutzen, um physikalische Resultate zu erhalten, weil dies die der
modernen Auffassung der Physik adäquate Sprache ist. Wir werden auch
die abstrakte Theorie der differenzierbaren Mannigfaltigkeiten
parallel entwickeln, weil dies das der später zu behandelnden
Allgemeinen Relativitätstheorie Einsteins angepaßte Ausdrucksmittel
darstellt. Auch erweist sich die moderne Theorie des Cartankalküls
als bei weitem übersichtlicher als die ältere Vektoranalysis, die
wir hier nur insoweit einführen werden (und immer parallel zu der
modernen Version) als sie zum Verständnis der Lehrbuchliteratur
unentbehrlich und praktischen Rechnungen förderlich erscheint.
Jetzt wollen wir sogleich die Galileiboosts in eine andere Darstellung,
nämlich als Untergruppe der
, bringen. Wir definieren
dazu vierdimensionale Spaltenvektoren
| (1.3.3) |
![]() |
(1.3.4) |
| (1.3.5) |