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Im folgenden betrachten wir als Anwendung der eben behandelten
Drehgruppe die Newtonsche Bewegungsgleichung wie sie von einem
rotierenden Bezugssystem aus erscheint. Da rotierende Bezugssysteme
keine Inertialsysteme sind, wird sich ergeben, daß aufgrund der
Beschleunigung des rotierenden Bezugssystems gegenüber einem
Inertialsystem zusätzliche äußere Kräfte auftreten, die proportional
zur Masse des Körpers sind, die Trägheitskräfte genannt
werden.
Seien also
die Komponenten des Ortsvektors eines
Massepunktes bzgl. eines Inertialsystems und
der
Ortsvektor bzgl. eines mit dem rotierenden Bezugssystem verbundenen
Koordinatensystems. Der Einfachheit halber wollen wir eine Drehung
konstanter Drehgeschwindigkeit betrachten. Dieser Spezialfall hat die
wichtige Anwendung, die Auswirkungen der Erddrehung auf
Bewegungsvorgänge zu studieren. Es gilt gemäß (1.4.41)
mit  |
(1.4.44) |
wobei wir den Ursprung beider Koordinatensysteme auf die Drehachse
gelegt haben. Darin bezeichnet
die konstante
Winkelgeschwindigkeit der Rotation des Koordinatensystems
gegenüber dem Inertialsystem
um die Drehachse
,
zusammengefaßt zum Vektor der Winkelgeschwindigkeit
. Wir haben ferner die Ableitungsregel
(1.4.37) angewandt. Hinzu kommt aber noch die Zeitabhängigkeit
von
, der wir im zweiten Term auf der rechten Seite Rechnung
getragen haben. Wenden wir nun (1.4.43) an, wobei wir
benutzen, folgt
 |
(1.4.45) |
Nochmalige Ableitung nach
und Multiplikation mit der Masse
des
Massepunktes ergibt unter Anwendung der Ableitungsregel
(1.4.37) sowie (1.4.43) zufolge der Newtonschen
Bewegungsgleichung und Einführung der Kraft
:
![$\displaystyle m \frac{\d^2 \bvec{x}}{\d t^2}=m \hat{D} \left [ \op{\omega} \tim...
...}'}{\d t} + \frac{\d^2 \bvec{x}'}{\d t^2} \right] = \bvec{F}=\hat{D} \bvec{F}'.$](img497.png) |
(1.4.46) |
Multiplikation mit
eliminiert formal jeden Bezug zu der
der Newtonschen Mechanik zugrundeliegenden Klasse von Inertialsystemen
und ergibt die Bewegungsgleichung wie sie ein Beobachter im rotierenden
Bezugssystem (z.B. auf der Erde) wahrnimmt:
![$\displaystyle m \frac{\d^2 \bvec{x}'}{\d t^2} = \bvec{F}' - m \left [ 2 \op{\om...
...d \bvec{x}'}{\d t} + \op{\omega} \times (\op{\omega} \times \bvec{x}') \right].$](img499.png) |
(1.4.47) |
Ein Beobachter im rotierenden Bezugssystem konstatiert also die Rotation
seines Bezugssystems über die Winkelgeschwindigkeit
,
und neben den äußeren Kräften
(z.B. Gravitationskräften
der Erde oder elektromagnetischen Kräften, die auf den Massepunkt
einwirken) erfährt der Massepunkt noch die Trägheitskräfte, die von
der Rotation seines Bezugssystems relativ zur Klasse der Inertialsysteme
herrühren. Diese Trägheitskräfte zerlegen sich in den zur
Winkelgeschwindigkeit und Geschwindigkeit des Massepunktes
proportionalen Anteil (Corioliskraft) und einen zum Quadrat der
Winkelgeschwindigkeit und zum Abstand des Massenpunktes von der
Drehachse proportionalen Anteil (Zentrifugalkraft).
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