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Das Keplerproblem
Eine der ersten Anwendungen von Newtons Theorie war die Erklärung der
von Kepler empirisch gefundenen Gesetze der Planetenbewegung. Daß
Newtons Principia mathematica überhaupt geschrieben wurde
verdanken wir nicht zuletzt dem bei Newton hartnäckig um eine solche
umfassende Darstellung bittenden Astronomen Halley, der sogar für die
Druckkosten aufkam!
Newton hatte sein Gravitationsgesetz, demzufolge sich zwei Körper mit
einer Kraft anziehen, die sich aus dem Potential
 |
(2.6.1) |
berechnet, eigentlich umgekehrt aus den Keplergesetzen entwickelt, indem
er nach den Kräften suchte, die die Bahnformen und Zeitabläufe korrekt
beschreiben. Wir gehen hier den umgekehrten Weg und berechnen die
Bewegung aus dem Newtonschen Gravitationsgesetz. Die Lagrangefunktion
ist in kartesischen Koordinaten durch
mit  |
(2.6.2) |
gegeben. Zunächst können wir das Problem durch Ausnutzen von
Symmetrien auf ein ebenes Einteilchenproblem zurückführen. Wegen der
Translations- und Galileiinvarianz können wir zunächst den
Schwerpunktsatz anwenden. Wir führen also die Schwerpunktskoordinaten
ein. Darüber hinaus benötigen wir noch drei weitere unabhängige
Koordinaten, wofür wir wegen der Form des Potentials die
Relativkoordinaten
wählen:
mit  |
(2.6.3) |
Setzen wir dies in die Lagrangefunktion ein, erhalten wir
mit  |
(2.6.4) |
Wie wir wegen des Noethertheorems erwartet haben, ist
zyklisch. Durch einen Galileiboost können wir erreichen, daß der
Schwerpunkt im Bezugssystem ruht, so daß die Lagrangefunktion formal
auf die eines Teilchens (im folgenden Quasiteilchen genannt)
mit der reduzierten Masse
, das sich um den Ursprung des
Relativkoordinatensystems (das Quasizentrum) bewegt,
zurückgeführt ist. Es ist dies das sogenannte reduzierte
Keplerproblem, bei dem die Sonne als feststehendes Zentrum betrachtet
wird. Wie wir sehen, ist die Lösung des vollständigen
Zweikörper-Keplerproblems auf die Lösung des reduzierten Problems
zurückgeführt, wobei lediglich die Masse des ,,Planeten``
durch die reduzierte Masse des Zweikörperproblems gegeben ist.
Ein Blick auf die Gleichung für
zeigt, daß dies näherungsweise
sogar durch das ursprüngliche Problem gegeben ist, wenn die Sonne sehr
viel schwerer ist als der Planet, wie dies für alle Planeten in unserem
Sonnensystem der Fall ist.
Das verbliebene Einteilchenproblem hat wegen
const
die
Lagrangefunktion
mit  |
(2.6.5) |
Wir betrachten nunmehr die Symmetrien dieses Problems. Zunächst ist
nicht explizit zeitabhängig. Wie wir oben gesehen haben, bedeutet
dies die zeitliche Translationsinvarianz und damit die Erhaltung der
Gesamtenergie
 |
(2.6.6) |
Weiter setzt sich
aus Skalaren der Relativkoordinaten und deren
Zeitableitung zusammen. Damit ist aber
invariant unter Drehungen,
und nach dem Noethertheorem bedeutet dies die Erhaltung des
Drehimpulses des Quasiteilchens:
 |
(2.6.7) |
Da
nach dem Noethertheorem zeitlich konstant ist, ist die
Bahnkurve des Quasiteilchens eben, d.h. bleibt stets in der Ebene
senkrecht zum Drehimpuls
.
Zum zweiten Keplerschen Gesetz:

ist der Flächeninhalt des
im Zeitinkrement

vom Radiusvektor des Quasiteilchens
überstrichene Fläche. Der Radiusvektor überstreicht also in
gleichen Zeiten gleiche Flächen.
Um dies auszunutzen, denken wir uns das Koordinatensystem so gewählt,
daß
ist. Dann bewegt sich das Quasiteilchen in
der
-Ebene dieses Koordinatensystems. Weiter wissen wir, daß das
Problem rotationsinvariant ist, so daß es sinnvoll ist,
Polarkoordinaten in der
-Ebene einzuführen:
 |
(2.6.8) |
Dabei haben wir für die Rechnungen mit
die aufgrund der
Wahl des Koordinatensystems identisch verschwindende
-Komponente
weggelassen.
Dies in die Lagrangefunktion eingesetzt ergibt, daß
erwartungsgemäß tatsächlich zyklisch ist:
 |
(2.6.9) |
Damit ist
const
. Das ist die auf unsere Wahl des
Koordinatensystems spezialisierte Form des
Drehimpulserhaltungssatzes. Dieser Erhaltungssatz ist identisch mit dem
2. Keplerschen Gesetz, dem Flächensatz. Dies erkennen
wir durch die geometrische in Abbildung 2.2 erklärte
Interpretation.
In den eben eingeführten Polarkoordinaten ergibt sich die erhaltene
Energie zu
 |
(2.6.10) |
Durch die Wahl der generalisierten Variablen
, die entsprechend
den Symmetrien des Systems zyklisch ist, bedeutet dies die
Zurückführung des Keplerproblems auf eine Differentialgleichung in
einer Unbekannten. Es handelt sich dabei um die Bewegung eines Teilchens
im Halbraum
unter Wirkung eines effektiven Potentials,
das sich aus dem ursprünglichen Zentralpotential
und der
Zentrifugalbarriere
zusammensetzt.
Wir beschränken uns nun jedoch auf die Bestimmung der Bahnform, indem
wir die Zeitableitung
mit Hilfe des Drehimpulssatzes
const
eliminieren:
mit |
(2.6.11) |
Dies in den Energiesatz eingesetzt, ergibt
 |
(2.6.12) |
was sich durch Einführung von
wesentlich vereinfachen läßt:
mit  |
(2.6.13) |
Wir haben dabei vorausgesetzt, daß
ist. Die Bewegung für
verschieben wir auf eine Übungsaufgabe. Durch quadratische
Ergänzung finden wir dann
 |
(2.6.14) |
Nun betrachten wir einzelne Fälle für den Wert der Energie
:
- (a)
. Dann ist
, und es muß gelten
, also
. Durch Integration finden wir also
![$\displaystyle \phi=\int \frac{\d s}{1-\left(\frac{s-B/2}{B/2} \right)^2} = \arcsin \left(\frac{s-B/2}{B/2}\right)+C \Rightarrow s= \frac{B}{2}[1+\sin(\phi-c)].$](img834.png) |
(2.6.15) |
Wie wir uns ebenfalls in der unten noch zu stellenden Übungsaufgabe
überzeugen werden, ist dies die Polargleichung einer Parabel,
deren Brennpunkt im Koordinatenursprung, also im Quasizentrum
(Schwerpunkt des Zweikörpersystems) liegt.
- (b)
. Genau die gleiche Rechnung wie eben führt dann
auf
 |
(2.6.16) |
Dies ist ebenfalls eine Kegelschnittgleichung. Die Parameter des
Kegelschnitts sind
 |
(2.6.17) |
Es liegt also eine Ellipse oder Hyperbel vor, je
nachdem ob
bzw.
ist.
Unterabschnitte
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