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Im folgenden verwenden wir das erweiterte Hamiltonsche Prinzip um
einen Einblick in die lokale geometrische Struktur des Phasenraums zu
gewinnen. Dazu gehen wir von der oben hergeleiteten Kovarianzbedingung
(2.8.3) aus, die wir jedoch in der Abhängigkeit von den neuen
Koordinaten
und in seiner Gestalt in Form von Zeitableitungen
anschreiben:
 |
(2.10.1) |
Integration dieser Gleichung bzgl.
von
bis
und
Substitution der
zugunsten der
auf der linken Seite
ergibt schließlich
![$\displaystyle \int_{t_1}^{t_2} \d t \left [ \dot{Q}_j \left ( P_j -p_k \frac{\p...
... \frac{\partial q^k}{\partial t} \right) \right] = -F(Q,P,t)\vert _{t_1}^{t_2}.$](img907.png) |
(2.10.2) |
Jetzt fassen wir das linksstehende Integral als Kurvenintegral im
sogenannten erweiterten Phasenraum, der durch die
Parameter
parametrisiert wird, auf. Da die rechte Seite nur von
Anfangs- und Endpunkt der Kurve abhängt, muß nach dem
Poincaréschen Lemma der Integrand ein totales Differential sein.
Dabei ist
das Potential des über die Kurve integrierten Feldes
im erweiterten Phasenraum:
 |
(2.10.3) |
Das ist aber nur der Fall, wenn die Integrabilitätsbedingungen, die
aus der Vertauschbarkeit der partiellen Ableitungen von
nach den
und
folgen, erfüllt sind:
 |
(2.10.4) |
Das für beliebige Phasenraumtransformationen
,
definierte Objekt
, wobei für
und
beliebige neue
Phasenraumkoordinaten
eingesetzt werden können, heißt
Lagrangeklammer. Eine kanonische Transformation liegt also
genau dann vor, wenn die Lagrangeklammern invariant unter dieser
Transformation sind. Es ist nämlich klar, daß für die identische
Transformation
die Lagrangeklammerbeziehungen erfüllt
sind.
Die Lagrangeklammer stellt nun aber keine besonders bequem zu
berechnende Konstruktion dar, wenn es darum geht, für gegebene neue
Koordinaten
zu entscheiden, ob sie eine kanonische
Transformation der
darstellen. Wir wollen die
Lagrangeklammerbedingungen nun in Ableitungen der neuen
Phasenraumkoordinaten nach den alten ausdrücken. Dazu betrachten wir
die Jacobimatrix der inversen kanonischen Transformation
 |
(2.10.5) |
Dabei sollen die partiellen Ableitungen jeweils als
-Blockmatrix verstanden werden. Damit ist
insgesamt eine
-Matrix. Die Lagrangeklammerbedingungen lassen sich nun
durch die inverse Matrix
 |
(2.10.6) |
ausdrücken. Dazu führen wir nun die sogenannte symplektische
Fundamentalmatrix
 |
(2.10.7) |
ein. Offenbar gilt
. Man bezeichnet einen
-dimensionalen Vektorraum mit einer antisymmetrischen
Bilinearform als symplektischen Vektorraum. Analog dazu, wie im
euklidischen Raum die Einheitsmatrix das kanonische Skalarprodukt
darstellt, gilt dies für die antisymmetrische Bilinearform eines
symplektischen Vektorraums mit der symplektischen Fundamentalmatrix
.
Das Analogon zu den orthogonalen Transformationen im euklidischen Raum
entsprechen bilden im symplektischen Raum die symplektischen
Abbildungen, die entsprechend als diejenigen Automorphismen im
definiert sind, die das durch
definierte symplektische
Produkt
zweier beliebiger Vektoren
und
invariant lassen. Ist
die darstellende Matrix einer
symplektischen Abbildung, dann muß gelten
.
Man kann nun die Lagrangeklammerbedingungen (2.10.4) kurz wie
folgt schreiben:
 |
(2.10.8) |
Das bedeutet aber, daß
in jedem Punkt des Phasenraums eine
symplektische Transformation ist. Das bedeutet kurz, daß eine
Transformation
genau dann kanonisch ist,
wenn sie lokal symplektisch ist. Man bezeichnet solche lokalen
symplektischen Transformationen einer Mannigfaltigkeit auch kurz als
Symplektomorphismen.
Die in (2.10.8) letztgenannte Form der
Lagrangeklammerbedingungen lassen sich in Komponenten zerlegt kurz wie
folgt schreiben
 |
(2.10.9) |
Damit ist aber eine manifest kovariante Charakterisierung der lokal
symplektischen Struktur des Phasenraums durch die eben eingeführten
Poissonklammern
 |
(2.10.10) |
gegeben, wobei
und
beliebige im Phasenraum definierte Funktionen
sind.
Auch die Bewegungsgleichungen lassen sich leicht mit Hilfe von
Poissonklammern formulieren. Die totale Zeitableitung einer im
Phasenraum definierten Funktion entlang der durch die Bewegung des
Systems gegebenen Trajektorie, ist nämlich offenbar durch
 |
(2.10.11) |
gegeben. Dabei haben wir die Hamiltonschen kanonischen Gleichungen
(2.7.5) benutzt und einer eventuellen expliziten (d.h. nicht durch
die Trajektorie
eingeprägten) Zeitabhängigkeit, von
Rechnung getragen.
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