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Das Liouvillesche Theorem
Eine wichtige Folgerung der ,,Kanonizität`` der Bewegung,
welche eine herausragende Rolle in der statistischen Physik
spielt, ist das Liouvillesche Theorem. Da es sich also um eine
typische Vielteilchenanwendung handelt, wollen wir es gleich für ein
System von
über eine konservative Kraft wechselwirkende Teilchen
der Masse
formulieren. Die Hamiltonfunktion lautet
 |
(2.12.1) |
Dabei bezeichnet
,
,
einen vollständigen Satz kartesischer Ortsvariablen und der
dazugehörigen kanonischen Impulse der
Teilchen.
Die Hamiltonschen kanonischen Gleichungen lauten
 |
(2.12.2) |
Seien
die exakten Lösungen dieser
Gleichungen für die Anfangsbedingungen
 |
(2.12.3) |
Dann besagt das Liouvillesche Theorem, daß das Volumen eines
Phasenraumelements unter der durch (2.12.2) beschriebenen
Hamiltonschen Bewegung des Systems ungeändert bleibt. Dabei stellen wir
uns einen Satz von Anfangswerten vor, die dieses Phasenraumelement dicht
ausfüllen und betrachten die Bewegung dieses Volumenelements gemäß
den Bewegungsgleichungen (2.12.2). Dies definiert den
Phasenraumfluß.
Zum Beweis betrachten wir die Jacobideterminante des
Phasenraumvolumenelements für den Fluß
,
const |
(2.12.4) |
Als erstes zeigen wir, daß
![$\displaystyle [\partial_t D(t,t_0)]_{t=t_0}=0.$](img960.png) |
(2.12.5) |
Dazu erinnern wir uns an die Determinante einer ,,infinitesimal von
der Identität`` abweichenden Matrix,
![$\displaystyle D(t_0+\dd t,t_0)=1+\dd t \sum_{j=1}^{N} \left [\div_{\bvec{x}_j^{(0)}} \dot{\bvec{x}}_j + \div_{\bvec{p}_j^{(0)}}\dot{\bvec{p}}_j \right]_{t=t_0}.$](img961.png) |
(2.12.6) |
Aus den Bewegungsgleichungen (2.12.2) folgt
![$\displaystyle D(t_0+\dd t,t_0)-1=\dd t \sum_{j=1}^N \left [ \div_{\bvec{x}_j^{(...
...div_{\bvec{p}_j^{(0)}} \frac{\partial H}{\partial \bvec{x}_j^{(0)}} \right ]=0.$](img962.png) |
(2.12.7) |
Dies beweist (2.12.5). Offensichtlich genügt die Determinante
der Zusammensetzungsregel
 |
(2.12.8) |
für alle
. Daraus folgt
 |
(2.12.9) |
Lassen wir nun
streben, finden wir wegen
(2.12.5), daß in der Tat
 |
(2.12.10) |
Dies bedeutet, daß das Phasenraumvolumenelement ungeändert
bleibt. Dies ist das Liouvillesche Theorem. Auf die Anwendung
dieses Satzes in der klassischen Statistischen Mechanik werden wir
weiter unten noch ausführlich zurückkommen.
Wir bemerken noch, daß das Liouvillesche Theorem auch für den Fall
gilt, daß die Teilchen zusätzlich noch äußeren explizit
zeitabhängigen Kräften unterliegen oder impulsabhängige
Wechselwirkungen (z.B. magnetische Wechselwirkungen der Teilchen)
untereinander vorliegen. Die einzige wesentliche Annahme, die in den
obigen Beweis eingeflossen ist, ist nämlich die Hamiltonsche Struktur
der Bewegungsgleichungen.
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