Wir können nun diese physikalischen Betrachtungen mathematisch
formalisieren. Dazu führen wir zu einem beliebiges Phasenraumfeld
die Lieableitung ein. Die
Lieableitung ist ein linearer auf
definierter
Differentialoperator, der durch die Poissonklammer wie folgt gegeben
ist:
Daß (2.13.2) darüber hinaus auch eine Schar endlicher
kanonischer Transformationen, wobei
der Scharparameter
ist, definiert, erkennen wir wie folgt. Formal können wir nämlich
(2.13.2) mit Hilfe der Operatorexponentialfunktion
integrieren:
![]() |
(2.13.4) |
Das ist nun mathematisch insofern interessant, als die infinitesimalen Generatoren zusammen mit den Poissonklammern eine Liealgebra bilden, wie wir oben bereits in einer Übungsaufgabe gezeigt haben, d.h. jeder Liegruppe ist eindeutig eine Liealgebra zugeordnet, und wenigstens lokal für die Einparameteruntergruppen der Liegruppe kann man durch Integration der Differentialgleichung (2.13.2) die Liegruppe aus ihrer Liealgebra rekonstruieren.
Die Einparametergruppen sind homomorph zur additiven Gruppe der
reellen Zahlen. Um dies zu sehen, sei
der Generator der
Einparametergruppe. Dann definieren wir das Gruppenelement als den in
(2.13.3) definierten Operator
| (2.13.5) |
![]() |
(2.13.6) |
Wir betrachten im folgenden auch kompliziertere Gruppen, die von endlich vielen Parametern abhängig sind. Wir behandeln auch hier wieder nur solche Gruppen, die als kanonische Transformationen von Phasenraumfunktionen erzeugt werden.
Seien
mit
linear unabhängige
Phasenraumfunktionen. Ist dann der von ihnen aufgespannte
Untervektorraum
span
bzgl. der
Poissonklammeralgebra abgeschlossen, so heißt
eine
Unteralgebra der Liealgebra der Phasenraumfunktionen.
Zur algebraischen Abgeschlossenheit ist es offenbar notwendig und
hinreichend, daß es für je zwei Basisfunktionen von
reelle Zahlen
gibt, so daß
| (2.13.7) |
Zu beachten ist, daß i.a. diese Gruppe nicht kommutativ ist;
das ist nur der Fall, wenn die
wechselseitig konstante
Poissonklammern besitzen. Allgemein gilt nämlich für eine beliebige
Phasenraumfunktion
![]() |
(2.13.9) |
Dies zeigt, daß die
genau dann vertauschen, wenn
die Poissonklammern der
untereinander jeweils konstant
sind. Dann und nur dann ist die erzeugte Liealgebra isomorph zur
additiven Gruppe des
.
Im allgemeinen Fall ist übrigens die Exponentialabbildung noch nicht einmal surjektiv auf die von den Elementen (2.13.8) algebraisch erzeugte Gruppe.