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Anschaulich erwarten wir, daß der Körper um seine Ruhelage schwingen
wird. In der Tat gilt nach dem zweiten Newtonschen Gesetz
 |
(1.2.2) |
Eine Differentialgleichung von diesem Typ bezeichnet man als
homogene lineare Differentialgleichung zweiter Ordnung, denn
die unbekannte Funktion
und ihre Ableitungen kommen nur linear vor,
und es gibt kein von
und seinen Ableitungen freier Term vor. Hier
haben wir den besonders einfachen Fall einer linearen
Differentialgleichung mit konstanten Koeffizienten vorliegen. Wie wir
gleich sehen werden, läßt sich dieser Typ von Differentialgleichungen
(fast) immer mit dem Standardansatz
const |
(1.2.3) |
lösen. Setzen wir nämlich diesen Ansatz in (1.2.2) ein,
erhalten wir die Gleichung
 |
(1.2.4) |
Da wir nichttriviale Lösungen finden möchten, nehmen wir an
. Da auch
muß der verbleibende Faktor in den
großen Klammmern verschwinden. Wegen
erhalten wir
zwei rein imaginäre Lösungen
 |
(1.2.5) |
Wegen der Linearität der Differentialgleichung ergibt eine beliebige
Linearkombination aus irgendwelchen zwei Lösungen stets wieder eine
Lösung. Wir erhalten also eine Lösungsschar mit zwei frei wählbaren
Konstanten in der Form, indem wir die Lösungen (1.2.5) für
in unseren Ansatz (1.2.3) einsetzen und die
entsprechende allgemeine Superposition bilden.
 |
(1.2.6) |
Da freilich
sein muß, dürfen wir nur Superpositionen
zulassen, für die
ist. Schreiben wir nun
mit
folgt nach kurzer Rechnung die
allgemeine Lösung der Differentialgleichung in rein reellen Funktionen zu
 |
(1.2.7) |
Daß wir in der Tat die allgmeine Lösung vorliegen haben, folgt daraus,
daß wir die Integrationskonstanten
und
eindeutig aus den
Anfangsbedingungen
 |
(1.2.8) |
gewinnen können. Denn mit (1.2.7) ist offenbar
 |
(1.2.9) |
und die Lösung für das Anfangswertproblem ist endlich durch
 |
(1.2.10) |
Wir können diese Lösung freilich auch durch eine einzelne
Sinusfunktion ausdrücken. Dazu bemerken wir, daß aufgrund der
Additionstheoreme
 |
(1.2.11) |
gilt. Wir setzen also
 |
(1.2.12) |
Dieses Gleichungssystem für
und
läßt sich offenbar
durch
 |
(1.2.13) |
lösen. Dabei haben wir den Bereich für
gewählt. Unsere Lösung (1.2.10) lautet damit
 |
(1.2.14) |
mit den in (1.2.13) gegebenen Werten für
und
. Der Massenpunkt vollführt also eine reine Sinusschwingung
mit der Amplitude
, die den Maximalausschlag angibt:
. Die Größe
heißt die Phasenlage der
Schwingung. Die Amplitude dieser harmonischen Schwingung bleibt
dabei zeitlich konstant. Man spricht daher von ungedämpfter
Schwingung.
Die Bewegung ist offensichtlich periodisch, wobei die
Periodendauer durch
 |
(1.2.15) |
gegeben ist. Dabei heißt
die Frequenz der
Schwingung, denn sie gibt die Zahl der vollständig vollführten
Schwingungsperioden pro Zeiteinheit an.
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