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Der kräftefreie symmetrische Kreisel
Wir nehmen nun an, die Massenverteilung des Körpers sei symmetrisch
bzgl. Rotationen um die
-Achse. Dann ist
aber
evtl. verschieden von
. Dies bezeichnet man als einen
symmetrischen Kreisel. Dann vereinfachen sich die Eulerschen
Kreiselgleichungen (3.6.24) zu
 |
(3.6.29) |
Der einfachste Fall liegt vor, wenn alle drei Hauptträgheitsmomente
gleich sind, also wenn sogar
gilt. Solche Kreisel bezeichnet man
als Kugelkreisel. Der Kreiselkörper muß dabei allerdigns
nicht notwendig Kugelgestalt besitzen. So ist z.B. auch ein homogener
Würfel bei Rotation um seinen Schwerpunkt ein Kugelkreisel. Jedenfalls
rotiert ein Kugelkreisel stets mit konstanter Winkelgeschwindigkeit um
eine Achse durch den Schwerpunkt (jede Achse ist dann natürlich
Hauptträgheitsachse).
Für den allgemeineren symmetrischen Kreisel mit
, ist gemäß
(3.6.29) die Winkelgeschwindigkeitskomponente bzgl. der
Richtung der Symmetrieachse, also der Figurenachse
, zeitlich konstant, d.h.
const |
(3.6.30) |
Die Gleichung für die beiden übrigen Komponenten vereinfachen sich
daher zu einem linearen Differentialgleichungssystem, das man am
bequemsten durch Zusammenfassung zu einer komplexen Zahl
 |
(3.6.31) |
löst. Die ersten beiden Gleichungen in (3.6.29) ergeben dann
 |
(3.6.32) |
mit der allgemeinen Lösung
![$\displaystyle z(t)=z_0 \exp \left [ \frac{\ii}{A} (C-A) \omega_0 t \right].$](img1295.png) |
(3.6.33) |
Wählen wir die Anfangsbedingung obdA. so, daß
ist, folgt also für die Komponenten der Winkelgeschwindigkeit bzgl. des
körperfesten Systems
mit |
(3.6.34) |
Für einen Beobachter, der relativ zum körperfesten Bezugssystem ruht,
beschreibt also der momentane Winkelgeschwindigkeitsvektor einen
Kreiskegel um die Figurenachse, wobei die Spitze dieses Vektors
gleichförmig einen Kreis mit der Winkelgeschwindigkeit
durchläuft. Diesen Kegel bezeichnet man als Gangpolkegel.
Wir wollen nun aber die Kegelbewegung bzgl. raumfester Koordinaten
beschreiben, entspricht dies doch der Beobachtersituation der üblichen
Hörsaalexperimente. Ein durch die Bewegung ausgezeichneter raumfester
Vektor ist der Spin
. Seine körperfesten Komponenten
sind vermöge (3.6.18) durch
 |
(3.6.35) |
gegeben.
Zum kräftefreien symmetrischen Kreisel. Die drei Vektoren

,

und

befinden sich stets in einer
Ebene, die bzgl. des raumfesten Bezugssystems um die zeitlich
konstante Drehimpulsachse rotiert, d.h.

und

beschreiben gerade Kreiskegel um die Drehimpulsachse, die man als
Rastpol- (blau) bzw. Nutationskegel (schwarz) bezeichnet. Zugleich
rotiert

vom körperfesten Bezugssystem aus betrachtet
auf dem Gangpolkegel (rot) um die Figurenachse. Je nachdem, ob die
Hauptträgheitsmomente einer oblaten oder prolaten Kreiselform
entsprechen, rollt also der Rastpolkegel auf dem Inneren
bzw. Äußeren des Gangpolkegels ab.
Wir können daraus leicht die Bewegung der Figuren- und
Winkelgeschwindigkeitsachse im raumfesten Bezugssystem ermitteln, indem
wir entsprechende Invarianten bilden. Als erstes stellen wir fest, daß
diese drei Achsen stets in einer Ebene liegen:
 |
(3.6.36) |
Weiter ist die Projektion sowohl der Winkelgeschwindigkeit als auch der
Figurenachse auf die Drehimpulsachse zeitlich konstant. Gleiches gilt
für die Projektion der Winkelgeschwindigkeit auf die Figurenachse. Die
entsprechenden Winkel ergeben sich zu
 |
(3.6.37) |
Es bewegen sich also sowohl die Figurenachse als auch die
Winkelgeschwindigkeitsachse auf Kreiskegeln um die raumfeste
Drehimpulsachse, wobei die Spitzen mit derselben Winkelgeschwindigkeit
umlaufen, wie man den Komponenten im raumfesten System
(3.6.34) bzw. (3.6.35) entnimmt. Diese Kegel sind in
Abb. 3.10 abgebildet, und zwar für die
beiden Fälle
bzw.
. Die entsprechenden Kreiselkörper kann
man sich dabei durch homogene Rotationsellipsoide vorstellen, wobei die
Symmetrieachse (also die Figuren Achse) entweder die kurze Achse (
entsprechend einem oblaten Ellipsoid) oder die lange Achse (
entsprechend einem prolaten Ellipsoid) ist. Der durch die Bewegung der
Figurenachse um die Drehimpulsachse beschriebene Kreiskegel heißt
Nutationskegel (in Abb. 3.10 schwarz
eingezeichnet) und die entsprechende Bewegung Nutation (in der
älteren Literatur oft auch als reguläre Präzession
bezeichnet). Der durch
um
beschriebene Kegel
heißt Rastpolkegel (blau). Gleichzeitig beschreibt die
Winkelgeschwindigkeit
den schon oben besprochenen
Gangpolkegel um die körperfeste Figurenachse (rot).
Wir nehmen nun an, die
-Achse sei so orientiert, daß
ist. Dann sind die in (3.6.37) angegebenen Cosinus allesamt
positiv, und die entsprechenden Winkel liegen allesamt im Intervall
. Entsprechend befindet sich der Rastpolkegel für einen
oblaten Kreisel im Inneren, für einen prolaten Kreisel im Äußeren des
Gangpolkegels wie in der Figur (3.10)
gezeigt, denn da der Cosinus im betrachteten Winkelintervall monoton
fallend ist, gilt
 |
(3.6.38) |
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