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Wir behandeln nun zur Illustration der Eulerwinkelparametrisierung
nochmals den freien symmetrischen Kreisel aus
Abschnitt 3.6.5 im Lagrangeformalismus. Dann ist
 |
(3.6.42) |
Aus (3.6.41) entnehmen wir, daß die Winkel
und
zyklische Variablen sind. Außerdem ist die Energie
erhalten, da
nicht explizit von der Zeit abhängt. Damit haben wir
bereits drei erste Integrale:
Wir könnten diese Gleichungen nun einfach integrieren. Dies würde aber
zu einer recht komplizierten Beschreibung führen, da ja für unser
kräftefreies Problem Rotationssymmetrie vorliegt und wir daher die
Orientierung des raumfesten Basissystems frei wählen können. Wegen der
Drehimpulserhaltung empfiehlt es sich,
in Richtung des
Drehimpulses zu wählen, denn der Winkel
beschreibt ja eine
Drehung des Körpers um die raumfeste
-Achse. Wir wollen aber die
Erhaltung des Drehimpulses noch explizit zeigen. Man könnte dazu die
Drehimpulskomponenten im körperfesten Bezugssystem und ihre
Zeitableitungen berechnen und dann mit Hilfe der
Euler-Lagrangegleichungen zeigen, daß diese in der Tat
verschwinden. Dies ist aber eine recht mühsame Rechnung, die wir durch
die folgende Analyse der drei Erhaltungssätze
(3.6.43-3.6.45) stark abkürzen können:
Gl. (3.6.44) besagt, daß
const
. Dies ergibt sich auch aus dem
Noethertheorem für die Symmetrie des Körpers unter Drehungen um die
Figurenachse
nicht ändert. Aus dem
Energiesatz (3.6.45) folgt daraus, daß auch
erhalten sein muß, d.h. es ist
const
. Weiter folgt aus
 |
(3.6.46) |
daß
const
. Wählen wir also zum Anfangszeitpunkt
das körperfeste Basissystem so, daß
, so bleibt diese Beziehung zu allen
Zeiten bestehen. Es ist dann wegen
 |
(3.6.47) |
const
. Da, wie
soeben gezeigt,
const
ist, bedeutet dies
const
. Dies ist die schon in
Abschnitt 3.6.5 hergeleitete Konstanz des Winkels
zwischen der körperfesten Figuren- und der raumfesten Drehimpulsachse.
Die Gleichungen für die übrigen Winkel sind nun auch schnell
gelöst. Dazu verwenden wir (3.6.44) in (3.6.43), um
zunächst nach
aufzulösen:
const |
(3.6.48) |
Das bedeutet, daß
 |
(3.6.49) |
Die physikalische Bedeutung dieses Resultats ergibt sich durch
Berechnung der Komponenten der Figurenachse bzgl. des raumfesten Systems
 |
(3.6.50) |
Das bedeutet, daß vom raumfesten Bezugssystem aus betrachtet die
Figurenachse einen Kreiskegel (den Nutationskegel) um die
Drehimpulsachse beschreibt, wobei die Winkelgeschwindigkeit ihrer
Projektion auf die
-Ebene, die
Nutationswinkelgeschwindigkeit,
beträgt.
Dies wiederum in (3.6.44) eingesetzt liefert
const |
(3.6.51) |
und somit
 |
(3.6.52) |
Die physikalische Bedeutung dieser Gleichung ergibt die Betrachtung der
Winkelgeschwindigkeitskomponenten bzgl. des körperfesten
Systems. Gl. (3.6.40) liest sich nämlich nun wegen
und (3.6.51) und (3.6.48) :
 |
(3.6.53) |
Dies bedeutet, daß sich vom körperfesten Bezugssystem aus betrachtet
die Winkelgeschwindigkeit auf einem Kreiskegel (dem
Gangpolkegel) um die Figurenachse bewegt. Die
Winkelgeschwindigkeit der Projektion auf die Ebene senkrecht zur
Figurenachse ist
. Im körperfesten System aus gesehen,
bewegt sich die Winkelgeschwindigkeitsachse auf dem
Gangpolkegel um die Drehimpulsachse, und zwar mit derselben
Winkelgeschwindigkeit
wie die Figurenachse den Nutationskegel
beschreibt. Wie schon oben gesehen, liegen
,
und
stets in einer Ebene, die mit der Winkelgeschwindigkeit
um die zeitlich konstante Drehimpulsachse rotiert.
Wir stellen noch den Anschluß an die Bezeichnungsweise in
Abschnitt 3.6.5 her. Vergleichen wir
(3.6.53) mit (3.6.30), erhalten wir
 |
(3.6.54) |
Weiter gilt vermöge (3.6.34)
 |
(3.6.55) |
Die gleiche Phasenlage wie in (3.6.34) erreichen wir dabei
durch die Wahl
. Verwenden wir die erste Gleichung in
(3.6.55) in (3.6.54) erhalten wir noch
 |
(3.6.56) |
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