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Wir wenden uns nun der Bewegung eines symmetrischen Kreisels unter
Einfluß des homogenen Schwerefeldes zu, der in einem Punkt auf der
Figurenachse aber nicht im Schwerpunkt befestigt ist. Dann legen wir den
Ursprung des raum- und körperfesten Bezugssystems zusammen, so daß
, d.h. vermöge (3.6.2)
. Da der Schwerpunkt aus
Symmetriegründen auf der Figurenachse liegt, ist
und mit (3.6.13) und (3.6.50) erhalten
wir die potentielle Energie zu
 |
(3.6.57) |
wobei wir die raumfeste
-Achse senkrecht nach oben gelegt haben, so
daß
ist. Zusammen mit (3.6.41) folgt
für die Lagrangefunktion
![$\displaystyle L=\frac{1}{2} \op{\omega}'{}^t \op{\Theta}' \op{\omega}'+V = \fra...
...t{\varphi}+\dot{\psi} \cos \vartheta \right)^2 \right ] - M g s \cos \vartheta.$](img1347.png) |
(3.6.58) |
Die Symmetrien des Problems ergeben wieder die drei ersten Integrale,
die wir schon beim freien symmetrischen Kreisel erhalten haben:
und
sind zyklisch, entsprechend der Symmetrie unter Rotationen
um die raumfeste
-Achse (also die Richtung von
) bzw. um die
körperfeste
-Achse, also die Figurenachse
. Außerdem ist
die Gesamtenergie erhalten, weil
nicht explizit von der Zeit
abhängt. Wir haben also wieder die Erhaltungsgrößen
Freilich können wir nun nicht mehr wie im Anschluß an
(3.6.45) auf die Erhaltung des Gesamtspins schließen, da nun
eine Richtung im Raume auszeichnet und folglich nur noch
Rotationen um diese Achse eine Symmetrie des Systems darstellen, nicht
mehr jedoch beliebige Drehungen um den Drehpunkt.
Wir können aber die Integration der Bewegungsgleichungen nach dem
Standardschema des Hamiltonformalismusses vornehmen. Dazu substituieren
wir in (3.6.61)
und
durch die
erhaltenen kanonischen Impulse (3.6.59) und
(3.6.60):
![$\displaystyle E=\frac{1}{2} \left [\frac{A}{2} \dot{\vartheta}^2 + \frac{(p_{\p...
...2A \sin^2 \vartheta} + \frac{p_{\varphi}^2}{2C} \right] + M g s \cos \vartheta.$](img1351.png) |
(3.6.62) |
Dies können wir nach
auflösen. Nach Substitution
erhalten wir
 |
(3.6.63) |
Auflösen nach
ergibt wieder eine elliptische
Funktion. Dabei ist das Vorzeichen der Wurzel nach dem bei Schwingungen
üblichen Verfahren zu wählen: Für physikalisch sinnvolle
Anfangsbedingungen muß nämlich
im Intervall
zwei reelle
Nullstellen
haben, zwischen denen das Argument der Wurzel
positiv ist. Zwischen den entsprechenden Winkeln
schwingt dann die Figurenachse relativ zur
-Achse hin und her. Dies
bezeichnet man als Nutationsbewegung. Aus (3.6.59)
und (3.6.60) folgt
 |
(3.6.64) |
Betrachtet man die Bewegung der Spitze des Einheitsvektors
,
besagt dies, daß sich die Figurenachse unter den der Nutationsbewegung
entsprechenden Schwankungen entweder vorwärtsbewegt, falls
stets ein Vorzeichen besitzt oder auch teilweise rückläufig sein kann,
falls
das Vorzeichen wechselt. Diese Bewegung bezeichnet
man als Präzession.
Ein Spezialfall liegt vor, wenn
const
(aber von 0
und
verschieden) ist, also
eine
Nullstelle zweiter Ordnung ist. Dann ist gemäß (3.6.64) auch
const
und damit wegen (3.6.60) auch
. Dies bezeichnet man als reguläre Präzession.
Wir analysieren nun noch zwei Spezialfälle, die wir näherungsweise
analytisch behandeln können.
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