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Was passiert denn da jetzt wirklich?
Die Quantenmechanik gibt hierauf eine recht klare Antwort: das
Signal verformt sich während des Tunnelns.
[KR96] veröffentlichten eine Sammlung von
Computerprogrammen zur numerischen Behandlung interessanter
physikalischer Probleme. Eines der Programme löst die zeitabhängige
Schrödingergleichung in einer Dimension ausgehend von einem beliebigen
komplexwertigen Anfangszustand. Da die Schrödinger- und die
Helmholtzgleichung dieselbe mathematische Struktur aufweisen, und die
transversale Ausdehnugn des Hohlleiters im Nimtz-Experiment lediglich
zur Erzeugung der Potentialbarriere verwendet wird, beschreibt diese
numerische Lösung das Nimtz-Experiment qualitativ korrekt.
Abbildung 6:
. Das Wellenpaket nähert sich der Barriere.
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Im Folgenden soll nun das Ergebnis einer solchen numerischen Simulation
diskutiert werden: In Abbildung 6 ist zunächst ein
Wellenpaket abgebildet, welches sich von links kommend mit
einer
Potentialbarriere nähert (abgebildet ist
. Die Breite (
)
und der mittlere Impuls
des Wellenpakets wurden so gewählt, daß zu
diesem Zeitpunkt (
) die Amplitude des Wellenpakets im
Barrierenbereich noch verschwindet (genaugenommen wurde
als Randbedingung gesetzt). Das Intervall
wurde in Schritten der Breite
diskretisiert, der Zeitschritt
betrug
, die Barrierenhöhe
.
Abbildung 7:
. Die Wirkung der Barriere auf das Wellenpaket sind
sichtbar.
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Ein wenig später, bei
(Abbildung 7) ,,
sieht`` das Wellenpaket die Barriere bereits: die ersten
Wellenanteile werden reflektiert und sorgen in der Nähe der Barriere
für Interferenzerscheinungen. Zu diesem Zeitpunkt sind die
Gruppengeschwindigkeit wie auch die Geschwindigkeit des Paketmaximums
noch wohldefinierte Größen, doch das ändert sich rasch.
Abbildung 8 zeigt die Aufenthaltswahrscheinlichkeit
bei
, also zu dem Zeitpunkt, an dem ein
klassisches Teilchen, welches sich ursprünglich am Paketmaximum
befand und welches sich mit
bewegte, auf die Barriere trifft.
Die interferenzbedingte Verformung des Wellenpakets ist jetzt sehr
stark.
Abbildung 8:
. Dies ist der Zeitpunkt, zu dem ein
klassiches Teilchen, das sich ursprünglich am Maximum des
Wellenpakets befand, auf die Barriere auftrifft. Auf der anderen
Seite der Barriere (in der Abbildung um einen Faktor
vergrößert) ist die Front des getunnelten Signals bereits
erkennbar.
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Die Geschwindigkeit des Paketmaximums ist jetzt kein vernünftig
definiertes Konzept mehr. Die Maxima in der Nähe von
verändern für einen deutlichen Zeitraum um
herum
lediglich ihre Amplitude, nicht aber die Position. Konsequenterweise
ist die Position des Paketmaximums als Funktion der Zeit nicht einmal
eine stetige Funktion.
In Abbildung 9 ist die Reflektion des Wellenpakets
deutlich fortgeschritten. Gleichzeitig ist auf der rechten Seite der
Barriere (um sechs Größenordnungen verstärkt) das Tunnelsignal schon
sichtbar. Der Abbildung entnimmt man weiterhin eine deutliche
Verbreiterung beider Signale. Das Tunnelsignal ist (in Abbildung
10 deutlicher zu sehen) auch verformt und besitzt
nicht mehr die ursprüngliche Gaußsche Intensitätsverteilung.
Bei
(Abbildung 10) ist das reflektierte
Wellenpaket fast wieder bei
angekommen. Der getunnelte
Anteil auf der rechten Seite (durchgezogene Linie) besitzt
ein näherungsweise Gaußsches Intensitätsprofil, ist aber deutlich
verformt, wie der Vergleich mit einer gefitteten Gaußfunktion
(gepunktete Linie) zeigt.
Abbildung 9:
. Zu diesem Zeitpunkt würde ein klassisches Teilchen
das Ende der Tunnelstrecke erreichen, wenn es nicht an der
Potentialbarriere reflektiert werden würde.
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Abbildung 10:
. Das reflektierte Wellenpaket ist jetzt (beinahe)
wieder an dem Punkt angelangt, an dem es in Abbildung
6 war. Das getunnelte Paket auf der rechten
Seite der Barriere (in der Abbildung um einen Faktor
vergrößert) zu erkennen. Das Maximum einer Gaußfunktion, die an
das getunnelte Paket angepaßt wurde, befindet sich bei
. Ohne die Potentialbarriere wäre das
Maximum des Wellenpakets nun bei
. Wenn die
Geschwindigkeit des Pakets außerhalb der Barriere konstant
ist, so muß zu dem Zeitpunkt, an dem das Maximum des
Tunnelpakets das Ende der Tunnelstrecke erreicht, das
nichttunnelnde Paket erst bei
gewesen sein. Damit muß
das Verhältnis der Geschwindigkeiten der beiden Pakete zwischen
und
gleich
gewesen sein.
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Die gestrichelte Linie in Abbildung 10 skizziert,
wie das Wellenpaket aussehen würde, wenn es die Tunnelstrecke
nicht gäbe. Wie deutlich zu sehen ist, befindet sich das Maximum
dieses Pakets hinter dem Maximum des Tunnelpakets. Scheinbar
hat sich das Wellenpaket im Tunnel mit
ausgebreitet.
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