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Und Mozart?
Um dem Vorwurf, es habe keine Informationsübertragung mit
Überlichtgeschwindigkeit stattgefunden, medienwirksam zu begegnen,
behaupten [HN94], die Sinfonie Nr. 40 (g-moll) von
Wolfgang Amadeus Mozart (KV 550) mit
-facher Lichtgeschwindigkeit
über eine Tunnelstrecke von 114 mm übertragen zu haben.
Das Argument ist: Mozart ist ja wohl Information. Und wenn
Mozart mit Überlichtgeschwindigkeit übertragen wird, dann wird ja wohl
Information mit Überlichtgeschwindigkeit übertragen.
Dieses Argument ist albern:
- (1)
- Die Meßapparatur kann natürlich nicht zwischen der
Mozartsinfonie und irgendeinem Wellenpaket unterscheiden. Also muß
hinsichtlich der Informationsübertragung alles, was für Mozart gilt,
auch für beliebige Wellenpakete gelten (so argumentieren
[HN94]). Aber natürlich muß umgekehrt auch alles, was
hinsichtlich der Informationsübertragung mit
Überlichtgeschwindigkeit für beliebige Pakete gilt, auch für die
Mozartsinfonie gelten. Insbesondere kann es keine überlichtschnelle
Informationsübertragung für Mozart, aber nicht für beliebige
Wellenpakete gelten. Das muß auch so sein, denn sonst könnte man das
Analogsignal der Sinfonie überlichtschnell tunneln, eine digitale,
eventuell codierte, Fassung aber nicht. Das wäre absurd.
- (2)
- [HN94] argumentieren mit zwei verschiedenen
Konzepten von ,,Information``. Zunächst ist da die für die
Frage der überlichtschnellen Übertragung wichtige Definition, welche
hier diskutiert wurde. Das zweite Konzept ist ein rein subjektives,
nach ästhetischen Kriterien bestimmtes Konzept: Mozart sei ja
wohl Information. [HN94] benutzen dieses Konzept, um
ein Argument in einer Diskussion zu haben, in welcher jenes
relevant ist. Das ist nicht legitim.
- (3)
- Eine Nebenbemerkung zur Zeit- und Längenskala des
Experiments:
ist bekanntlich
km/s. Das heißt, daß der
Kammerton
bei 440 Hz für ein amplitudenmoduliertes
Mikrowellensingal eine Modulation der Wellenlänge 682 km darstellt.
Eine Halbschwingung (am ehesten vergleichbar mit einem Wellenpaket)
ist immer noch 341 km lang. Bei einer Tunnelstrecke von 114 mm ist
Mozart für die Tunnnelstrecke in ausgezeichneter Näherung eine
gerade Linie.
Der Verweis auf dieses Experiment findet sich übrigens ausschließlich
in [HN94], und auch dort nur in einem Nebensatz:
,,The signals considered in the microwave experiments were
unlimited in time and not Gaussian. Therefore Enders and Nimtz have
never claimed that the front of a signal has travelled at
superluminal speed [EN92,EN93]. However, they
have stated that the peak and the rising edge of a frequency band
limited wave packet propagate faster than
through a barrier.
This result corresponds to a superluminal group and signal velocity
and it was quite recently used to transmit Mozart's symphony no. 40
through a tunnel of 114 mm length at a speed of
[AN].``
[HN94].
Dem Autor ist nicht klar, warum [HN94] zwischen der
,,front of a signal`` und der ,,rising edge of a frequency
band limited wave packet`` unterscheiden: die Intentitätsanstieg
zu Beginn eines Signalpulses stellt ja gerade die Signalfront dar. Des
weiteren ist der zitierte Artikel [AN] weder in der
Publikationsliste unter
http://www.rrz.uni-koeln.de/math-nat-fak/ph2/n/ noch in den
Datenbanken Science Citation Index und Current Contents zu finden.
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