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Quantisierung des freien Klein-Gordon Feldes
Wir betrachten der Einfachheit halber zunächst freie skalare Teilchen,
die wir durch ein komplexes (sogleich noch zu quantisierendes)
Lorentzskalarfeld
beschreiben wollen. Die klassische
Lagrangedichte sollte ein quadratisches Funktional in
und
sein. Außerdem sollte es ein reeller
Lorentzskalar sein. Das ergibt die folgende Form
 |
(1.4.1) |
Als komplexes Feld beeinhaltet
zwei reelle Feldfreiheitsgrade,
die im Hamiltonschen Prinzip unabhängig voneinder variiert werden
können. Dazu äquivalent ist die unabhängige Variation von
und
. Die Variation der Wirkung nach
und
liefert die
Euler-Lagrange-Gleichungen
 |
(1.4.2) |
Das ergibt die Klein-Gordon-Gleichungen
 |
(1.4.3) |
Die Quantisierung erfolgt nun, indem man zunächst zur Hamiltonschen
Formulierung der klassischen Theorie übergeht und dann die kanonischen
Poissonklammerrelationen zu gleichen Zeiten
 |
(1.4.4) |
bildet, während die übrigen möglichen Poissonklammerkombinationen von
Feldern verschwinden, in Postulate für Kommutatorrelationen für die
Feldoperatoren uminterpretiert:
 |
(1.4.5) |
Die kanonischen Feldimpulse lauten
 |
(1.4.6) |
Die Hamiltondichte ergibt sich aus der
-Komponente des kanonischen
Energie-Impulstensors. Analog wie bei der entsprechenden Herleitung für
das elektromagnetische Feld in Abschnitt 1.3.6 finden wir
 |
(1.4.7) |
wobei wir scheinbar zunächst nicht auf Operatorordnungsprobleme
stoßen.
Die Bewegungsgleichungen für die Operatoren im Heisenbergbild
der Zeitentwicklung postulieren wir nun ebenfalls in Analogie zu den
klassischen Gleichungen über die Korrespondenz zwischen Poissonklammern
und Kommutatoren. Der Hamiltonoperator ist durch
 |
(1.4.8) |
gegeben, und die kanonischen Kommutatorregeln (1.4.5) ergeben dann
nach einigen einfachen Umformungen die Bewegungsgleichungen für Felder
und kanonisch konjugierte Feldimpulse
 |
(1.4.9) |
Setzen wir die letzte Gleichung in die Zeitableitung der ersten
Gleichung ein, erhalten wir für den Feldoperator die
Klein-Gordon-Gleichung
 |
(1.4.10) |
Diese Gleichung können wir durch einen Fourieransatz lösen. Wir
bestimmen dazu zunächst die Feldmoden. Der Ansatz
 |
(1.4.11) |
ergibt die Dispersionsrelation
 |
(1.4.12) |
was uns einen ersten Hinweis für die Teilcheninterpretation liefert,
entspricht doch die ,,on-shell-Bedingung``
(1.4.12) gerade der Energie-Impulsbeziehung eines klassischen
Teilchens. Allerdings ergibt sich nun scheinbar ein Problem, denn
(1.4.12) liefert formal zwei Lösungen für die Energie des
Teilchens, nämlich
 |
(1.4.13) |
Andererseits sollten aber Teilchen nur positive Energien besitzen. Gäbe
es Teilchen negativer Energie, gäbe es nämlich keinen stabilen
Grundzustand, könnte man doch durch Produktion beliebig vieler Teilchen
negativer Energie die Gesamtenergie des Systems beliebig klein machen.
Diese Probleme stellen sich auf formaler Ebene einer
Einteilchen-Wellenmechanik in Analogie zur Schrödingergleichung in der
nichtrelativistischen Quantentheorie entgegen. Auf der Ebene der
Feldquantisierung, also der Vielteilchentheorie, läßt sich das Problem
allerdings sehr einfach lösen, nämlich indem man die Mode mit
negativem
mit einem Erzeugungsoperator für ein Teilchen positiver
Energie multipliziert. Um die Lorentzinvarianz der entstehenden
Ausdrücke zu erhalten, denkt man sich zusätzlich dessen Impuls
umgekehrt. Definieren wir nun die Impuls-Feldmoden
![$\displaystyle u_{\vec{p}}(x)=\frac{1}{\sqrt{(2 \pi)^3 2 E(\vec{p})}} \exp[-\ii E(\vec{p}) t + \ii \vec{p} \cdot \vec{x}],$](img390.png) |
(1.4.14) |
können wir für die Lösung der operatorwertingen
Klein-Gordon-Gleichung (1.4.10)
![$\displaystyle \op{\phiup}(x)=\int_{\R^3} \dd^3 \vec{p} \; [\op{a}(\vec{p}) u_{\vec{p}}(x) + \op{b}^{\dagger}(\vec{p}) u_{\vec{p}}^*(x)]$](img391.png) |
(1.4.15) |
schreiben. Zur Wahl der Normierungskonstanten für die Modenfunktionen
in (1.4.14) bemerken wir, daß
![\begin{displaymath}\begin{split}u_{\vec{p}}(x) \overleftrightarrow{\partial_t} u...
...\vec{q})] + \ii \vec{x} (\vec{p}+\vec{q}) \right \} \end{split}\end{displaymath}](img392.png) |
(1.4.16) |
und folglich
 |
(1.4.17) |
Daraus folgt wegen (1.4.15)
 |
(1.4.18) |
Man beachte insbesondere, daß diese Ausdrücke in der Tat
zeitunabhängig sind. Wir finden die Kommutatorrelationen für die
und
, indem wir diese vermöge (1.4.18)
ausdrücken und die kanonischen Kommutatorrelationen (1.4.5) sowie
die Beziehungen (1.4.6) verwenden. Dabei sind die beiden
Zeitargumente der Felder gleichzusetzen. Es ergeben sich daraus die
Kommutatorrelationen
 |
(1.4.19) |
Wir können nun den Hamiltonoperator mit Hilfe der
- und
-Operatoren berechnen, indem wir die Modenentwicklung
(1.4.15) in (1.4.8) mit der Hamiltondichte (1.4.7)
einsetzen. Nach einigen elementaren Umformungen ergibt sich
![$\displaystyle \op{H} = \int_{\R^3} \dd^3 \vec{p} E_{\vec{p}} \left [ \op{a}^{\d...
...(\vec{p}) \op{a}(\vec{p}) + \op{b}(\vec{p}) \op{b}^{\dagger}(\vec{p}) \right ].$](img398.png) |
(1.4.20) |
Betrachten wir nun einen beliebigen Energieeigenzustand
und
den Zustand
. Daraus ergibt sich mit Hilfe der
Vertauschungsrelationen (1.4.19)
 |
(1.4.21) |
Für einen beliebigen Energieeigenvektor
des Systems folgt
also z.B.
 |
(1.4.22) |
d.h.
ist entweder Eigenvektor zum Eigenwert
oder der Nullvektor. Entsprechendes folgt für
.
Wir postulieren nun, daß
nach unten beschränkt ist,
also die Existenz eines Energieeigenzustandes minimaler Energie
existiert, den wir mit
bezeichnen wollen. Da
muß
 |
(1.4.23) |
sein, weil andernfalls die Vektoren Eigenvektoren zum um
niedrigeren Energieeigenwert wären.
Es ergibt sich nun jedoch ein Problem mit der Grundzustandsenergie, denn
es ist
 |
(1.4.24) |
Nun ist wegen (1.4.19) und (1.4.23)
 |
(1.4.25) |
Der Ausdruck in (1.4.24) ist also nicht wohldefiniert. Andererseits
ist wegen (1.4.19)
 |
(1.4.26) |
d.h. man darf erwarten, daß der Operator
![$\displaystyle \op{H}' = \int_{\R^3} \dd^3 \vec{p} E_{\vec{p}} \, \left [\op{a}^...
...}(\vec{p}) \op{a}(\vec{p}) + \op{b}^{\dagger}(\vec{p}) \op{b}(\vec{p}) \right ]$](img413.png) |
(1.4.27) |
sich von
nur um einen Ausdruck
unterscheidet
und daher dieselben Kommutatoreigenschaften mit den Feldoperatoren wie
(1.4.9) ergibt. Dies läßt sich in der Tat mit Hilfe der
Modenentwicklung nachrechnen. Physikalisch sind unter Absehung der
Gravitation ohnehin nur Energiedifferenzen meßbar. Wir haben es hier
mit einem ersten Beispiel einer Renormierung zu tun, nämlich
der Renormierung der Grundzustandsenergie. Es ist nämlich
 |
(1.4.28) |
und es erscheint natürlich, die Grundzustandesenergie 0
zu setzen. Im
folgenden lassen wir den Strich bei
wieder weg und definieren
durch (1.4.27).
Da weiter solche Operatorordnungsprobleme noch öfter auftreten werden,
führt man die Normalordnung von Produkten von Feldoperatoren
ein: Bei einer Modenentwicklung eines Feldoperatorprodukts werden
einfach alle Erzeugungsoperatoren ganz nach links und alle
Vernichtungsoperatoren ganz nach rechts gebracht. Dies wird dadurch
notiert, daß man den fraglichen Ausdruck in Doppelpunkte
einschließt. Damit können wir unseren umdefinierten Hamiltonoperator
mit Hilfe der Feldoperatoren in der Form
 |
(1.4.29) |
schreiben, wobei der Energiedichteoperator
durch
(1.4.7) definiert ist.
In Analogie zum harmonischen Oszillator ist dann klar, daß der gesamte
Hilbertraum unseres durch die Feldoperatoren beschriebenen
quantenmechanischen Systems durch die verallgemeinerten
Energieeigenvektoren
 |
(1.4.30) |
beschreiben lassen. Diese Vektoren sind simultane Eigenvektoren der
hermiteschen Operatoren
 |
(1.4.31) |
und wir können den Hamiltonoperator gemäß (1.4.27) in der Form
![$\displaystyle \op{H}=\int_{\R^3} \dd^3 \vec{p} \; E_{\vec{p}} \, \left [\op{n}_a(\vec{p})+\op{n}_b(\vec{p}) \right ]$](img421.png) |
(1.4.32) |
schreiben. Dies suggeriert, daß wir die
und
als Teilchenzahlimpulsdichteoperatoren auffassen
können. Dann sind
und
Vernichtungsoperatoren für Teilchen der Sorten
und
und
entsprechend deren Adjungierten die dazugehörigen
Erzeugungsoperatoren. Entsprechend folgt aus den Kommutatorregeln
(1.4.19), daß die Einteilchenvektoren die Normierung
 |
(1.4.33) |
besitzen.
Wir werden im folgenden sehen, daß diese Annahme gerechtfertigt ist,
indem wir zeigen, daß sie konsistent mit den übrigen additiven
Erhaltungsgrößen wie Impuls und Drehimpuls ist. Wir werden auch
zeigen, daß wir notwendig die Feldmoden mit sowohl positiven als auch
negativen Frequenzen in der Modenentwicklung (1.4.15)
berücksichtigen müssen, wenn wir verlangen, daß die
Poincarégruppe auf die Feldoperatoren in derselben Weise wirkt wie
auf klassische Felder, d.h. daß die Feldoperatoren sich im Sinne
lokaler Felder transformieren. Zur Ausführung dieses Programms müssen
wir zunächst den Lagrangedichteoperator im Sinne des Noethertheorems
analysieren, um Feldoperatorausdrücke für die Liealgebra der
Poincarégruppe, also für den Gesamtimpuls
als
Generatoren für die räumlichen Translationen, den Gesamtdrehimpuls
als Generatoren für die Drehungen und die
Schwerpunktsoperatoren
als Generatoren für die Boosts,
zu erhalten.
Beginnen wir also mit den Translationen. In der Notation von
Abschnitt 1.3.6 lautet das Transformationsgesetz
 |
(1.4.34) |
und für
entsprechend d.h. in der Form
(1.3.74) geschrieben
 |
(1.4.35) |
Daraus ergibt sich für den kanonischen Energie-Impulstensor-Operator
der Ansatz
 |
(1.4.36) |
wobei wir statt
jetzt entsprechend unserer Konvention
für Lorentzindezes
schreiben
Die Operatoren für die Impulsdichten sind demnach durch
 |
(1.4.37) |
gegeben. Dabei haben wir für die Energiedichte im räumlichen Integral
für die Energie partiell integriert und von der Klein-Gordongleichung
(1.4.10) Gebrauch gemacht. Setzen wir in diesen Ausdruck die
Modenentwicklung (1.4.15) ein, finden wir nach einigen elementaren
Umformungen
![$\displaystyle \op{P}^{\mu} = \int_{\R^3} \dd^3 \vec{p} \; p^{\mu} \left [\op{n}_a(\vec{p}) + \op{n}_b(\vec{p}) \right ]_{p^0=E_{\vec{p}}},$](img437.png) |
(1.4.38) |
wobei wir die Impulsdichteoperatoren für
- und
-Teilchen
(1.4.31) verwendet haben. Insbesondere gilt
,
wie es sein muß. Wir müssen nun noch überprüfen, ob diese Operatoren
tatsächlich Raumzeittranslationen generieren, d.h. es sollte gelten
 |
(1.4.39) |
Betrachten wir dazu infinitesimale Translationen um
, dann
lautet die vorige Gleichung bis zur ersten Ordnung in
:
 |
(1.4.40) |
Da dies für alle
zutrifft, bedeutet dies, daß die
Kommutatorrelation
 |
(1.4.41) |
gelten muß. Für
haben wir dies oben bei der
Herleitung der kanonischen Bewegungsgleichungen schon gezeigt. Wir
können dies aber auch mit der (1.4.38) durch Erzeugungs- und
Vernichtungsoperatoren ausgedrückten Gestalt für
nachweisen. Dazu benötigen wir zunächst die Kommutatoren der
Erzeugungs- und Vernichtungsoperatoren mit dem Feldoperator. Setzen wir
die Modenentwicklung (1.4.15) ein, finden wir mit Hilfe der
Kommutatorrelationen (1.4.19) nach einfacher Rechnung
 |
(1.4.42) |
Daraus folgt für die Kommutatoren mit den Impulsraumdichteoperatoren
(1.4.31)
 |
(1.4.43) |
und daraus schließlich durch Einsetzen von (1.4.38) die Beziehung
(1.4.41), d.h.
erzeugt tatsächlich raumzeitliche
Translationen.
Wenden wir uns nun den Lorentztransformationen zu. Für Skalarfelder
gilt
 |
(1.4.44) |
mit
 |
(1.4.45) |
Gemäß (1.3.82) erhalten wir unter Verwendung der Symmetrie des
kanonischen Energie-Impulstensors (1.4.36) für die sechs
Generatoren der Lorentzgruppe die Ausdrücke
 |
(1.4.46) |
wobei wir wieder die Normalordnung vorgenommen haben und die
Viererimpulsdichten (1.4.37) eingeführt haben.
Nun erweist es sich als bequemer, zur Analyse der Lorentzgruppe den
manifest kovarianten Formalismus zu verlassen und die Erzeuger für
Drehungen in Gestalt von Dreiervektor-Drehimpulsoperatoren
und die Boosts durch Dreiervektoren
auszudrücken. Sie sind durch die rein räumlichen bzw. die
zeit-räumlichen Komponenten von
wie folgt
definiert, wobei wir uns zunutze machen, daß sie zeitlich konstant sind
und daher bei
ausgewertet werden dürfen:
Die Berechnung der Generatoren in ihrer expliziten Form durch Erzeuger
und Vernichter ist etwas komplizierter als im Falle des Impulses, muß
man doch die
zunächst mit Hilfe von Ableitungen der
Modenfunktionen nach
ausdrücken. Es ergeben sich nach einiger
Algebra aber die folgenden Relationen
 |
(1.4.49) |
Setzt man nun in (1.4.47) die Modenentwicklung für die Felder
ein, canceln sich aufgrund von
die Zusatzterme
auf der rechten Seite von
(1.4.49) wegen
weg, so daß man schließlich
![$\displaystyle \vec{\op{J}} =\tilint{\vec{p}} \left [\op{a}^{\dagger}(\vec{p}) \...
...(\vec{p}) \ii \vec{\nabla}_{\vec{p}} \, \op{b}(\vec{p}) \right ] \times \vec{p}$](img462.png) |
(1.4.50) |
erhält. Auf ähnliche Weise zeigt man
![$\displaystyle \vec{\op{K}} = t \vec{\op{P}}-\tilint{\vec{p}} \left [\op{a}^{\da...
...r}(\vec{p}) \ii \vec{\nabla}_{\vec{p}} \, \op{b}(\vec{p}) \right ] E_{\vec{p}}.$](img463.png) |
(1.4.51) |
Freilich haben wir nun nachzuweisen, daß diese Operatoren tatsächlich
Drehungen und Boosts erzeugen. Dazu parametrisieren wir die
infinitesimalen Lorentztransformationen (1.3.103) mit zwei
Dreiervektoren
und
vermöge
 |
(1.4.52) |
Die infinitesimale Lorentztransformation, angewandt auf das
Klein-Gordon-Feld lautet dann in der hier benötigten Form
 |
(1.4.53) |
Die unitären Operatoren für endliche Lorentztransformation sind durch
 |
(1.4.54) |
gegeben. Es zeigt sich in der Tat mit Hilfe der Vertauschungsrelationen
(1.4.42), daß in der Tat für infinitesimale Transformationen
 |
(1.4.55) |
in Übereinstimmung mit (1.4.53) gilt.
Damit haben wir am Beispiel des freien skalaren Klein-Gordonfeldes
gezeigt, wie eine Quantenfeldtheorie mit Feldoperatoren, die sich unter
eigentlich orthochronen Poincaré-Transformationen wie ihre
klassischen Analoga lokal transformieren, wobei die Transformationen
durch unitäre Operatoren realisiert sind, wie es für
Symmetrietransformationen sein muß, konstruiert werden kann. Weiter
haben wir die Theorie so aufgebaut, daß der Hamiltonoperator positiv
semidefinit ist, also das Energiespektrum nach unten beschränkt ist.
Schließlich betrachten wir noch die Symmetrie der Lagrangedichte (und
damit auch der Wirkung) unter Phasenänderungen. Offenbar
ändert sich nämlich die Lagrangedichte nicht, wenn wir die Phase des
Klein-Gordon-Feldes umdefinieren, also neue Felder
mit |
(1.4.56) |
einführen. In der Schreibweise für das allgemeine Noether-Theorem
(1.3.74) lautet die entsprechende infinitesimale Transformation
 |
(1.4.57) |
d.h. es gilt
 |
(1.4.58) |
Um den zu dieser Symmetrie gehörigen Noether-Strom zu finden,
verwenden wir (1.3.82), wobei wir hier
und
als voneinander unabhängige Feldfreiheitsgrade
aufzufassen haben. Zunächst gilt
 |
(1.4.59) |
wobei wir die kanonischen Vertauschungsrelationen (1.4.5) verwendet
haben. Weiter gilt (bis auf singuläre Ausdrücke, die proportional zum
Einheitsoperator sind)
 |
(1.4.60) |
Damit ist der Strom
 |
(1.4.61) |
für die Lösungen der Feldgleichungen (also der
Klein-Gordon-Gleichung) erhalten. Das rechnet man auch sofort nach,
denn offenbar gilt wegen (1.4.10)
 |
(1.4.62) |
Setzen wir in die dazugehörige Noether-Ladung die Modenentwicklung
(1.4.15) ein und beachten zugleich die Normalordnung, erhalten wir
![$\displaystyle \op{Q}=\int_{\R^3} \dd^3 \vec{x} :\op{j}^{0}(t,\vec{x}): = \int_{\R^3} \dd^3 \vec{p} [\op{n}_a(\vec{p})-\op{n}_b(\vec{p})].$](img479.png) |
(1.4.63) |
Wir haben also aus der Quantisierung des komplexen Klein-Gordon-Feldes
eine Teilcheninterpretation erreicht, die zwei Sorten Teilchen
beschreibt, die beide die gleiche Masse besitzen und auch sonst in allen
Eigenschaften gleich sind. Insbesondere gilt für beide die
Energie-Impulsbeziehung
. Der einzige
Unterschied ist, daß die mit
bezeichneten Teilchen eine positive
und die mit
bezeichneten eine negative Ladungseinheit tragen. Man
bezeichnet solche Paare von Teilchensorten als Teilchen und
Antiteilchen. Wir bemerken noch, daß wir die positive Definitheit
der Energie und das entgegengesetzte Ladungsvorzeichen im Zuge der zur
Renormierung der entsprechenen Größen benötigten Normalordnung nur
durch die Quantisierung des skalaren Klein-Gordon-Feldes als
Bosonen erreichen konnten. Hätten wir statt der
kanonischen gleichzeitigen Kommutatorregeln (1.4.5), die Bosonen
charakterisieren, fermionische Antikommutatorregeln angesetzt, hätten
wir umgekehrt positive Energien für die Teilchen (Sorte
) negative
Energien für die Antiteilchen (Sorte
) und positive Ladung für
Teilchen und Antiteilchen erhalten. Diese Variante widerspricht
allerdings der Stabilität des Systems, da dann kein Grundzustand
niedrigster Energie existieren würde. Diese Beobachtung ist ein
Beispiel für das allgemein gültige Spin-Statistik-Theorem,
das wir im nächsten Abschnitt bei der Analyse der Darstellungen der
Poincaré-Gruppe genauer betrachten werden. Demnach erfordert im
Rahmen einer lokalen Quantenfeldtheorie die Mikrokausalität,
also die Vertauschbarkeit lokaler Observablen bei raumartigen
Abständen, und die positive Semidefinitheit des Hamiltonoperators
zwingend die Quantisierung von Feldern mit ganzzahligem Spin als
Bosonen und diejenige von Feldern mit halbzahligem Spin als
Fermionen.
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