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Zerfall ins Kontinuum
Man kann die Zeitentwicklung des zerfallenden Zustandes ohne Näherungen
exakt durch Integrale angeben. Die Goldene Regel ergibt sich im Grenzfall
kleiner und nichtresonanter Übergangsamplituden.
Ein allgemeiner Zustand schreibt sich mit einem Entwicklungskoeffizienten
und einer Wellenfunktion
in der Basis (7.17) als Linearkombination
für  |
(7.30) |
Die Wahrscheinlichkeit
, bei
einer Messung von
die zu
gehörende Energie im offenen Intervall
zu finden, beträgt
 |
(7.31) |
Es trägt also der Anteil
zur Wahrscheinlichkeitsdichte der Energie eine
scharfe Linie bei
bei, die schärfer als jede Detektorauflösung
ist und deren Fläche
beträgt.
Die Wechselwirkung
bewirkt Übergänge vom normierten
-Eigenzustand
ins Kontinuum und umgekehrt
 |
(7.32) |
 |
(7.33) |
Die Matrixelemente
und
verschwinden in unserer Rechnung.
Dies ist keine
wesentliche Einschränkung, wir können uns solch einen Teil der Wechselwirkung in
absorbiert vorstellen. Ebenso verschwindet
für
.
Der Operator
ist auf
nur definiert, falls
ist.
 |
(7.34) |
Wie klein die Amplitude
für Übergänge ins Kontinuum auch ist, wenn sie bei einer
Energie
nicht für alle
verschwindet, so gibt es keinen normierbaren
-Eigenzustand mit
dieser Energie. Die Gleichung
bestimmt nämlich die Energiewellenfunktion
 |
(7.35) |
und die Energie
durch die gap-Gleichung (Energielückengleichung)
 |
(7.36) |
Nur wenn
verschwindet, ist
eine quadratintegrable Funktion.
Ist die Wechselwirkung
genügend groß, so gibt es unterhalb der kontinuierlichen Energien,
dort verschwindet
, einen normierbaren
-Eigenzustand, denn
die Energielückengleichung (7.36) hat für
genau eine Lösung, wenn
 |
(7.37) |
ist. Es ist nämlich die linke Seite von (7.36) eine monoton steigende Funktion
von
und die rechte Seite fällt monoton ab. Zudem ist für stark negative
die linke
Seite von (7.36) kleiner als die rechte, für
ist die
linke Seite größer als die rechte, wenn die Wechselwirkung
genügend groß ist.
Wir untersuchen nun die Zeitentwicklung des Zustandes
,
der zur Zeit
als normierter Eigenzustand
des ungestörten
Hamiltonoperators
präpariert worden ist. Die Amplitude
dafür, daß
bei Messung zur Zeit
der Anfangszustand gefunden wird, ist das Matrixelement
 |
(7.38) |
Wir nutzen den Residuensatz und stellen
als Wegintegral über einen Weg
dar, der das Spektrum von
in der komplexen Ebene
im Gegenuhrzeigersinn umläuft.
 |
(7.39) |
Die Formel kann mit dem Residuensatz für den Fall eines diskreten Spektrums
mit
leicht bestätigt werden
und gilt auch für kontinuierliches Spektrum.
Die negative Resolvente
kann als geometrische Reihe geschrieben werden. Es
gilt nämlich für Operatoren
und
, wenn
und
invertierbar sind,
 |
(7.40) |
auf Zuständen, auf denen die Reihe konvergiert. Wir schreiben daher
 |
(7.41) |
Die Potenzen von
sind auf
leicht anzuwenden, da
Eigenzustand zu
ist. Mit der Notation
 |
(7.42) |
gilt
Zum Matrixelement
tragen demnach nur die geraden Potenzen
von
bei.
Für
folgt dann wegen (7.38) und (7.39)
 |
(7.46) |
Wir wählen den Integrationsweg
im Gegenzeigersinn um das Spektrum so, daß wir mit
festem Imaginärteil
die
Punkte
von
zu
durchlaufen und danach
die Punkte
von
bis
. Dann ist das komplexe Wegintegral
die Differenz zweier Integrale über die reelle Achse.
Das Integral hängt nicht von
ab und wir werten es im Grenzfall
aus.
 |
(7.47) |
Wie in Anhang A gezeigt, hat der Nenner
 |
(7.48) |
für
den Grenzwert
 |
(7.49) |
wobei
das Hauptwertintegral bezeichnet.
Falls
genügend klein ist, so daß kein gebundener Zustand existiert, der die gap-Gleichung
(7.36) löst, so verschwindet der Nenner
nirgends.
Der zweite Beitrag zu
, den man durch die Ersetzung von
durch
erhält,
ergibt den konjugiert komplexen Nenner
. Daher ist der Integrand von der Form
 |
(7.50) |
und
ist
Der zerfallende Zustand ist durch die Ankopplung an das Kontinuum
nicht länger ein Energieeigenzustand, sondern eine Resonanz ähnlich der Lorentzresonanz,
denn für kleine Übergangsamplitude
ist
nahezu die
in (7.6) gegebene Funktion
.
Die Abweichungen von der Lorentzresonanz führen zu Abweichungen vom exponentiellen Zerfall.
Im Nenner von
dominiert der Realteil
 |
(7.53) |
außer in einer kleinen Umgebung der Nullstelle
von
.
Der Zähler
beseitigt die unphysikalischen Züge der Lorentzresonanz. Er
sorgt dafür, daß die Energiewellenfunktion für
verschwindet
und verbessert das Hochenergieverhalten, so daß
endliche Norm hat.
Es existieren dann
und
, allerdings hängen diese Größen vom
Verhalten von
für
ab und brauchen nicht mit der
Resonanzenergie und der Breite übereinstimmen.
Wenn sich in der Umgebung der Nullstelle von
der Imaginärteil des Nenners
von
nicht stark verändert, können wir ihn dort
durch
nähern und erhalten ungefähr
 |
(7.54) |
mit der Resonanzenergie
, die durch die Energielückengleichung
implizit definiert ist, und der Breite
 |
(7.55) |
In niedrigster Ordnung ist dies die Goldene Regel.
 |
(7.56) |
Die Zerfallsrate
eines Zustands, der durch Übergänge in ein Kontinuum von Energiezuständen zerfällt, ist
das
-fache des Integrals der Betragsquadrate der Übergangsamplitude
bei der
Resonanzenergie
mal einer Deltafunktion für Energieerhaltung. Genauer zeigt
Gleichung (7.52), daß der zerfallende Zustand kein Energieeigenzustand, sondern
eine Resonanz ähnlich der Lorentzresonanz ist.
Diese Herleitung der Goldenen Regel zeigt, daß eine genaue Berechnung der Übergangsamplitude
in höherer Ordnung Störungstheorie durch eine
genaue Berechnung des Zeitverhaltens des zerfallenden Zustands ergänzt werden muß. Die
Goldene Regel gilt in niedrigster Ordnung der Übergangsamplitude.
Die Approximation (7.54) unterstellt nicht nur, daß
klein ist, sondern auch,
daß
glatt ist und nicht selbst eine Lorentzresonanz mit Resonanzenergie
und Breite
ist. Sonst unterdrückt zwar in (7.52) der
Nenner
den Beitrag der Resonanz bei
, wenn aber die Breite
klein gegen
ist, so zerfällt zunächst der Zustand
schnell als Resonanz mit Energie
bis auf einen kleinen, längerlebigen Rest der
Resonanz mit Energie
und Breite
.
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