Wir betrachten nun folgendes Experiment: Wir präparieren den
Doppelspalt wie bisher mit den um
gegeneinander verdrehten
-Plättchen und bescheinen diese Anordnung mit den
-Photonen des verschränkten Paares, während wir die Polarisation
der
-Photonen mittels eines Polarisationsfilters messen, den wir in
beliebigem Winkel relativ zur Ausrichtung der
-Plättchen
einstellen können.
Zunächst bestimmen wir nun den Zustand der Photonenpaare, vorausgesetzt
das
-Photon ist durch Spalt 1 bzw. Spalt 2 gelaufen. Für ein
-Plättchen, das um
gegenüber der
-Richtung verdreht ist, haben wir die Operatoren
Mit Hilfe von (15) können wir den Zustand für die
Photonenpaare, wenn das
-Photon gerade die Spaltöffnungen
bzw.
durchlaufen hat, wie folgt bestimmen:
Betrachten wir also die
-Photonen einfach ohne Zurkenntnisnahme der
Polarisation der
-Photonen, erhalten wir als
Aufenthaltswahrscheinlichkeit für
-Photonen an der Stelle
am
Schirm
Wir können von jedem einzelnen Photonenpaar die Information gewinnen,
welchen Weg das jeweilige
-Photon in der Doppelspaltanordnung
genommen hat, indem wir den Polarisationsfilter für das
-Photon in
-Richtung ausrichten und zugleich für das jeweilige
-Photon
feststellen, ob es rechts- oder linkspolarisiert ist.
Ein Blick auf (16) zeigt dann, daß das
-Photon durch
Spalt
gelaufen ist, wenn entweder das
-Photon in
-Richtung und das
-Photon zugleich linkszirkular oder das
-Photon in
-Richtung und das
-Photon zugleich
rechtszirkular polarisiert sind. Die entsprechenden anderen beiden
Möglichkeiten ergeben dann, daß das Photon durch Spalt
gelaufen
sein muß. Wegen dieser prinzipiellen Möglichkeit, festzustellen,
welchen Weg die
-Photonen gelaufen sind, ergibt sich gemäß
(18) kein Interferenzmuster, wenn man alle Photonen
betrachtet.
Stellen wir jedoch nun den Polarisationsfilter für die
-Photonen in
-Richtung auf und betrachten nur diejenigen
-Photonen,
für die das
-Photon durchgekommen ist. Dadurch halbiert sich die
Gesamtzahl der betrachteten Photonen, aber man erhält wieder ein
Interferenzmuster, wenn auch ein etwas verschobenes.
Das sieht man wie folgt ein: Ein im Winkel
zur
-Richtung ausgerichteter Polarisationsfilter wird durch den
Projektionsoperator
| (19) |
Der Zustand dieses Teilensembles aller Photonenpaare wird durch den (unnormierten!) Zustandsvektor
Es ergibt sich für die Aufenthaltswahrscheinlichkeit des
-Photons am
Schirm:
![]() |
(21) |
Für die andere Hälfte der Photonen im Ensemble ist die Rechnung genau
analog auszuführen. Man muß nur
in (20)
verwenden. Dann erhält man
![]() |
(22) |
Dies ist physikalisch auch notwendig, denn wir haben ja die Messung der
Polarisation der
-Photonen so ausgeführt, daß sie zu keinerlei
Wechselwirkung der
-Photonen mit dem Polarisationsfilter geführt
hat. Wir haben die
-Photonen durch die Polarisationsmessung am
-Photon also gar nicht beeinflußt.
Wir können allerdings nun auch nicht mehr gleichzeitig den Weg eines
jeden einzelnen
-Photons durch die Spaltanordnung kennen, selbst wenn
wir nachmessen würden, ob die
-Photonen links- oder rechtszirkular
polarisiert sind, denn dazu müßten wir ja zusätzlich wissen, ob die
jeweiligen
-Photonen in
- oder
-Richtung
polarisiert waren. Das ist aber nun prinzipiell unmöglich, da wir den
Polarisationsfilter für die
-Photonen auf
gestellt
haben, und das schließt die Kenntnis aus, ob das
-Photon im
- bzw.
-Polarisationszustand vorliegen, da die
Zustände
eine echt andere Basis im
Raum der Polarisationszustände als die Basis aus
und
ist, maW. die Operatoren, die der Observablen
,,Polarisation in
- bzw.
-Richtung``
entsprechen und diejenigen für
kommutieren nicht, sind
also inkompatibel.
Man spricht hier vom ,,Quantenradieren von
Welcher-Weg-Information``, weil durch die Messung der
-Polarisation die bei einer Wahl, die
-Polarisation
zu messen, prinzipiell vorhandene Möglichkeit, festzustellen, welchen
Weg das
-Photon genommen hat, zerstört wurde, wobei aber keinerlei
Manipulationen an dem
-Photon selbst vorgenommen werden müssen.
Diese Möglichkeit des ,,Quantenradierens`` ist ähnlich wie das ,,Teleportieren`` von Photonenzuständen (Zeilingerexperiment) nur aufgrund der quantentheoretischen Natur der Photonen und der Möglichkeit, verschränkte Photonenpaare zu erzeugen, möglich. Es ist ein klassisch nicht erklärbarer Vorgang.
Es ist auch klar, daß das Quantenradieren das Gesamtensemble der
Photonen nicht irgendwie ändert, denn wir können ja die gesamte
Situation einfach aufzeichnen, indem wir von jedem Photonenpaar
speichern, ob das
-Photon in
oder
-Richtung polarisiert war und zugleich den Ort
des
dazugehörigen
-Photons am Schirm notieren. Wir können dann
nach dieser kompletten Messung entscheiden, ob wir ein
Interferenzmuster sehen wollen oder nicht. Ersteres erreichen wir, indem
wir alle
-Photonen betrachten und über die aufgezeichneten
Positionen auf der Photoplatte deren Ortsverteilungsdichte bilden. Wir
erhalten durch Normierung dann eine konstante wahrscheinlichkeitsdichte,
also kein Interferenzmuster. Betrachten wir hingegen nur diejenigen
-Photonen, deren zugehöriges
-Photon in
polarisiert
war, erhalten wir wieder durch Auswerten der Ortsverteilung dieser
-Photonen eine Wahrscheinlichkeitsverteilung. Diese weist nun aber
wieder das Interferenzmuster auf.
Man kann nun allgemeinere Fälle betrachten, wo man die
-Photonen-Polarisation nicht in
-Richtung mißt
sondern in irgendeinem anderen Winkel. Dann ist die Wahrscheinlichkeit
dafür, daß das jeweilige
-Photon in
-Richtung polarisiert war,
wenn das
-Photon in der betrachteten Polarisationsrichtung
polarisiert war, nicht exakt
sondern je nach Winkelstellung
größer oder kleiner. Entsprechend hat man mit einer etwas höheren
Genauigkeit als bei
-Stellung des Polarisationsfilters
für die
-Photonen korrekte Welcher-Weg-Information über das
-Photon. Wir haben dann zwar keine sichere Welcher-Weg-Information
aber in diesem probailistischen Sinne andererseits diese Information
auch nicht vollständig ausradiert. Entsprechend zeigt die zur obigen
Rechnung analoge Betrachtung, daß in diesem Falle immer noch ein
Interferenzmuster auftritt, wenn man nur die
-Photonen betrachtet,
für die das dazugehörge
-Photon in die betreffende Richtung
polarisiert war, das allerdings einen geringeren Kontrast aufweist als
wenn wir überhaupt keine Welcher-Weg-Information über die
-Photonen
mehr besitzen, d.h. unvollständiges Ausradieren der
Welcher-Weg-Information führt auch nur auf eine ungenauere
Wiederherstellung des Interferenzmusters.