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Die Heisenbergsche Unschärferelation
Eine wichtige Folgerung aus der statistischen Interpretation des
quantentheoretischen Zustandsbegriffs über die Bornsche Regel
(2.2.2) ist die Heisenbergsche Unschärferelation. Seien
dazu
und
zwei Observablen, die zueinander kompatibel oder
inkompatibel sein können, und
irgendein
Zustand2.6 des Systems. Dann gibt es eine
untere Schranke für das Unschärfeprodukt
.
Heisenberg ist auf diese Folgerung anhand des Beispiels von Ort und
Impuls gekommen. Haben wir nämlich, wie in dem gerade besprochene
Beispiel der Lokalisierung eines Teilchens in der Nähe des Ortes
,
eine Wellenfunktion
, die scharf um diesen Ort gepeakt
ist, so wird die entsprechende Impulsverteilung durch die
Fouriertransformierte der Wellenfunktion gegeben sein
(vgl. (2.4.12)). Die daraus resultierende Impulsverteilung wird
aber desto breiter und entsprechend
desto größer sein je
schärfer die Ortsverteilung (also je kleiner
) ist.
Der bis jetzt entwickelte quantentheoretische Formalismus läßt bereits
eine Quantifizierung der
Schranke für
und
zu. Um diese zu finden, definieren wir hilfsweise die neuen
Operatoren
 |
(2.6.1) |
Die Erwartungswerte sind dabei bzgl. des betrachteten Zustandes
zu bilden. Dann gilt nämlich
 |
(2.6.2) |
Es sei weiter
. Dann definieren wir das quadratische Polynom
 |
(2.6.3) |
Ausmultiplizieren des Operatorprodukts liefert dann unter Verwendung von
(2.6.2)
 |
(2.6.4) |
Da
und
selbstadjungiert sind, gilt
 |
(2.6.5) |
Es ist also auch
selbstadjungiert und
folglich der Koeffizient von
in (2.6.4) reell:
 |
(2.6.6) |
Das quadratische Polynom (2.6.4) ist also reell und wegen der
positiven Definitheit des Skalarprodukts gilt für alle
 |
(2.6.7) |
Demnach besitzt dieses Polynom entweder eine einzige doppelte reelle
Nullstelle oder zwei verschiedene zueinander komplex konjugierte
Nullstellen. Nach der Lösungsformel für quadratische Gleichungen muß
also für die Diskriminante des Polynoms
 |
(2.6.8) |
oder
 |
(2.6.9) |
gelten. Dies ist die Heisenbergsche Unschärferelation für
irgendwelche Observablen
und
. Sind insbesondere
und
kompatibel, können also deren Werte simultan scharf festgelegt werden,
so kommutieren die entsprechenden Operatoren
und
, und
die rechte Seite der Ungleichung verschwindet, und die Ungleichung
ergibt dann keine echte Einschränkung für das Produkt der
Standardabweichungen.
Betrachten wir die Unschärferelation insbesondere für Ort und
Impuls. Aus der konkreten Darstellung der entsprechenden Operatoren
für die Orts- und Impulskomponenten im Ortsraum (2.4.4) ergeben
sich die Kommutatorrelationen (Heisenberg-Algebra)
 |
(2.6.10) |
Dies in (2.6.9) eingesetzt ergibt die bekannte Heisenbergsche
Unschärferelation für Ort und Impuls
 |
(2.6.11) |
Es können also nur Komponenten von Ort und in Impuls in zueinander
senkrechten Richtungen gleichzeitig scharf bestimmt sein. Ein
vollständiger Satz kompatibler Observabler kann in diesem Falle als die
drei Orts- oder die drei Impulskomponenten oder z.B.
und
etc. gewählt werden.
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