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Unitäre Symmetrietransformationen
Als Symmetrietransformation bezeichnen wir eine umkehrbar eindeutige
simultane Abbildung der Zustände
und Operatoren
, die alle
physikalischen Aussagen bzgl. des betrachteten Systems
ungeändert lassen.
Betrachten wir die Abbildung
 |
(2.8.1) |
für einen beliebigen unitären Operator
, so haben wir
eine Symmetrietransformation vorliegen. Zum einen wird ein VONS von
Eigenvektoren
von
in ein VONS
von Eigenvektoren von
zum gleichen
Eigenwert
abgebildet:
 |
(2.8.2) |
Es ist also
in der Tat ein Eigenvektor des Operators
zum Eigenwert
. Die Vollständigkeit dieses Systems von
Eigenvektoren ergibt sich ebenfalls sofort aus der Unitarität von
und der Vollständigkeit von
:
 |
(2.8.3) |
Es ist also auch das System
vollständig. Daß es
auch ein Orthonormalsystem ist, folgt aus der Invarianz des
Skalarprodukts (2.7.1). Es ist also auch
ein
VONS. Aus der dazugehörigen Spektralzerlegung von
folgt
daraus insbesondere auch sofort, daß mit
auch
selbstadjungiert ist. Damit ist klar, daß bei einer Verwendung von
als Operator, der die Observable
repräsentiert,
hinsichtlich der möglichen Meßwerte dieselben Vorhersagen gemacht
werden wie wenn wir
verwenden, denn das Spektrum beider
Operatoren ist identisch. Im folgenden können wir also schreiben
 |
(2.8.4) |
Es bleiben auch alle Wahrscheinlichkeitsaussagen der Theorie erhalten,
wenn wir entsprechend alle Zustände
gemäß
(2.8.1) transformieren. So ist die Wahrscheinlichkeit, bei
einer Messung der Observablen
einen bestimmten Wert
zu finden
gemäß der Bornschen Regel durch
 |
(2.8.5) |
gegeben. Wir erhalten also dieselbe Wahrscheinlichkeitsverteilung für
die möglichen Meßwerte, wenn wir statt der ursprünglichen
Eigenvektoren
und dem ursprünglichen Zustandsvektor
die gemäß (2.8.1) transformierten Vektoren
verwenden. Insgesamt ändert sich also an den Vorhersagen eines
quantentheoretischen Modells nichts, wenn man alle Vektoren und
Operatoren dieser Transformation unterzieht. Sie ist also tatsächlich
eine Symmetrietransformation.
Auch die Kommutatorrelationen ändern sich nicht, denn es gilt für
irgendwelche zwei Operatoren
und
 |
(2.8.6) |
und folglich
 |
(2.8.7) |
Wir bemerken noch, daß auch allgemeinere Transformationen
Symmetrietransformationen sein können, denn es müssen nicht die
Skalarprodukte selbst ungeändert bleiben sondern nur ihre Beträge. Es
muß also lediglich
 |
(2.8.8) |
gelten. Man kann zeigen, daß sich Abbildungen mit dieser Eigenschaft,
die keine unitären Abbildungen der Art (2.8.1) sind,
als sog. antiunitäre Abbildungen beschreiben lassen. Wir
wollen dieses sog. Theorem von Wigner und
Bargmann [Bar64,Mes99] hier nicht beweisen. In der
Physik benötigt man diesen Fall für die Beschreibung der
Zeitumkehrsymmetrie. Wir kommen darauf später noch im
Zusammenhang mit der relativistischen Quantentheorie noch ausführlich
zu sprechen.
Ein besonders einfacher (wenngleich wichtiger) Spezialfall einer
unitären Symmetrie ist die Phaseninvarianz der
Quantentheorie. Setzen wir nämlich
mit |
(2.8.9) |
so ist gemäß (2.8.1)
 |
(2.8.10) |
Daß
unitär ist, ist klar, denn es gilt
 |
(2.8.11) |
Wir können also alle Vektoren
mit demselben
Phasenfaktor multiplizieren, ohne daß sich an den Aussagen über das
physikalische System etwas ändert, d.h. insbesondere, daß der Vektor
denselben Zustand des Systems
repräsentiert wie
.
Als weiteres weniger triviales Beispiel betrachten wir
 |
(2.8.12) |
Wir wollen zeigen, daß dieser Operator räumliche
Translationen beschreibt. Das ist insofern plausibel als auch in der
klassischen Mechanik der Impuls die zur räumlichen
Translationssymmetrie gehörige Erhaltungsgröße und im
Poissonklammernformalismus der Hamiltonschen Mechanik Generator
dieser räumlichen Translationen ist (Noethertheorem!
Vgl. [Hee08]). Wir gehen darauf in Kapitel 2 dieses
Manuskripts noch sehr genau ein.
Betrachten wir zunächst die Wirkung des Operators
auf
die Orts- und Impulsoperatoren gemäß (2.8.1). Da die
Impulsoperatoren wegen (2.6.10) untereinander und folglich auch
mit jeder Funktion von Impulsoperatoren vertauschen, gilt
 |
(2.8.13) |
Der Impulsoperator bleibt also ungeändert, so wie es ja räumlichen
Translationen entspricht.
Etwas schwieriger ist die Herleitung der Transformation des
Ortsoperators. Dazu betrachten wir den transformierten Operator als
Funktion der Parameter
:
 |
(2.8.14) |
Bilden wir nun die Ableitung nach
:
 |
(2.8.15) |
Da alle drei Impulsoperatoren untereinander vertauschen, gilt
 |
(2.8.16) |
Dies in (2.8.15) eingesetzt ergibt nach einigen einfachen
Umformungen
 |
(2.8.17) |
Dies können wir wieder integrieren, um
 |
(2.8.18) |
zu erhalten. Wegen
ist
, d.h. es
gilt
 |
(2.8.19) |
Auch dies entspricht der erwarteten Translation des Koordinatensystems
um den Vektor
.
Die Wirkung des Operators (2.8.12) auf die Hilbertraumvektoren
untersuchen wir am einfachsten in der Ortsdarstellung. Zunächst gilt
für die Ortseigenvektoren
 |
(2.8.20) |
Es ist also
Eigenvektor des
Ortsoperators zum Eigenwert
. Im folgenden wählen
wir die Ortseigenvektoren als
 |
(2.8.21) |
Dabei bezeichnet
den Eigenvektor von
zum
Eigenwert 0
. Da die simultanen Ortseigenvektoren bis auf einen
Phasenfaktor eindeutig bestimmt sind, entspricht die Wahl
(2.8.21) lediglich einer bequemen Phasenkonvention für die
verallgemeinerten Ortseigenvektoren. Physikalische Aussagen sind
nämlich unabhängig von der Wahl dieser Phasen.
Damit können wir aber die Wirkung des Translationsoperators auf die
Wellenfunktion in der Ortsdarstellung berechnen
 |
(2.8.22) |
Die Wellenfunktion verhält sich also bzgl. Translationen wie ein
skalares Feld.
Wir bemerken noch, daß die Translationen eine Abelsche Gruppe
bilden. Die Hintereinanderausführung zweier Translationen um die
Verschiebungsvektoren
bzw.
ergibt nämlich
wieder eine Verschiebung mit dem Verschiebungsvektor
. Dabei ist die Reihenfolge der Verschiebungen
offenbar unerheblich, denn es gilt
. In der Quantentheorie hatten wir die
Translationen mit dem unitären Operator (2.3.35)
dargestellt. Wegen der Kommutativität der Impulsoperatoren gilt (die
übrigens bei den obigen Rechnungen bereits benutzte!) Beziehung
 |
(2.8.23) |
Die Hintereinanderausführung der quantenmechanischen
Translationsoperatoren liefert also dieselbe Gruppenbeziehung wie die
Transformationsgruppe. MaW. bezeichnen wir die Translation des
Ortsvektors mit
, so gilt
 |
(2.8.24) |
d.h. die in diesem Fall abelsche Gruppenmultiplikation erfüllt
dieselben Relationen wie sie auch die unitären Operatoren gemäß
(2.8.23) besitzen. Wir haben also mit den unitären
Transformationen (2.8.12) eine Abbildung der
Translationsgruppe
des
in die Gruppe der
unitären Transformationen im Hilbertraum
. Diese Abbildung der Gruppenelemente erfüllt
dieselben Gruppenverknüpfungsregeln wie die Elemente der Gruppe selbst
(vgl. (2.8.23) mit (2.8.24)!). Man nennt dies eine
unitäre Darstellung der Gruppe im Hilbertraum.
Allgemein entspricht also einer Symmetriegruppe in der klassischen
Theorie (hier der Newtonschen Mechanik) in der ihr entsprechenden
Quantentheorie einer unitären Darstellung dieser Gruppe im
Hilbertraum2.7. Man gelangt
allerdings eher umgekehrt durch die Betrachtungen der unitären
Darstellung der Symmetriegruppe der klassischen Theorie und durch
Ableitung (analog zu unserem Vorgehen in Gl. (2.8.17)) zu den
Kommutatorrelationen der entsprechenden selbstadjungierten
Operatoren, aus denen sich wiederum die Eigenschaften der
Wellenfunktionen dieser Quantentheorie und damit eine zur praktischen
Lösung von physikalischen Problemen verwendbare Realisierung derselben
ergibt. Wir könnten z.B. die oben besprochene Realisierung der
nichtrelativistischen Quantentheorie eines Teilchens allein aus den
Kommutatorregeln der Heisenberg-Algebra (2.6.10)
gewinnen. Darauf kommen wir im nächsten Kapitel noch ausführlich
zurück.
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