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Wir können den Propagator des freien Teilchens auch noch in einer
anderen (insbesondere für die Vielteilchenphysik in
Kapitel 8 äußerst wichtigen) Form
schreiben. Dazu gehen wir von der zeitabhängigen
Schrödingergleichung des freien Teilchens in der Ortsdarstellung
aus, die wir in der Gestalt
 |
(2.14.1) |
schreiben. Diese Gleichung ist unter Vorgabe der Anfangsbedingung
 |
(2.14.2) |
zu lösen. Die physikalische Situation, die wir hier beschreiben, ist
wieder, daß wir uns das Teilchen durch Festlegung der Werte eines
vollständigen Satzes kompatibler Observabler in diesem Anfangszustand
präpariert denken. Physikalisch ist es also irrelevant,
wie die Wellenfunktion
für Zeiten
aussieht. Wir machen nun den folgenden Ansatz, der sich gleich noch als
nützlich erweisen wird
 |
(2.14.3) |
wobei die Heavisidesche Einheitssprungfunktion durch
 |
(2.14.4) |
definiert ist. Wir benötigen noch die wichtige Formel
 |
(2.14.5) |
Diese ist selbstverständlich im Distributionensinne zu verstehen. Um
sie zu beweisen, müssen wir also
auf eine
Testfunktion
anwenden. Es gilt definitionsgemäß
 |
(2.14.6) |
Da dies für beliebige Testfunktionen
gilt, muß folglich auch
(2.14.5) gelten, denn Distributionen sind eindeutig durch ihre
Wirkung auf Testfunktionen definiert.
Setzen wir also (2.14.3) in (2.14.1) ein und verwenden
bei der Zeitableitung (2.14.5), erhalten wir
 |
(2.14.7) |
Andererseits können wir
gemäß (2.11.10) mit
Hilfe des Propagators ausdrücken:
 |
(2.14.8) |
Setzen wir dies in (2.14.7) ein, erhalten wir unter Beachtung,
daß offenbar für
die Anfangsbedingung
 |
(2.14.9) |
gilt,
 |
(2.14.10) |
Da dies für alle möglichen Anfangsbedingungen
gilt,
ist also notwendig (wenn wir zur Vereinheitlichung der Schreibweise
setzen)
 |
(2.14.11) |
Folglich ist
eine Greensche Funktion
des Schrödingeroperators
 |
(2.14.12) |
Die Gleichung (2.14.11) ist wegen (2.14.8) mit der
Nebenbedingung
für |
(2.14.13) |
zu lösen.
Dazu stellen wir
durch ihre Fouriertransformierte bzgl. der
Zeit und des Ortes dar und berücksichtigen, daß offenbar
eine Funktion von
und
sein muß:
![$\displaystyle G(t,\vec{x};t',\pvec{x}) = \int_{\R^4} \frac{\dd^4 p}{(2 \pi \hba...
...t-t')-\vec{p} \cdot (\vec{x}-\pvec{x})}{\hbar} \right ] \tilde{G}(p_0,\vec{p}).$](img649.png) |
(2.14.14) |
Setzen wir dies auf der linken Seite von (2.14.11) ein und
schreiben die
-Distribution auf der rechten Seite ebenfalls als
Fourierintegral,
![$\displaystyle \delta(t-t') \delta^{(3)}(\vec{x}-\pvec{x}) = \int_{\R^4} \frac{\...
...\left [-\ii \frac{p_0 (t-t')-\vec{p} \cdot (\vec{x}-\pvec{x})}{\hbar} \right ],$](img650.png) |
(2.14.15) |
erhalten wir durch Vergleich der Fourierintegrale
mit |
(2.14.16) |
Hierbei tritt nun bei der Transformation (2.14.14) in den
-Bereich das charakteristische Problem des Pols bei
auf. Dies läßt sich dadurch beheben, daß man den
reellen Integrationsbereich für
ein wenig in die komplexe
-Ebene deformiert. Dabei ist darauf zu achten, daß die
Randbedingung (2.14.13) erfüllt wird. Aufgrund der
Exponentialfunktion in (2.14.14) können wir den
Residuensatz anwenden, indem wir den Integrationsweg durch
einen sehr großen Halbkreis im Unendlichen schließen, und zwar in der
oberen (unteren) Halbebene für
(
). Wir müssen mit unserem
Integrationsweg den Pol also so umlaufen, daß dieser beim Schließen in
der oberen Halbebene für
nicht in dem vom Integrationsweg
umschlossenen Gebiet liegt (vgl. Abb. 2.1), denn dann
verschwindet das Integral wegen des Cauchyschen Integralsatzes, wie von
der Randbedingung (2.14.13) gefordert. Alternativ können wir
auch einen kleinen positiven Imaginärteil zum Nenner addieren und
diesen nach der
-Integration gegen 0
gehen lassen. Das schreiben
wir im Sinne von Distributionen in der Form
 |
(2.14.17) |
Dann liegt der Pol
nämlich in
der unteren Halbebene und dies hat denselben Effekt wie die Deformation
des Integrationsweges gemäß Abb. 2.1, wenn wir wieder den
ursprünglichen reellen Integrationsweg wählen und diesen in der oberen
bzw. unteren Halbebene durch einen unendlich großen Halbkreis
schließen. Wir haben jetzt diese Greensche Funktion genauer mit
bezeichnet, denn es handelt sich wegen der
Randbedingung (2.14.13) offensichtlich um die retardierte
Greensche Funktion der Schrödingergleichung für ein freies
Teilchen.
Links: Integrationskontur für das Integral (
2.14.14)
für den
retardierten Propagator. Rechts: Alternative
Formulierung durch Verschieben des Pols in die untere Halbebene
(cf. (
2.14.17) und Beibehaltung des ursprünglichen
reellen Integrationsweges.
Führen wir nun in (2.14.14) nur die
-Integration
mit (2.14.17) für
aus, erhalten wir die Darstellung
der retardierten Greenschen Funktion als Funktion der Zeiten
und
, die sog. Mills-Darstellung:
![$\displaystyle G_{\text{ret}}'(t,t';\vec{p}) = \int_{-\infty}^{\infty} \frac{\dd...
...c{1}{p_0-E(\vec{p})+\ii 0^+} \exp \left [-\ii \frac{p_0(t-t')}{\hbar} \right ].$](img664.png) |
(2.14.18) |
Wir können dieses Integral mit Hilfe des Residuensatzes auswerten,
indem wir die Integrationswege wie in Abb. 2.1 (rechts)
eingezeichnet schließen. Dann folgt
![$\displaystyle G_{\text{ret}}'(t,t';\vec{p}) = \frac{\Theta(t-t')}{\ii \hbar} \exp \left [-\frac{\ii}{\hbar} E(\vec{p})(t-t') \right ].$](img665.png) |
(2.14.19) |
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