Im Rahmen der Quantentheorie läßt sich ein System nicht genauer
determinieren als es durch seine Präparation in einem durch einen
Zustandsvektor
repräsentierten Zustand möglich ist. Dies
kann z.B. dadurch geschehen, daß man ihn zur Zeit
in einem
simultanen Eigenzustand eines vollständigen Satzes kompatibler
Observabler präpariert. Die physikalische Bedeutung dieser
vollständigst möglichen Festlegung des Systemzustandes ist allerdings
allein durch den statistischen Gehalt des Zustandsvektors
gemäß der Bornschen Formel (2.2.2) gegeben. Selbst bei
vollständiger Präparation des Systems sind somit nicht die Werte aller
Observabler festgelegt, sondern nur derjenigen Observablen, die
ihrerseits mit den Observablen des vollständigen Satzes kompatibler
Observabler kompatibel sind. Die Quantentheorie ist eine
statistische Beschreibung der Realität, und die Notwendigkeit
einer statistischen Beschreibung rührt nicht von unserer mangelnden
Kenntnis über den Systemzustand her, sondern ist prinzipieller Natur:
Der Quantentheorie zufolge können eben keine zwei nichtkompatiblen
Observablen simultan wohlbestimmte Werte besitzen. Die Unbestimmtheit
der einen Observable bei Festlegung der anderen ist also unvermeidlich.
In vielen Fällen werden wir aber noch nicht einmal volle Kenntnis vom
Systemzustand besitzen, d.h. wir haben i.a. das System gar nicht in
einem durch einen Zustandsvektor
repräsentierten
Zustand2.13präpariert. In solchen Fällen kann man aber immer noch
,,Quantenstatistik`` betreiben, d.h. eine
Statistische Beschreibung im gleichen Sinne wie in der
klassischen Statistichen Mechanik vornehmen. Diese statistische
Beschreibung ist nun von der quantenmechanischen Statistik eines reinen
Zustandes qualitativ verschieden, denn es handelt sich um eine
statistische Beschreibung aufgrund einer unvollständigen Kenntnis des
Systemzustandes, während die statistischen Eigenschaften des reinen
Zustandes prinzipiell nicht durch genauere Präparation des Systems
beseitigt werden können.
Wenden wir uns also der Frage zu, wie man das System im Falle nicht
vollständig vorgenommener Präparation quantenstatistisch beschreiben
kann. Eine typische Präparation dieser Art können wir uns
folgendermaaßen vorstellen: Nehmen wir an, wir könnten Teilchen in
reinen Zuständen
,
,
präparieren, z.B. durch Festlegung der Werte eines vollständigen
Satzes kompatibler Observabler. Diese Sätze von kompatiblen Observablen
können dabei aber für jeden dieser reinen Zustände durchaus
unterschiedlich sein. Insbesondere können sie auch untereinander
inkompatibel sein!
Jedem dieser reinen Zustände entspricht nach der Bornschen
Wahrscheinlichkeitsinterpretation ein Ensemble von voneinander
unabhängig immer gleichartig präparierten Teilchen, wobei der reine
Zustand durch den jeweiligen Zustandsvektor
(
) repräsentiert wird.
Wir können nun ein gemischtes Ensemble (kurz ein
Gemisch) erzeugen, indem wir einem Experimentator zufällig
(und unkorrelliert) immer jeweils Teilchen von irgendeinem dieser reinen
Zustände schicken, und zwar mit der Wahrscheinlichkeit
,
, ein im reinen Zustand
präpariertes Teilchen. Welche statistischen Eigenschaften dieses
Ensembles von Teilchen wird der Experimentator dann messen?
Diese Frage beantwortet die elementare
Wahrscheinlichkeitstheorie. Angenommen der Experimentator mißt
irgendeine Observable
. Vorausgesetzt das Teilchen stammt aus dem zum
reinen Zustand
gehörigen Ensemble. Dann wäre die
Wahrscheinlichkeit, einen möglichen Meßwert
zu erhalten, durch
(2.2.2) gegeben. Die Wahrscheinlichkeit, daß das Teilchen
tatsächlich aus diesem Ensemble stammt, ist nun voraussetzungsgemäß
. Da wir weiter voraussetzen, daß die Teilchen unkorreliert,
d.h. stochastisch unabhängig voneinander aus jeweils einem der
Ensembles stammen, ist für den Experimentator die
Wahrscheinlichkeit, bei einer Messung von
den Meßwert
zu
finden, durch
Dies führt uns dazu, dem Gemisch den Statistischen Operator
Setzen wir (2.17.2) in (2.17.1) ein, ergibt sich für die
Wahrscheinlichkeit, beim Messen der Observablen
den Wert
zu
erhalten,
Für den Erwartungswert einer beliebigen Funktion
ergibt
sich