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Die Pauli-Gleichung
In diesem Abschnitt behandeln wir als ein konkretes Beispiel für
Teilchen mit Spin ein Teilchen mit Spin 1/2. Dies ist nicht nur die
einfachste Realisierung eines Teilchens mit Spin, sondern es ist auch
praktisch äußerst wichtig, da alle (bislang bekannten)
Elementarteilchen, die die ,,Materie`` konstituieren, solche
Spin-1/2-Teilchen sind6.6. Freilich
beziehen sich alle Betrachtungen in diesem Abschnitt auf den Fall, daß
die nichtrelativistische Beschreibung der Teilchen gerechtfertigt
ist. Das ist allerdings für einen durchaus großen Anwendungsbereich
der Fall. So können die Atome mit nicht zu großen Ladungszahlen durch
die nichtrelativistische quantenmechanische Beschreibung der Bewegung
der Elektronen um den Atomkern sehr gut beschrieben werden. Entsprechend
wird auch die Molekül- und Festkörperphysik durch die
nichtrelativistische Vielteilchenphysik, auf die wir im nächsten
Kapitel ausführlich zu sprechen kommen, abgedeckt.
Wir wollen nun den Hamilton-Operator für ein Teilchen mit Spin 1/2, das
sich in einem äußeren elektromagnetischen Feld
,
bewegt, finden. Dazu bedienen wir uns des Hilfsmittels der
kanonischen Quantisierung, indem wir zunächst die Situation im Rahmen
der klassischen Mechanik betrachten. Um die Lagrangefunktion aufstellen
zu können, benötigen wir zunächst die Darstellung des
elektromagnetischen Feldes durch die elektromagnetischen Potentiale:
 |
(6.11.1) |
Dabei sind die Potentiale
und
nur bis auf eine
Eichtransformation bestimmt, denn für ein beliebiges skalares
Feld
ergeben
 |
(6.11.2) |
offensichtlich dieselben Felder
und
.
Die Lagrangefunktion für die (nichtrelativistische) Bewegung eines
geladenen Punktteilchens im elektromagnetischen Feld lautet dann
![$\displaystyle L=\frac{m}{2} \dot{\vec{x}}^2-q [\Phi(t,\vec{x})-\dot{\vec{x}} \cdot \vec{A}(t,\vec{x}) ].$](img2170.png) |
(6.11.3) |
Die Bewegungsgleichungen ergeben sich aus den Euler-Lagrange-Gleichungen
 |
(6.11.4) |
Bildet man die Ableitungen, erhält man unter Verwendung von
(6.11.1) in der Tat die richtige Bewegungsgleichung
![$\displaystyle m \ddot{\vec{x}}=q [\vec{E}(t,\vec{x}) + \dot{\vec{x}} \times \vec{B}(t,\vec{x})].$](img2172.png) |
(6.11.5) |
Wir gehen nun in der üblichen Weise zum Hamilton-Formalismus über,
indem wir zunächst die kanonischen Impulse berechnen:
 |
(6.11.6) |
Wir bemerken, daß dies nicht mit dem mechanischen Impuls
übereinstimmt. Die Hamilton-Funktion ergibt sich
nach kuzer Rechnung (Übung!) zu
![$\displaystyle H=\vec{p} \cdot \dot{\vec{x}}-L=\frac{m}{2} \dot{\vec{x}}^{ 2} +...
...t,\vec{x}) = \frac{1}{2m} [\vec{p}-q \vec{A}(t,\vec{x})]^2 + q \Phi(t,\vec{x}).$](img2175.png) |
(6.11.7) |
Wir erhalten also die Hamiltonfunktion aus dem Ausdruck für die Energie
eines freien Teilchens, indem wir
gemäß
(6.11.6) durch den kanonischen Impuls ausdrücken und die
potentielle Energie
addieren. Wir werden nun in ähnlicher
Weise in der Quantentheorie vorgehen. Es ist dabei klar, daß wir den
quantenmechanischen Hamilton-Operator nicht eindeutig aus der klassischen
Hamiltonfunktion herleiten können. Es handelt sich bei der kanonischen
Quantisierung lediglich um ein heuristisches Verfahren, welches
letztlich nur durch den Erfolg in der Beschreibung der in Experimenten
beobachteten Phänomene zu rechtfertigen ist. Später, bei der
Behandlung der relativistischen Quantenfeldtheorie, werden wir eine
überzeugendere Begründung für den nun herzuleitenden Hamilton-Operator
finden.
Wir betrachten Teilchen mit Spin 1/2 genauer. Es ist gemäß
Abschnitt 6.8 klar, daß die Eigenwerte des Operator
, die Werte
annehmen können. Als
Orthonormalbasis für die Spinzustände wählen wir entsprechend
und
(in dieser in der Literatur
üblichen Reihenfolge). Bzgl. dieser Basis ergeben sich die
Spin-Matrizen wie folgt. Zunächst gilt
 |
(6.11.8) |
Die übrigen Komponenten finden wir aus (6.8.20)
 |
(6.11.9) |
und damit
 |
(6.11.10) |
Aus (6.8.4) erhalten wir schließlich die übrigen Spinmatrizen
 |
(6.11.11) |
Die Matrizen
,
und
heißen Pauli-Matrizen, und wir werden nun einige
nützliche Rechenregeln herleiten. Wegen der Kommutatorrelationen
(6.8.1) für die Spinoperatoren, die natürlicherweise auch für die
Spinmatrizen gelten, folgt für die Pauli-Matrizen unmittelbar
 |
(6.11.12) |
Durch direktes Nachrechnen (Übung) findet man die nicht minder
wichtigen Antikommutatorregeln
 |
(6.11.13) |
Kommen wir nun zum Hamilton-Operator. Entsprechend unserem oben
besprochenen heuristischen Vorgehen schreiben wir zunächst den
Hamilton-Operator des freien Teilchens in der Form
 |
(6.11.14) |
Dabei haben wir benutzt, daß den Kommutatorrelationen (6.6.36)
gemäß die Operatoren für die Impulskomponenten vertauschen und
demnach der letzte Umformungsschritt sofort aus (6.11.13)
folgt.
Wir gehen nun entsprechend dem oben bei der analogen Situation der
klassischen Mechanik besprochenen Prinzip der minimalen Substitution im
Sinne der kanonischen Quantisierung vor, um den Hamilton-Operator für
die Bewegung des Teilchens im elektromagnetischen Feld zu erhalten. Wie
wir sogleich sehen werden, ist es dabei entscheidend, die etwas
umständlich erscheinende Formulierung mit den Pauli-Matrizen in
(6.11.14) zu verwenden und nicht direkt die übliche Form
(welche für freie Teilchen selbstverständlich identisch ist). Wir
erhalten dann den Hamilton-Operator
![$\displaystyle \op{H}=\frac{1}{2m} [\hat{\vec{\sigma}}\cdot (\vec{\op{p}}-q \vec{\op{A}})] [\hat{\vec{\sigma}}\cdot (\vec{\op{p}}-q \vec{\op{A}})] + q \op{\Phi}.$](img2190.png) |
(6.11.15) |
Um diesen Hamilton-Operator genauer zu analysieren, bietet es sich an, in
der Ortsdarstellung zu arbeiten. Dabei fassen wir die Wellenfunktionen
 |
(6.11.16) |
zu einem zweikomponenten Weyl-Spinor
 |
(6.11.17) |
zusammen. Auf diesen Wellenfunktionen operieren dann sowohl die aus QM I
bekannten Differentialoperatoren als auch
-Matrizen wie
die Pauli-Matrizen. Der Hamilton-Operator (6.11.15)
lautet in der Ortsdarstellung offenbar
![$\displaystyle \hat{H}=\frac{1}{2m} [\hat{\vec{\sigma}}\cdot (-\ii \vec{\nabla} ...
... [\hat{\vec{\sigma}}\cdot (-\ii \vec{\nabla} -q \hat{\vec{A}})] + q \hat{\Phi}.$](img2194.png) |
(6.11.18) |
Um den physikalischen Gehalt dieses Hamilton-Operators zu analysieren,
multiplizieren wir zunächst den ersten Term (6.11.15) aus:
![$\displaystyle [\hat{\vec{\sigma}}\cdot (\vec{\op{p}}-q \vec{\op{A}})][\hat{\vec...
...\hat{\vec{\sigma}} \cdot \vec{\op{A}}) (\hat{\vec{\sigma}} \cdot \vec{\op{A}}).$](img2195.png) |
(6.11.19) |
Dies läßt sich noch weiter vereinfachen. Da die Impulskomponenten
miteinander kommutieren, gilt
 |
(6.11.20) |
wobei wir (6.11.13) verwendet haben. Da das Vektorpotential
eine reine Funktion des Ortsoperators ist, vertauschen auch dessen
Komponenten, so daß dieselbe Rechnung
 |
(6.11.21) |
ergibt. Wenden wir uns nun dem mittleren Term in (6.11.19)
zu. Hier ist Vorsicht geboten, denn die Impulskomponenten vertauschen
nicht mit den Komponenten des ortsabhängigen Vektorpotentials. Hier ist
es am einfachsten, die Wirkung des entsprechenden Differentialoperators
auf die Wellenfunktion zu untersuchen:
![\begin{displaymath}\begin{split}[(\hat{\vec{\sigma}} \cdot \hat{\vec{p}}) (\hat{...
...\psi + A_k \partial_j \psi + A_j \partial_k \psi ]. \end{split}\end{displaymath}](img2198.png) |
(6.11.22) |
Jetzt schreiben wir das Produkt der Pauli-Matrizen mit Hilfe von
(6.11.12) und (6.11.13) wie folgt um:
![$\displaystyle \hat{\sigma}_j \hat{\sigma}_k = \frac{1}{2} \left [\acomm{\hat{\s...
...\sigma}_k} \right] = \delta_{jk} \einsop_2 + \ii \epsilon_{ljk} \hat{\sigma}_l.$](img2199.png) |
(6.11.23) |
Dies in (6.11.22) eingesetzt und ein wenig umgeformt, ergibt
 |
(6.11.24) |
Dabei haben wir
gemäß
(6.11.1) verwendet. Fassen wir nun
(6.11.20-6.11.24) zu dem Hamilton-Operator
(6.11.18) zusammen, finden wir schließlich
mit |
(6.11.25) |
wobei wir
geschrieben haben.
Daraus ergibt sich, daß ein elementares Teilchen (z.B. ein Elektron) bei minimaler
Substitution ein mit dem Spin des Teilchens verknüpftes magnetisches
Moment besitzt, das durch den Operator
mit (SI-Einheiten) |
(6.11.26) |
repräsentiert wird (Zahlenwert aus [Nak10]). Es ist dabei zu
beachten, daß für ein Elektron der negative Wert
mit der
Elementarladung
(SI-Einheiten) |
(6.11.27) |
zu verwenden ist. In unseren natürlichen Einheiten, wo das modifizierte
Wirkungsquantum
und die Lichtgeschwindigkeit
gesetzt
sind, und in den ebenfalls in diesem Skript verwendeten
Heaviside-Lorentz-Einheiten (HL-Einheiten) der
Elektrodynamik ist
eine dimensionslose Variable, die sich aus der
Sommerfeldschen Feinstrukturkonstante
(HL-Einheiten) |
(6.11.28) |
ergibt. In SI-Einheiten ist
(SI-Einheiten) |
(6.11.29) |
Man kann übrigens leicht zwischen natürlichen Einheiten und
SI-Einheiten hin- und herrechnen, indem man den Konversionsfaktor
 |
(6.11.30) |
verwendet. Außerdem ist in HL-Einheiten
zu setzen.
Der Parameter
in (6.11.25) heißt Gyrofaktor und
ist (ähnlich wie die elektrische Ladung) eine für das Teilchen
charakteristische Größe. Für Elementarteilchen ergibt sich aus dem
Prinzip der minimalen Kopplung an elektromagnetische Felder der
Gyrofaktor
, wobei dies allerdings in der hier gezeigten
nichtrelativistischen Behandlung nicht allzu zwingend erscheint, weil
wir ja die minimale Kopplung in der spezifischen Weise mit den in den
Hamiltonoperator freier Teilchen eingeschobenen Pauli-Matrizen
(6.11.14) vornehmen mußten. Würden wir die minimale Kopplung
einfach mit dem Hamiltonoperator
vornehmen,
erhielten wir ein verschwindendes magnetisches Moment, also
. In
der relativistischen Beschreibung von Spin-1/2-Teilchen vermöge der
Dirac-Gleichung führt das Prinzip der minimalen Kopplung
zwingend auf
für elementare Teilchen. Dies war (neben der
Vorhersage der Existenz von Antiteilchen) einer der größten Erfolge
der Dirac-Gleichung.
Man bezeichnet die in (6.11.26) definierte Größe
als
das Bohrsche Magneton. Es wurde von Bohr in seinem Atommodell,
basierend auf der von ihm entwickelten ,,alten
Quantentheorie``, bei dem Versuch, die Aufspaltung der
Spektrallinien bei Atomen in magnetischen Feldern zu erklären,
(Zeeman-Effekt) eingeführt. Während die klassische
Elektronentheorie von Lorentz eine kontinuierliche Aufspaltung der
Spektrallinien ergab, konnte Bohr den sog. anomalen
Zeemaneffekt erklären, der auf der Quantelung des Bahndrehimpulses
beruht. Dies werden wir gleich noch näher ausführen. Die allerdings
ebenfalls beobachtete Aufspaltung in nur
(statt mindestens
aufgrund der Quantelung des Bahndrehimpulses) konnte nur durch
Einführung des Elektronenspins erklärt werden, die schließlich durch
Goudsmith und Uhlenbeck erfolgte, nachdem Kramers von Pauli überzeugt
worden war, diese Idee besser nicht zu veröffentlichen. Der
Hamilton-Operator (6.11.25) wurde schließlich von Pauli
vorgeschlagen, nachdem er schließlich doch von der Korrektheit des
Spins zur Spinquantenzahl
überzeugt werden konnte. Die
Schrödinger-Gleichung mit dem Hamilton-Operator
(6.11.25) für die zweikomponentige
Weyl-Spinor-Wellenfunktion,
 |
(6.11.31) |
heißt daher Pauli-Gleichung.
Wir bemerken noch, daß sich bei der sehr genau möglichen Vermessung
des magnetischen Moments des Elektrons eine kleine Abweichung vom Wert
für ein elementares Teilchen ergibt. Der neueste Wert für
diese Abweichung beträgt gemäß [Nak10]
 |
(6.11.32) |
Theoretisch sind diese winzigen Abweichungen durch sich in der
Quantenelektrodynamik ergebende Korrekturen in höherer Ordnung
der Störungstheorie erklärbar.
Die Hadronen, allen voran die Kernbausteine Proton und Neutron, weisen
allerdings deutlich von
verschiedene Gyrofaktoren auf. Dies weist
darauf hin, daß sie keine elementaren Teilchen sind, sondern ein
komplizierter Bindungszustand aus drei Valenzquarks aufgrund der
starken Wechselwirkung. Die Werte für die Gyrofaktoren sind
(wieder cf. [Nak10])
 |
(6.11.33) |
Freilich beziehen sich diese Gyrofaktoren auf das Bohrsche
Kernmagneton
 |
(6.11.34) |
Der Gyrofaktor
, der sich hier aus der minimalen Kopplung
in der spezifischen Form des freien Hamilton-Operators mit
-Matrizen ergeben hat, folgt (allerdings eindeutig!) auch aus
der relativistischen Dirac-Gleichung, auf die wir in einem
späteren Kapitel genauer eingehen werden.
In der Atomphysik (insbesondere bei der Behandlung des Wasserstoffatoms
in der Näherung, wo das Proton als einfaches Coulomb-Feld behandelt
wird) ist es bei der Berechnung der Energieeigenzustände notwendig, den
Symmetrien des Problems entsprechend die Pauligleichung in räumliche
Kugelkoordinaten umzuschreiben, denn man wird simultane Eigenzustände
von
,
,
und
bzw.
,
,
und
und
verwenden (bei ausgeschaltetem äußeren Magnetfeld). Den
Zeeman-Effekt kann man dann für schwache Felder
störungstheoretisch behandeln. Wir gehen darauf in dieser Vorlesung
nicht näher ein. Diese Probleme werden ausführlich in vielen
Quantenmechanik-Lehrbüchern behandelt (z.B. [LL77]).
Der Vollständigkeit halber schreiben wir noch den Hamilton-Operator für
ein konstantes Magnetfeld etwas um. Offenbar ist das
Vektorpotential durch
für const |
(6.11.35) |
gegeben, denn es gilt in der Tat
 |
(6.11.36) |
Der erste Term in (6.11.25) lautet also
 |
(6.11.37) |
Dabei haben wir verwendet, daß
für
und daher
ist. Setzen wir dies in
(6.11.25) ein, finden wir
für |
(6.11.38) |
Man kann aufgrund des zweiten Terms
 |
(6.11.39) |
als Operator für das totale magnetische Moment des Teilchens
interpretieren. Dabei entspricht der Bahnanteil im Sinne des
Korrespondenzprinzips der entsprechenden klassischen Größe für ein
auf einer Kreisbahn laufendes geladenes Punktteilchen
(Übung). Der Spinanteil weist jedoch den zusätzlichen
Gyrofaktor
auf und besitzt kein Analogon in der klassischen Physik
eines geladenen Punktteilchens.
Wir betrachten schließlich noch die Eichinvarianz der
Pauligleichung, d.h. die Unabhängigkeit der physikalischen Bedeutung
der Zeitentwicklung der Wellenfunktion von der Wahl der Eichung der
elektromagnetischen Potentiale. Dazu machen wir den Ansatz
![$\displaystyle \psi'(t,\vec{x})=\exp[\ii \alpha(t,\vec{x})] \psi(t,\vec{x})$](img2239.png) |
(6.11.40) |
für die eichtransformierte Wellenfunktion, denn ein reiner Phasenfaktor
ändert nichts am physikalischen Gehalt der Wellenfunktion. In der Tat
gilt dann für die linke Seite der Pauli-Gleichung (6.11.31)
 |
(6.11.41) |
Zur Auswertung der rechten Seite betrachten wir zunächst
![$\displaystyle (\vec{\nabla}-\ii q \pvec{A}) \psi'=\exp(\ii \alpha) [\vec{\nabla} \psi +\ii (\vec{\nabla} \alpha) \psi -\ii q (\vec{A}+\vec{\nabla} \chi) \psi ].$](img2241.png) |
(6.11.42) |
Setzen wir nun
 |
(6.11.43) |
so folgt
 |
(6.11.44) |
Wendet man darauf nochmals diesen Operator an, folgt
 |
(6.11.45) |
Damit folgt zusammen mit (6.11.41) und (6.11.43)
![\begin{displaymath}\begin{split}\ii \frac{\partial \psi'}{\partial t} = &\exp(\i...
...\mu_B g_s \vec{B} \cdot \vec{\op{S}} \psi \right ]. \end{split}\end{displaymath}](img2245.png) |
(6.11.46) |
Kürzen des gemeinsamen Phasenfaktors ergibt also, daß aus der
Pauligleichung für
mit den elektromagnetischen Potentialen
und
die Pauligleichung für
mit den
ursprünglichen elektromagnetischen Potentialen
und
folgt. Die Pauli-Gleichung ist also invariant unter der
lokalen Eichtransformation
![\begin{displaymath}\begin{split}\psi'(t,\vec{x})&=\exp[\ii q \chi(t,\vec{x})] \p...
... \vec{A}(t,\vec{x}) + \vec{\nabla} \chi(t,\vec{x}). \end{split}\end{displaymath}](img2248.png) |
(6.11.47) |
Dabei ist
ein beliebiges skalares Feld. Wir werden in einem
späteren Kapitel noch genau auf die Eichinvarianz der Elektrodynamik
zurückkommen, die sich dort als notwendige Folgerung aus der Symmetrie
der speziell relativistischen Raumzeit (Minkowski-Raum) unter
Poincaré-Transformationen ergeben wird.
Eine interessante Folgerung aus dem Transformationsverhalten
(6.11.47) ist, daß es in Theorien mit mehreren Teilchensorten
keine Überlagerungen von Zustandsvektoren (bzw. Wellenfunktionen in der
Ortsdarstellung) zu Teilchen mit verschiedener Ladung geben darf, weil
für solche Überlagerungen die Theorie nicht mehr eichinvariant wäre,
weil dann die Phasenfaktoren für die verschiedenen Wellenfunktionen
verschieden wären, denn diese enthält explizit die jeweilige Ladung
der Teilchen. Dieses Verbot von Superpositionen heißt
Ladungs-Superauswahlregel.
Wir leiten schließlich noch die Erhaltung der Norm der Wellenfunktion
unter Zeitentwicklungen aus der Pauli-Gleichung her, die im
abstrakten Bra-Ket-Formalismus (z.B. im Schrödingerbild) schon aus
der Selbstadjungiertheit von
folgt. Allerdings ergibt sich bei
der Herleitung für die Wellenfunktion der
Wahrscheinlichkeitsstrom für Spin-1/2-Teilchen im
elektromagnetischen Feld, der uns im nächsten Kapitel noch nützlich
sein wird. Die Wahrscheinlichkeitsdichte für die Messung eines
Teilchens am Ort
mit Spin-
-Komponente
ist
nach dem Bornschen Postulat durch
 |
(6.11.48) |
gegeben6.7. Interessiert man sich für die reine Teilchendichte,
unabhängig davon, welche Spineinstellung man vorfindet, folgt
 |
(6.11.49) |
Wir wollen nun zeigen, daß es eine
Wahrscheinlichkeitsstromdichte
gibt, so
daß die Kontinuitätsgleichung
 |
(6.11.50) |
gilt. Dazu leiten wir (6.11.49) nach der Zeit ab und verwenden
die Pauli-Gleichung für die Zeitableitungen. Wir benötigen dazu
zunächst die Pauligleichung für den adjungierten Weyl-Spinor
. Bilden wir also die hermitesch Adjungierte der
Gleichung (6.11.31):
 |
(6.11.51) |
dabei haben wir die Selbstadjungiertheit der Spinmatrizen
verwendet. Nach einigen Umformungen (Übung) gelangt man schließlich zu der
folgenden Form des Wahrscheinlichkeitsstromes
![$\displaystyle \vec{j}=\frac{1}{2m \ii} [\psi^{\dagger} \vec{\nabla} \psi - (\vec{\nabla} \psi^{\dagger}) \psi -2 \ii q \vec{A} \psi^{\dagger} \psi].$](img2256.png) |
(6.11.52) |
Es läßt sich auch leicht zeigen (Übung), daß dieser Ausdruck
unter der Eichtransformation (6.11.47) invariant ist, wie es
für physikalisch beobachtbare Größen wie den Wahrscheinlichkeitsstrom
sein muß6.8.
Wir bestimmen noch den Operator der elektrischen
Stromdichte. Dazu müssen wir den Erwartungswert der Teilchenenergie
 |
(6.11.53) |
mit dem Hamilton-Operator (6.11.25) betrachten. Den Zusammenhang
zur elektrischen Stromdichte ergibt sich aus dem
Korrespondenzprinzip. In der Lagrangefunktion (6.11.3) hat man
den Anteil
 |
(6.11.54) |
bzw. für eine kontinuierliche Ladungsverteilung
 |
(6.11.55) |
wo
die Ladungsdichte der Ladungsverteilung bezeichnet. Variiert
man also in der Lagrangefunktion
, erhält man
 |
(6.11.56) |
Die entsprechende Variation im Hamilton-Operator ist
 |
(6.11.57) |
Genauso zeigt man (Übung), daß eine Variation nach dem skalaren
Potential
 |
(6.11.58) |
zur elektrischen Ladungsdichte führt.
Wenden wir diese Gleichungen auf (6.11.53) mit dem
Hamilton-Operator (6.11.25) an, erhalten wir für die
elektrische Ladungs- und Stromdichte
 |
(6.11.59) |
Neben der konvektiven Stromdichte
erhalten wir
also noch einen Beitrag vom intrinsischen magnetischen Moment der
Teilchen, den sie aufgrund ihres Spins besitzen. Es ist klar, daß wegen
(6.11.50) und der Relation
für ein beliebiges Vektorfeld
die
Kontinuitätsgleichung auch für die elektrische Ladung gilt,
 |
(6.11.60) |
d.h. die elektrische Ladung ist eine Erhaltungsgröße. Wir weisen noch
darauf hin, daß bei einer Normierung von
auf
die hier
betrachteten Ladungen und Ströme sich auf ein Teilchen im Sinne der
Wahrscheinlichkeitsinterpretation der Quantentheorie beziehen. Will man
reale Ensembles aus
Teilchen beschreiben, wobei man die
Korrelationen zwischen den Teilchen vernachlässigen kann, kann man die
entsprechenden Größen mit
multiplizieren, um die im realen
Experiment auftretenden Ladungs- und Stromverteilungen zu berechnen.
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