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Eine Gravitationswelle verändert richtungsabhängig die Laufzeit von Licht zwischen
ruhenden, unbeschleunigten Teilchen. Um dies zu messen, hängt
man in Detektoren wie GEO600 [58] oder LIGO [59]
Strahlteiler und Spiegel eines Interferometers im Schwerefeld der Erde so auf,
daß sie von störenden Erschütterungen genügend entkoppelt sind
und in Richtung des Lichtstrahls frei beweglich sind, oder man läßt sie bei
LISA [60] auf Satelliten, abgeschirmt vom Sonnenwind, hinter der
Erde die Sonne im freien Fall umkreisen, wobei ihr gegenseitiger Abstand nahezu
unverändert bleibt.
Den darüber hinausgehenden gravitativen Einfluß von Erde und Sonne auf den Detektor
kann man vernachlässigen:
sie bewirken analog zur Lichtablenkung eine vernachlässigbar geringe Ablenkung der
Gravitationswelle.
In der folgenden Berechnung vereinfachen wir daher die Weltlinien von Strahlteiler,
Spiegel und Licht zu geodätischen Weltlinien der Metrik (8.122) und bestimmen die Auswirkung der
Gravitationswelle in erster Ordnung in
und
. Die Laufzeitänderung
Abbildung 8.3:
Auswirkung einer Gravitationswelle
![\begin{wrapfigure}{l}{51mm}
\special{em:linewidth 0.4pt}\setlength{\unitlength...
...t(46.00,132.00){\makebox(0,0)[rc]{$\Delta \tau $}}
\end{picture}\end{wrapfigure}](img2619.png) |
des Lichts,
,
weist man durch Interferenz mit einem zweiten Lichtstrahl nach, der im zweiten Arm
des Interferometers die Gravitationswelle in einer anderen Richtung durchläuft.
So wie ein Magnetfeld nicht auf ruhende Ladungen wirkt, so
beeinflußt die Gravitationswelle nicht die Weltlinien
des ruhenden Spiegels
und des ruhenden Strahlteilers
des Interferometers
 |
(8.123) |
Hierbei sind
und
Lichtkegelkoordinaten und
sind die jeweiligen konstanten Ortskoordinaten.
Unabhängig von den Amplituden
und
der Gravitationswelle
sind (8.127) geodätisch, denn die Gravitationswelle ist in mitfallenden
Koordinaten (F.11) gegeben.
Explizit überprüft man die Geodätengleichung im Koordinatensystem
mit
der Metrik
 |
(8.124) |
wobei wir nur in erster Ordnung in
und
rechnen,
und mit den Christoffelsymbolen
 |
(8.125) |
Ebenso bestätigt man in erster Ordnung in
und
, daß die Vektoren
,
,
und
mit Komponenten
 |
(8.126) |
längs der ruhenden Weltlinien
parallel und drehungsfrei (C.140) verschoben werden
 |
(8.127) |
Den Lichtstrahl
vom Strahlteiler zu Spiegel zerlegen wir in die Weltlinie
,
die er ohne Gravitationswelle durchlaufen würde
 |
(8.128) |
und die von der Welle hervorgerufene Abweichung
, die wir in erster Ordnung berechnen.
Hierbei ist
der Winkel zwischen der Richtung
des Lichtstrahls und der Ausbreitungsrichtung
der Gravitationswelle.
Die Geodätengleichung besagt für die Abweichung
 |
(8.129) |
und
kann durch zweifache Integration über
berechnet werden.
Wir setzen (8.129) und
ein und verwenden
 |
(8.130) |
Berücksichtigt man
und die Winkeladditionstheoreme der trigonometrischen Funktionen, so erhält man nach Integration
 |
(8.131) |
Die Integrationskonstanten sind dadurch festgelegt, daß der Lichtstrahl unabhängig
von der Gravitationswelle im selben Ereignis startet,
, und daß die
Gravitationswelle auch nicht die anfängliche Richtung des Lichtstrahls, bezogen auf die
drehungsfrei transportierten Vektoren
(8.130), ändert
Dies ergibt die Integrationskonstanten
wobei
und
die Werte von
und
beim
Start des Lichtstrahls bezeichnen. Wir setzen in (8.135) ein und integrieren ein zweites
Mal über
. Auf der rechten Seite ersetzen wir mit
die Integrationsvariable
Die Änderung des Lichtstrahls hat zur Folge, daß er erst beim Parameterwert
die Spiegelebene
erreicht. Wir setzen
ein und lösen nach
auf
 |
(8.135) |
Damit erhalten wir schließlich die Laufzeitveränderung
während des Hinweges,
wobei
und
ist,
 |
(8.136) |
Der Rückweg verläuft in umgekehrter Richtung
,
.
Auf ihm ändert sich die Laufzeit folglich um
 |
(8.137) |
Ist das Interferometer kurz im Vergleich zur Wellenlänge der Gravitationswelle,
dann kann man die beiden Integrale mit dem Zwischenwertsatz nähern: das Integral für
ist Intervallänge
mal einem Zwischenwert des Integranden
und es gilt etwa
 |
(8.138) |
Entsprechendes gilt für
. Zusammengenommen ist
etwa
 |
(8.139) |
wobei die Funktionen
 |
(8.140) |
die Amplituden der Gravitationswelle über die Laufzeit im Interferometer integrieren
und die Winkelabhängigkeit durch Produkte der Komponenten des Richtungsvektors
gegeben ist
 |
(8.141) |
Dies Ergebnis für
behält seine Form, wenn der Lichtstrahl mehrfach im Interferometer
gespiegelt wird, bevor man das Interferenzbild ausliest.
Gegenüber Licht in einem gleichlangen, zweiten Interferometerarm
in Richtung
ist die Laufzeit um
verschoben,
 |
(8.142) |
Das Detektorsignal ist proportional
zur Amplitude der Gravitationswelle. Es wird nicht ein Energieübertrag von der
Gravitationswelle auf den Detektor gemessen, er wäre quadratisch in
und
, sondern
eine Phasenverschiebung des Lichts. Daher nimmt die Empfindlichkeit des Detektors als Funktion
des Abstands
zur Quelle der Gravitationswelle wie
und nicht wie
ab.
Es gibt eine für den Gravitationswellennachweis optimale Verweildauer des Lichts im
Detektor, nämlich die halbe Schwingungsdauer der Gravitationswelle. Danach vermindert
sich das Signal.
Das gleiche Verschwinden des Signals bei langer Wechselwirkungsdauer
ergibt eine feldtheoretische Rechnung. Die Wechselwirkung
von Licht und Gravitationswelle ist in niedrigster Ordnung durch die Entwicklung von
(7.37) gegeben
 |
(8.143) |
Sie erlaubt die Absorption eines Gravitons durch ein Photon, das dadurch in ein Photon mit
geändertem Impuls und Energie übergeht. Wäre die Wechselwirkungszone von Licht und
Gravitationswelle groß und die Wechselwirkungsdauer lang, so gäbe es Impulserhaltung und
Energieerhaltung. Aber dann wäre solch eine Absorption unmöglich, denn Photonen und
Gravitonen sind masselos und die Summe der Viererimpulse masseloser Teilchen hat eine positive
Masse (3.57), gehört also nicht wieder zu einem Photon. Dauert die Wechselwirkung
nur eine halbe Schwingungsdauer der Gravitationswelle, so ist die
Energieunschärfe von der Größenordnung der Energie
des Gravitons und
die Absorption eines Gravitons ist möglich.
Auch wenn diese Begriffe zur Quantenmechanik gehören und auch wenn wir heutzutage
Quantenphysik und Allgemeine Relativitätstheorie nicht gemeinsam verstehen, so ist die
Betrachtung dennoch gerechtfertigt: sie macht nur davon Gebrauch, daß Elektrodynamik
und Allgemeine Relativitätstheorie Feldtheorien sind und hängt nicht daran, ob das
Feld Quanten erzeugt und vernichtet.
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