Eine Liegruppe
ist eine Mannigfaltigkeit, deren Punkte Gruppenelemente sind.
Jedes Gruppenelement
bewirkt durch Multiplikation von links oder rechts eine
invertierbare Selbstabbildung der Gruppe
| (10.1) |
| (10.2) |
| (10.3) |
| Ad |
(10.4) |
Betrachten wir eine Kurve
in der Gruppe
, die für
das
Einselement
durchläuft. Ihr Tangentialvektor am Einselement
heißt infinitesimale
Transformation.
Die Kurve wird durch Linksmultiplikation auf Kurven
abgebildet, die mit ihrer Ableitung nach
bei
an jedem Punkt
einen Tangentialvektor
definieren. Dieses Vektorfeld
, das durch Linksmultiplikation aus einem Vektor am Einselement entsteht, ist
invariant unter Linksmultiplikation oder, kürzer, linksinvariant. Denn die durch Linksmultiplikation verschleppte Kurve
stimmt mit
überein.
Die linksinvarianten Vektorfelder bilden einen Vektorraum mit derselben Dimension dim
wie die Gruppe
,
denn durch das Einselement gibt es dim
Kurven
mit linear unabhängigen Tangentialvektoren und
zugehörigen linksinvarianten Vektorfeldern und umgekehrt ist ein Vektorfeld auf der ganzen Gruppe durch die
geforderte Linksinvarianz festgelegt, wenn es an einem Punkt gewählt ist.
Sind zwei Vektorfelder
und
linksinvariant, so ist auch ihr Kommutator linksinvariant, denn für jede
Transformation
von Punkten der Mannigfaltigkeit ist der Kommutator der
transformierten Vektorfelder
und
das Transformierte des
Kommutators der ursprünglichen Vektorfelder
(A.105).
Also bilden die linksinvarianten Vektorfelder eine Liealgebra.
Das heißt, sie bilden einen Vektorraum, in dem ein bilineares, antisymmetrisches Produkt, die
Lie-Klammer
, existiert, das die Jacobi-Identität erfüllt
Betrachten wir eine Basis
,
dim
, linksinvarianter Vektorfelder.
Sie bilden an jedem Punkt der Gruppe eine Basis des Tangentialraumes, insbesondere
für infinitesimale Transformationen, die den Tangentialraum am Einselement bilden.
Der Kommutator solcher Basiselemente ist wieder ein linksinvariantes Vektorfeld
und läßt sich als Linearkombination der Basis schreiben
| (10.7) |
Da zu jeder Lösung der Jacobi-Identität (B.8) eine Liealgebra gehört und umgekehrt,
kann man die Algebren durch die Lösungen der Jacobi-Identität klassifizieren [66].
Für die sogenannten einfachen Liealgebren sind die Lösungen vollständig bekannt.
Außer den Liealgebren, die zu den Gruppen der unitären oder
symplektischen oder orthogonalen Transformationen
gehören, gibt es eine Handvoll weiterer Liealgebren, die zu den
exzeptionellen Gruppen G
, F
, E
, E
und E
gehören.
Durch
| (10.9) |
Wirken die infinitesimalen Transformationen
linear auf einem Vektorraum
, so sind sie durch ihre Wirkung auf eine Basis
festgelegt.
Denn jeder Vektor
ist eine Linearkombination
mit Komponenten
, die wir
einfachheitshalber nach rechts schreiben, und es gilt
.
Entwickeln wir die transformierten Basisvektoren
Ein Beispiel einer nichtabelschen Liealgebra sind infinitesimale Lorentztransformationen
in
Dimensionen. Sie bilden Vektoren
, die orthonormal sind
, auf
ab und lassen die Skalarprodukte
unverändert
| (10.12) |
Die infinitesimalen Lorentztransformationen lassen sich
mit Koeffizienten
als Linearkombination
von Transformationen
schreiben
Der Kommutator zweier infinitesimaler Lorentztransformationen ist
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