Eine Kurve
ist definitionsgemäß gerade oder geodätisch, wenn der Tangentialvektor
bei Parallelverschiebung längs der Kurve zum Punkt
mit dem dortigen Tangentialvektor bis auf Terme der Ordnung
übereinstimmt. Dann verschwindet auf der Kurve die kovariante Ableitung
des Tangentialvektors in Richtung des Tangentialvektors.
Auf einer Kurve
erfordert der Begriff der kovarianten Ableitung
eines Vektors
längs des Tangentialvektors
nicht, daß
ein in der Umgebung der Kurve
definiertes Vektorfeld
ist, denn die Ableitung
wirkt als
Ableitung
nach dem Kurvenparameter
![]() |
(11.112) |
Da Geraden definitionsgemäß
mit
erfüllen,
lösen ihre Koordinatenfunktionen die Geodätengleichung
Es ist
symmetrisch unter Vertauschung der Indizes. Daher trägt zur Geradengleichung nur
der symmetrische Teil
der Konnektion bei.
Ungleichmäßige Gravitation verändert durch Gezeiteneffekte den Abstand zwischen
frei fallenden Teilchen, die gerade Weltlinien durchlaufen und die
Geodätengleichung erfüllen.
Parametrisieren wir die Teilchen durch Parameter
und parametrisieren wir für festes
jede Weltlinie durch
einen Bahnparameter
, so ist diese Schar von Weltlinien durch
gegeben.
Dabei ist
der Tangentialvektor an die jeweilige geodätische Linie und erfüllt die Geodätengleichung
,
der Vektor
zeigt zur benachbarten
geodätischen Linie.
Wenn die Vektoren
und
, längs derer differenziert wird, nur auf Kurven oder Flächen oder allgemeiner
Untermannigfaltigkeiten definiert sind, wobei die
-dimensionale Untermannigfaltigkeiten in einem
Koordinatensystem durch Funktionen
gegeben sei, so behalten die Gleichungen
(C.45) und (C.44) ihre Gültigkeit, falls
und
tangential, das heißt von der Form
![]() |
(11.114) |
![]() |
(11.115) |
Auf der zweidimensionalen Fläche
sind
und
tangentiale Vektorfelder,
deren Kommutator verschwindet
![]() |
| (11.116) |
Längs jeder geodätischen Linie ist wegen (C.100) und
die Länge des Tangentialvektors konstant. Sind die geodätischen Linien zudem so parametrisiert, daß
diese Länge für jede geodätische Linie gleich ist, und verschwindet die Torsion,
so ist das Skalarprodukt von
mit
konstant
![]() |
(11.117) |
Längs jeder geodätischen Linie gilt für die Änderung von
wegen (C.44, C.45) und, weil
und
verschwinden, die Gleichung
| (11.118) |
Wegen (C.111) ist die Matrix
| (11.120) |
An jedem vorgegebenen Punkt
der geodätischen Linie kann ein Koordinatensystem eingeführt werden,
so daß an diesem Punkt die Konnektion
verschwindet, die Metrik gleich der flachen Metrik
ist, der
Tangentialvektor
nur eine Zeitkomponente hat und die Matrix
diagonal mit Diagonalelementen
ist. In einer kleinen Umgebung dieses Punktes
lautet dann die Gleichung für geodätische Abweichung ungefähr
keine Summe über |
(11.122) |
Gleiches gilt übrigens auch in Newtonscher Gravitation. Denn das Newtonsche Gravitationspotential im Vakuum erfüllt die Laplace-Gleichung (5.44)
| (11.123) |
![]() |
(11.124) |
Wenn in Newtonscher Gravitation im Vakuum Teilchen im freien Fall die Erde umkreisen, so pendeln die Weltlinien von nebeneinander laufenden Teilchen umeinander, die Gezeitenkräfte wirken also in dieser Richtung anziehend. Ist der Abstandsvektor zweier Teilchen dazu senkrecht und laufen sie mit unterschiedlichem Abstand um die Erde, so bewirken die Gezeitenkräfte Abstoßung und die Teilchen entfernen sich voneinander.
Ein senkrecht auf eine Zentralmasse fallender Körper wird durch Gezeitenkräfte in Fallrichtung gestreckt und quer dazu gestaucht. Ein so durch Gezeitenkräfte zerrissener Komet, der Komet Shoemaker-Levy, schlug 1994 als Kette von hintereinander fallenden Bruchstücken auf dem Jupiter ein.
In einem fiktiven Tunnel, der durch eine Zentralmasse gebohrt ist, die sich einfachheitshalber nicht dreht, wirken Gezeitenkräfte für hintereinander fallende Teilchen anziehend, auf nebeneinander fallende Teilchen wirken sie abstoßend.
Gravitation bewirkt, daß sich der Abstand frei fallender Teilchen ändert, ohne daß die Teilchen einer spürbaren Kraft ausgesetzt sind. Diese Änderung der beiderseitigen Abstände durch geodätische Abweichung beruht auf Gezeitenkräften der Gravitation, die von anderen Massen verursacht wird, nicht auf gegenseitiger Gravitation der Testteilchen. Die geodätische Abweichung ist unabhängig von den Massen der beteiligten Testteilchen, wächst mit ihrem Abstand, sofern er klein ist, und ist normalerweise richtungsabhängig.