Ein Beobachter durchlaufe eine Weltlinie
, die mit der Zeit parametrisiert sei, die
seine Uhr anzeigt. Dann hat der Tangentialvektor
Einheitslänge. Senkrecht im Sinne des Skalarproduktes
stehen an jedem Punkt der Weltlinie drei Basisvektoren
,
, die räumlichen
Maßstäbe des Beobachters, die von der Weltlinie zu gleichzeitigen, benachbarten
Ereignissen zeigen, und die paarweise orthogonal und normiert sein mögen.
Die vier orthonormalen Basisvektoren definieren längs der Weltlinie ein Vierbein (A.71)
| (11.125) |
Auf der Weltlinie des Beobachters ist bei metrikverträglichem Paralleltransport
die Ableitung eines Skalarprodukts
nach dem Kurvenparameter
gleich dem Skalarprodukt der gemäß Produktregel kovariant längs der Kurve differenzierten Vektoren (C.100).
Da die Skalarprodukte
längs der Weltlinie konstant sind, gilt
| (11.128) |
Die kovariante Ableitung des normierten Tangentialvektors
einer zeitartigen Weltlinie
definiert einen Vektor
, die Beschleunigung, die wir als Betrag
und einen
zu
senkrechten, normierten Vektor
schreiben. Die kovariante Ableitung des Vektors
kann als Linearkombination von
,
und einem weiteren, normierten Vektor
geschrieben werden, der senkrecht auf
und
steht. Durch fortlaufendes Differenzieren erhält man so die Gleichungen
(C.128); allerdings verschwinden die Koeffizienten
für
. Daher vereinfacht sich (C.128) zu den Frenet-Serretschen Formeln
Die Koeffizientenfunktion
ist der Betrag der
Beschleunigung,
ist der Betrag der Änderung der Richtung der Beschleunigung und wirkt sich
durch Coriolis-Kräfte und zusammen mit
durch Präzession aus.
Verschwindet
, so ist im flachen Raum die Bahnkurve eben. Verschwindet
, so ist im flachen Raum die Bahn räumlich gerade,
verschwindet
, so ist die Bahnkurve
eine Gerade in der Raumzeit, also geodätisch.
Aus vorgegebenen Koeffizientenfunktionen
,
und
und den Anfangsbedingungen
kann die Bahnkurve
eindeutig bestimmt werden. Es ist ohne weiteres möglich, daß die Weltlinien zweier
Zwillinge, die vom gleichen Ereignis
mit unterschiedlicher Geschwindigkeit
starten, sich später schneiden. Auch wenn alle Koeffizientenfunktionen
,
und
des ersten Zwillings zwischen Start bei
und Treffen bei
mit denjenigen des anderen Zwillings
zwischen
und
übereinstimmen,
kann der zweite Zwilling eine andere Weltlinie durchlaufen haben, auf der das Treffen zu einer anderen Zeit
bei
stattfindet.
Das Vierbein, das durch die Frenet-Serretschen Formeln definiert ist, ist normalerweise nicht
drehungsfrei. Drehungsfrei ist die Bewegung der Basisrichtungen
,
und
eines Beobachters, wenn genügend kurze Lichtwege umkehrbar sind
und reflektierte Lichtstrahlen wieder aus der Richtung einfallen, in die sie ausgesendet worden waren.
Was Drehungsfreiheit besagt, klärt die folgende Rechnung. Wir entwickeln bis zur zweiten Ordnung
die nicht notwendig gerade Weltlinie
mit Tangentialvektor
und das gemäß (C.128) mitgeführte Vierbein
um einen Punkt
und betrachten einen Lichtstrahl, der zur Zeit
in Richtung
ausgesendet wird,
dann zurück gestreut und zur Zeit
wieder aus Richtung
empfangen wird.
Die ausgesendeten und empfangenen Lichtstrahlen
und
lösen die Geodätengleichung. Die Weltlinie des Beobachters ist eventuell beschleunigt
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(11.130) |
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(11.131) | |
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(11.132) | |
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(11.133) |
Dabei haben die Tangentialvektoren
und
an die Weltlinie der ein- und auslaufenden
Lichtstrahlen räumliche Komponenten
und
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(11.134) |
| (11.135) |
Wertet man diese Gleichungen zunächst in linearer Ordnung in
aus,
indem man Skalarprodukte mit
und
,
betrachtet, so ergibt sich
und
. Bis zur nächsten Ordnung gilt also
| (11.137) |
In Ordnung
heben sich in den Gleichungen (C.137) die symmetrischen Anteile
der Konnektion weg. Für die Torsion
verwenden wir
die Kurzschrift
. Dann besagt
(C.137) in quadratischer Ordnung
Der reflektierte Lichtstrahl kommt jeweils aus derselben Richtung zurück, und das Bezugssystem
ist drehungsfrei, wenn die Gleichung
für alle Richtungen
gilt.
Wir zerlegen
in den
symmetrischen und antisymmetrischen Teil
,
.
Die Gleichung
für alle Richtungen
besagt, daß
für alle
verschwindet, daß also die Matrixgleichung
gilt.
Es muß also beim drehungsfreien Transport des Vierbeins
so gewählt werden, daß
gilt.
Zudem muß
ein Vielfaches von
sein,
.
Verschwindet der symmetrische, spurfreie Teil von
nicht, so kann man
nicht durch Wahl des Bezugssystems Drehungsfreiheit bezüglich aller Achsen sicherstellen.
Der symmetrische, spurfreie Teil von
verschwindet für alle Beobachter, das heißt für
alle Tangentialvektoren
und darauf senkrechten Vektoren
, genau dann, wenn,
wie wir ohne Beweis angeben, die Torsion
die Form
hat.
Falls die Torsion verschwindet, so ist das Bezugssystem drehungsfrei,
wenn
für
gilt und das Vierbein die Gleichungen des
Fermi-Walker-Transports erfüllt,
Demgegenüber verdrehte räumliche Richtungen
,
,
genügen dem Differentialgleichungssystem
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(11.141) |