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Eichsymmetrien und Noetheridentitäten
Wir haben bisher infinitesimale Transformationen der Felder
betrachtet, die sich als
Linearkombination
einer Basis
schreiben
lassen. Dabei sind die Transformationsparameter
, die zum Beispiel Richtung und Größe einer
Drehung oder einer Verschiebung angeben können, Komponenten eines Vektors in einem Raum mit der
Dimension der Transformationsgruppe, zu jedem solchen Vektor gehört eine infinitesimale Transformation
und umgekehrt.
Wir sprechen von einer infinitesimalen, lokalen Eichtransformation,
wenn
linear ist in einer frei wählbaren Funktion
und endlich vielen
ihrer partiellen Ableitungen
.
Wenn beispielsweise
nur von höchstens den ersten Ableitungen von
abhängt, ist die
infinitesimale Eichtransformation von der Form
 |
(15.26) |
Dabei zählt
die Komponenten der Felder
ab und
und
sind Funktionen
der Koordinaten
und der Jet-Variablen,
also der Felder
und endlich vieler partieller Ableitungen von
.
So gehört die Eichtransformation des Viererpotentials
(5.61)
zu
und
.
Ist eine Wirkung
von Feldern
unter einer infinitesimalen, lokalen Eichtransformation
invariant, so sind die Bewegungsgleichungen nicht unabhängig
voneinander und der zugehörige erhaltene Strom
ist trivial bis auf Beiträge, die aufgrund der
Bewegungsgleichungen verschwinden; zu Eichsymmetrien gehören also Identitäten der Bewegungsgleichungen und
verschwindende Erhaltungsgrößen. Gelten umgekehrt zwischen den Bewegungsgleichungen Identitäten, dann
ist die Wirkung eichinvariant.
Dies folgt aus der Definition (G.16) einer infinitesimalen Symmetrie [31]
 |
(15.27) |
Bilden wir hiervon die Eulerableitung nach
, so verschwindet sie. Zudem
verschwindet die Eulerableitung von
, denn dies ist eine
vollständige Ableitung. Folglich verschwindet die Eulerableitung des ersten Terms,
 |
(15.28) |
Zu jeder Eichinvarianz der Wirkung gehört eine Identität der Bewegungsgleichungen!
Wem diese Herleitung der Noetheridentität zu schnell geht, kann das Ergebnis folgendermaßen
erschließen.
Die Transformation
enthält die beliebige Funktion
linear, da es sich
um den Parameter einer infinitesimalen Transformation handelt, und ist daher von der
Form (G.26). Wälzen wir in (G.27) die Ableitungen von
ab15.2
 |
(15.29) |
so erhalten wir für beliebige Funktionen
 |
(15.30) |
Dies ist nur möglich, wenn der Faktor bei
verschwindet,
denn ist er in einer Umgebung eines Punktes positiv,
so wählen wir
außerhalb dieser Umgebung Null und innerhalb dieser
Umgebung positiv und integrieren die Gleichung über die Raumzeit. Auf der linken Seite verschwindet
das Integral über die Ableitungen, da die Randterme verschwinden, und das
verbleibende Integral über den nichtnegativen Integranden kann nicht Null sein.
Zudem ist
ein trivialer Strom (G.18), denn er erfüllt wegen (G.30)
die Kontinuitätsgleichung identisch in den Jet-Variablen.
Also hat der Strom
die Form
 |
(15.31) |
wobei
beliebige, unter Vertauschung der Indizes antisymmetrische
Funktionen der Jet-Variablen sind. Bis auf einen trivialen Anteil,
der aus Ableitungen einer antisymmetrischen Größe besteht,
verschwindet der zu einer Eichsymmetrie gehörige Strom
aufgrund
der Bewegungsgleichungen.
Umgekehrt gehört zu jeder Identität der Bewegungsgleichungen
 |
(15.32) |
die identisch in den Jet-Variablen gilt, eine Eichsymmetrie der Wirkung und
ein erhaltener Strom, der aufgrund der Bewegungsgleichungen verschwindet!
Um dies zu zeigen, multiplizieren wir die Identität mit einer beliebigen
Funktion
und schreiben sie als Definition (G.27) einer Eichinvarianz
 |
(15.33) |
Damit ist das zweite Noethertheorem bewiesen.
Zweites Noethertheorem 2
Zu jeder Eichsymmetrie der Wirkung gehört
eine Identität zwischen den Bewegungsgleichungen und umgekehrt.
Die zur Eichsymmetrie gehörende Ladung
verschwindet aufgrund der
Bewegungsgleichungen bis auf topologische Beiträge, die unabhängig von
Änderungen der Felder in beschränkten Gebieten sind.
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