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Algebraisches Poincaré-Lemma
Nach dem Lemma von Poincaré (A.61) verschwindet in sternförmigen Gebieten die äußere
Ableitung einer Differentialform
genau dann,
wenn sie ihrerseits bis auf einen von
und
unabhängigen Teil
die äußere Ableitung einer Form
ist
 |
(15.59) |
Für Differentialformen vom Typ
 |
(15.60) |
wie sie als Integrand einer lokalen Wirkung
einer
-dimensionalen Feldtheorie auftreten und die nicht nur von den Koordinaten,
sondern von den Jet-Variablen
 |
(15.61) |
also von Feldern
und ihren Ableitungen abhängen, gilt in sternförmigen
Gebieten das algebraische Poincaré-Lemma
 |
(15.62) |
Dabei wirkt die äußere Ableitung
auf Jet-Differentialformen
durch Differentation der Koordinaten
, die Ableitung
der Jet-Variablen ist algebraisch und fügt einen Index hinzu
 |
(15.63) |
Die Felder genügen keinen Bewegungsgleichungen, das heißt die Variablen
sind unabhängig bis auf die
Tatsache, daß partielle Ableitungen in der Reihenfolge vertauscht
werden können
=
Die Lagrangeform
in (G.62) ist nicht die Ableitung
einer
-Form
, wenn nicht alle Eulerableitungen
 |
(15.64) |
identisch in den Jet-Variablen verschwinden
 |
(15.65) |
Eine wichtige Folgerung des algebraischen Poincaré-Lemmas ist, daß die
Divergenz eines Vektorfeldes
genau dann identisch in den Jet-Variablen,
also ohne Benutzung von Bewegungsgleichungen, verschwindet, wenn es seinerseits
die Divergenz eines Feldes
ist
 |
(15.66) |
Wir führen den Beweis [37] von (G.62) getrennt für
-Formen mit
und mit
.
Dabei beschränken wir uns auf den feldabhängigen Teil der Differentialformen,
für den feldunabhängigen Anteil
gilt (G.59).
Wir unterstellen, daß
analytisch in
und polynomial
in den Ableitungen
,
,
ist.
Für
,
, schreiben wir die Lagrangefunktion als Integral
über ihre Ableitung
 |
(15.67) |
Der Beitrag von der unteren Integrationsgrenze
verschwindet,
da wir nur feldabhängige
-Formen betrachten.
Die Ableitung
ist bis auf
vollständige Ortsableitungen ein Vielfaches der Eulerableitung
 |
(15.68) |
Hier sind alle Ableitungen von
bei
zu nehmen.
Für
folgt
Dies zeigt (G.65) und (G.62) für
-Formen.
Der Beweis des algebraischen Poincaré-Lemmas für
verwendet algebraische
Operationen, die so gut wie möglich das Umgekehrte der äußeren Ableitung bewirken.
Auf Jet-Formen kann man algebraisch Operationen
definieren, die
linear sind, also Term für Term wirken, und jedem Term nach der Produktregel
abarbeiten. Dann ist
vollständig
durch seine Wirkung auf die elementaren Variablen
festgelegt. Das Symbol
bedeutet die Auslassung des damit bezeichneten Objektes.
läßt also eine Ableitung
von Jet-Variablen weg, genauer wirkt
als Ableitung nach Ableitungen der Felder
, das heißt auf Jet-Variablen ist
.
Offensichtlich vertauschen
und
,
. Weniger offensichtlich ist
![$\displaystyle [t^n,\partial_m]=\delta_m^n N_{ \{\phi\} }\ ,\quad N_{ \{\phi\} }...
... \phi^i} +\partial_m\phi^i\frac{\partial}{\partial(\partial_m \phi^i)}+\dots\ .$](img5024.png) |
(15.71) |
Dabei zählt
die Jet-Variablen
; für Jet-Formen
,
die homogen vom Grad
in den Jet-Variablen sind, gilt
.
Die Gleichung (G.72) gilt, wie man leicht nachrechnet, wenn man
und
auf elementare
Variable anwendet, und sie gilt daher auch für Polynome, denn die linke und die rechte Seite
sind linear und genügen der Produktregel.
Ebenso wie
ist die Ableitung nach Differentialen durch ihre
Wirkung auf den elementaren Variablen
und durch Linearität und die Produktregel
 |
(15.73) |
auf allen Jet-Formen definiert. Die Gradierung
ist 0 oder
, je nachdem,
ob der Formengrad von
gerade oder ungerade ist. Man bestätigt leicht, daß das
Differenzieren nach
gefolgt von Multiplizieren mit
den Formengrad abzählt.
Für
-Formen
erhalten wir
 |
(15.74) |
Wir betrachten die algebraische Operation
 |
(15.75) |
die entgegengesetzt zur äußeren Ableitung
nicht mit einer Differentialform
multipliziert, sondern danach differenziert, und die nicht nach
differenziert, sondern
Differentationen von den Jet-Variablen entfernt.
Der Antikommutator
 |
(15.76) |
von
mit der äußeren Ableitung
kann mit der Produktregel
![$\displaystyle \{A,BC\}=ABC+BCA=ABC+BAC-BAC+BCA =\{A,B\}C - B [A,C]$](img5035.png) |
(15.77) |
als Differenz eines Antikommutators und eines Kommutators geschrieben werden
![$\displaystyle \{b,d\}=\{b,dx^m\partial_m\}=\{t^m\frac{\partial}{\partial (dx^m)},dx^n\}\partial_n -dx^n[t^m\frac{\partial}{\partial (dx^m)},\partial_n]\ ,$](img5036.png) |
(15.78) |
die ihrerseits mit
und mit
zerlegt werden können
Wir erhalten die wichtige Relation
Die algebraische Operation
ordnet eine Ableitung um, indem sie zunächst nach der
Produktregel eine Ableitung wegnimmt und anschließend wieder differenziert
 |
(15.82) |
Da die äußere Ableitung
nilpotent ist,
, vertauscht sie mit
,
![$\displaystyle [d,\{d,b\}]=d^2b+dbd-dbd-bd^2=0\ .$](img5050.png) |
(15.83) |
Also gilt wegen (G.82)
![$\displaystyle [d, P_1 + N_{\{\phi\}}(D-N_{dx}) ] =0\ .$](img5051.png) |
(15.84) |
Zudem vertauscht
mit
, weil es die Zahl der Jet-Variablen
nicht
ändert und erhöht die Anzahl der Differentiale um 1,
. Daraus ergibt sich
Wir betrachten allgemeiner die algebraischen Operationen
 |
(15.86) |
die zunächst
Ableitungen wegnehmen und dann wieder
-mal ableiten.
Für jedes Polynom
in den Ableitungen der Felder gibt es
eine Zahl
, so daß
 |
(15.87) |
denn jedes Monom von
hat eine beschränkte Zahl von Ableitungen.
Aus den Vertauschungsrelationen (G.72) folgt die Rekursion
 |
(15.88) |
mit der
iterativ durch
und
ausgedrückt werden kann
 |
(15.89) |
Aus (G.87) folgt auch
und daher
.
Wenn für eine
-Form
,
, die zudem homogen vom Grad
in den
Jet-Variablen ist, die äußere Ableitung verschwindet,
, und wenn demnach
ist, dann können wir mit (G.82)
für
bis auf einen Term
als äußere Ableitung schreiben.
Da
polynomial von Ableitungen der Felder abhängt, bricht diese Rekursion
nach endlich vielen Schritten ab (G.89).
Für
und
erhalten wir
 |
(15.91) |
Damit ist das algebraische Poincaré-Lemma gezeigt. Die Enschränkung auf
Differentialformen mit Homogenitätsgrad
ist unerheblich, denn
nichthomogene Differentialformen lassen sich aus homogenen zusammensetzen.
Das algebraische Poincaré-Lemma gilt nicht, wenn die Mannigfaltigkeit nicht
sternförmig ist oder wenn die Felder
Abbildungen nicht in die
reellen Zahlen sondern in einen topologisch nichttrivialen Raum sind.
Zum Beispiel sind die algebraischen Operationen
nicht definiert,
wenn die Felder nur Werte auf einer Kugel
konst
annehmen, denn dann folgt
und eine algebraische
Operation
würde darauf
angewendet zum Wiederspruch
führen.
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