Zwischen benachbarten
Ereignissen mit Differenzvektor
zeigt jede gleichförmig bewegte Uhr die Zeit
an
Anders als in Newtonscher Physik ist
keine Weltzeit, die allein von
und
abhängt, denn
ist nicht die Ableitung
einer Funktion
der Raumzeit.
Die Zeit ist die Weglänge in der Raumzeit und hängt von der Weltlinie
ab,
die zwischen
und
durchlaufen wird.
Auf geraden Weltlinien stimmt
überein mit dem Längenquadrat
(2.44) des
Differenzvektors
(2.48) von
nach
.
Zwischen
und
setzt sich die Zeit additiv aus Zeiten zusammen, die auf Teilstücken
und
der Weltlinie vergehen, das heißt für alle Ereignisse
,
die auf der Weltlinie
zwischen
und
stattfinden, gilt
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(4.3) |
Die Zeit
ist unabhängig von der Parametrisierung der Weltlinie.
Beim Beweis dieses Sachverhalts schreiben wir die Koordinaten der Weltlinie
einfachheitshalber als Vierervektor
.
Es ist
, und der Radikand ist
das Längenquadrat
des Vierertangentialvektors
.
Jede andere Parametrisierung
der Weltlinie
mit monoton wachsendem
ist durch
mit monoton wachsendem
, also mit
,
gegeben.
Nach der Kettenregel gilt
,
und mit dem Integralsubstitutionssatz folgt die Behauptung:
Parametrisiert man eine zeitartige Weltlinie durch die Zeit
, die ein
ruhender Beobachter den Ereignissen zuschreibt, dann ist die Weltlinie durch
gegeben und der Vierertangentialvektor hat die Komponenten
und das Längenquadrat
. Auf einer Bahn
zeigt also eine mitgeführte Uhr zwischen
und
die Zeit
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(4.5) |
Wählt man als Bahnparameter die Zeit
(4.2), die eine mitgeführte Uhr
bei
anzeigt,
dann hat wegen
der Tangentialvektor Einheitslänge
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(4.7) |
Die Zeit,
, die ideale Uhren anzeigen,
ist unabhängig von der Beschleunigung in dem Sinne,
daß der Integrand
(4.1)
nicht von zweiten Ableitungen
abhängt. Dennoch ist die Zeit
ein Funktional der Weltlinie
, das für gerade und gekrümmte
Weltlinien, die
mit
verbinden, unterschiedliche Werte hat,
obwohl die Uhr beschleunigungsunabhängig ist.
Daß Uhren beschleunigungsunabhängig die Weglänge der durchlaufenen Weltlinie anzeigen, gehört zur Definition idealer Uhren, mit denen man reale Uhren vergleichen muß.
Viele reale Uhren sind nicht ideal und weichen beträchtlich von idealen Uhren ab. Sonnenuhren zeigen den Winkel einer erdfesten Achse zur Sonne an. Pendeluhren und Sanduhren messen die Beschleunigung. Die Sanduhr läuft paradoxerweise, wenn man sie festhält, und bleibt stehen, wenn man sie fallen läßt, noch bevor sie aufschlägt; das Pendel kreist mit konstanter Winkelgeschwindigkeit, wenn man die Pendeluhr fallen läßt. Quarzuhren verändern ihre Schwingungsfrequenz, wenn nach dem Hookschen Gesetz die Beschleunigung die Quarze verformt. Bei jedem quantenmechanischen System ist zu erwarten, daß die Abänderung des Hamiltonoperators, die die Beschleunigung bewirkt, auch die Energieniveaus ändert, mit der die Uhr betrieben wird. Werden zum Beispiel Atome in magnetischen Feldern abgelenkt, so verstimmen die Magnetfelder die Übergangsfrequenzen. In jedem Fall muß das Verhalten realer, beschleunigter Uhren physikalisch analysiert werden. Es ist nicht durch (4.2) axiomatisch festgelegt.
Uhren können durch völlig unterschiedliche physikalische Prozesse realisiert werden, wie zum Beispiel durch den Zerfall des Myons oder durch elektromagnetische Übergänge in Atomen. Nach Ausschluß der offensichtlich nichtidealen Uhren und nach Korrektur der bekannten Störeffekte, die bei realen Uhren auftreten, insbesondere nach Korrekturen (6.4), die gravitativ verursacht und in der Allgemeinen Relativitätstheorie verstanden werden, stimmt (4.2) ausnahmslos mit allen Beobachtungen überein. Darauf beruht zum Beispiel das Ortungssystem GPS (global positioning system) [28].
Myonen werden in Speicherringen mit Magnetfeldern auf ihrer Bahn gehalten und
intensiv untersucht, weil wir am Verhalten ihres Spins im Magnetfeld unser Verständnis der
Elementarteilchenphysik mit einer Genauigkeit von 9 Dezimalen überprüfen können. Alle
Beobachtungen, die man an diesen Myonen gemacht hat, sind verträglich mit der einfachen Annahme,
daß die innere Uhr der Myonen, die ihren Zerfall regiert, unabhängig von der
Beschleunigung die Zeit (4.2) anzeigt. So zeigte sich [29] innerhalb der
Meßgenauigkeit von
keine Abweichung von (4.2), obwohl bei hochenergetischen Myonen
die Beschleunigung im Speicherring etwa das
-fache der Erdbeschleunigung
beträgt. Bezogen auf die Masse
[1] des Myons, auf das
Plancksche Wirkungsquantum
und die Lichtgeschwindigkeit
, ist die
Beschleunigung
allerdings immer noch klein
.
Diese Zahl ist die Geschwindigkeitsänderung des Myons im Speicherring relativ zur
Lichtgeschwindigkeit während einer Schwingungsdauer seiner Wellenfunktion.