Wohldefiniert ist hingegen die Forderung nach Symmetrie der Wirkung. Das Relativitätsprinzip besagt: ,,Die Wirkung physikalischer Systeme ist lokal und invariant unter Poincaré-Transformationen``. Aus der Invarianz der Wirkung folgen Einschränkungen an die Lagrangefunktion und, wie das Noethertheorem zeigt, die Erhaltung von Energie, Impuls, Drehimpuls und Schwerpunktsgeschwindigkeit.
Um zu definieren, was eine Symmetrie oder Invarianz der Wirkung ist, betrachten wir kontinuierliche Transformationen von Kurven,
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Zum Beispiel wird durch
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(4.39) | |||
Bei kontinuierlichen Transformationen können wir, anders als zum Beispiel
bei Spiegelungen, nach dem Transformationsparameter
ableiten. Wir bezeichnen als infinitesimale Transformation
oder als Änderung von
die Ableitung
der transformierten Bahn
nach dem
Transformationsparameter bei
Die Transformation
heißt Symmetrie der Wirkung
, wenn
sich die Wirkung nur um Randterme ändert, das heißt genauer [31],
wenn sich der Integrand in (4.44) für alle Bahnen
als Ableitung einer
Funktion
der Zeit und der Jet-Variablen schreiben läßt
Die physikalisch durchlaufenen Bahnen erfüllen die Bewegungsgleichungen
, auf physikalischen Bahnen ist daher
zeitunabhängig. Zu jeder kontinuierlichen Symmetrie der Wirkung gehört eine
Erhaltungsgröße
!
Die Lagrangefunktion
einer lokalen Wirkung ändert sich bei infinitesimalen
Symmetrietransformationen wegen (4.27) und (4.32) um eine
Zeitableitung
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(4.43) |
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(4.44) |
Umgekehrt gehört zu jeder Erhaltungsgröße eine kontinuierliche Symmetrie der Wirkung! Denn
eine Funktion
der Zeit und der Jet-Variablen
ist eine Erhaltungsgröße, wenn ihre Zeitableitung aufgrund der Bewegungsgleichungen
verschwindet, also wenn sich ihre Zeitableitung als Vielfaches
der Funktionalableitung der Wirkung und eventuell von den Ableitungen der
Funktionalableitungen4.5schreiben läßt
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(4.47) |
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(4.49) |
Der Zusammenhang von Symmetrien und Erhaltungsgrößen (4.48) ist von Emmy Noether 1918 formuliert worden.
Erhaltungsgrößen sind ausschlaggebend für die
Frage, ob die Bewegungsgleichungen
integrabel sind, das heißt, ob sich die Lösungen durch
Rechenoperationen wie Integrieren gegebener Funktionen und
Auflösen implizit gegebener Funktionen angeben lassen.
Betreffen die Bewegungsgleichungen
Freiheitsgrade,
so sind die Gleichungen genau dann integrabel,
wenn es
unabhängige Erhaltungsgrößen
,
gibt,
deren zugehörige infinitesimale Transformationen
, hintereinander ausgeführt,
wie Verschiebungen in ihrer Reihenfolge vertauscht werden dürfen,
.4.6Ändert man integrable Bewegungsgleichungen durch Zusatzterme ab,
so führen solche Störungen integrabler Bewegung, selbst wenn sie klein sind,
zu chaotischen Bahnen, die im Raum aller Bahnen zwar kleines Maß haben, aber dicht liegen.
Die Herleitung und Diskussion dieser wichtigen Erkenntnisse füllt Bücher
[32,33,34,35], auf die hier nur verwiesen sei.
Über die Tatsache hinaus, daß Symmetrien der Wirkung mit Erhaltungsgrößen zusammenhängen, sind Symmetrien wichtig, weil man aus einer Lösung der Bewegungsgleichungen durch Symmetrietransformationen weitere Lösungen gewinnen kann. Zum Beispiel erhält man in der Allgemeinen Relativitätstheorie das Gravitationsfeld einer gleichförmig bewegten Masse aus demjenigen der ruhenden Masse durch eine Lorentztransformation.
Transformationen, die Lösungen von Bewegungsgleichungen auf Lösungen abbilden,
sind nicht unbedingt Symmetrien der Wirkung.
Zum Beispiel werden die Lösungen
der Bewegungsgleichung
eines senkrecht
fallenden Teilchens durch
auf Lösungen abgebildet, aber die infinitesimale Transformation
läßt die Lagrangefunktion
nicht invariant,
.
Die kinetische Energie
eines nichtrelativistischen
Teilchens ist invariant unter Drehungen und Verschiebungen.
Sie hängt nicht davon ab, wo das sich bewegende Teilchen ist und nicht davon,
in welche Richtung es
sich bewegt. Besteht die Lagrangefunktion aus solch einer verschiebungsinvarianten
kinetischen Energie und ist die potentielle Energie in einer Richtung
konstant
,
so ist die Lagrangefunktion unter der Verschiebung (4.40) invariant,
.
Die zur infinitesimalen Verschiebung
gehörige Erhaltungsgröße (4.48)
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(4.50) |
Eine Variable
, die in der Lagrangefunktion nur mit ihrer Geschwindigkeit
auftritt, heißt zyklische Variable
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(4.51) |
Ist die Wirkung invariant unter Drehungen um eine Achse
(4.42), so ist
die zugehörige Noether-Ladung definitionsgemäß der Drehimpuls
in Richtung dieser Achse.
Zur Zeitverschiebung (4.41) gehört gemäß (4.43) die infinitesimale Transformation
| (4.53) |
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Die zur Symmetrie unter Zeitverschiebung gehörige Noether-Ladung (4.48)
Aus dem Ausdruck für die Energie folgt (4.18), wie sich die
Lagrangefunktion aus den Anteilen
der Energie zusammensetzt,
die homogen vom Grad
in den Geschwindigkeiten
sind. Der Operator
zählt den Homogenitätsgrad ab:
. Jeder Term
in der Energie,
der
Faktoren
enthält,
, muß in der Lagrangefunktion mit Vorfaktor
, erscheinen, damit (4.57)
lautet.
Die Definition (4.57) der Energie kann als Definition der Hamiltonfunktion gelesen werden
| (4.55) |
In Phasenraumvariablen lautet die Hamiltonfunktion des harmonischen Oszillators
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(4.56) |
Formuliert man die Bewegung von Teilchen im Phasenraum, so hat ihre Zeitentwicklung die
Eigenschaft, flächentreu bezüglich des Flächenmaßes
zu sein [32].
Auf dieser wichtigen geometrischen Eigenschaft beruht das Kolmogorov-Arnold-Moser-Theorem
[33] und die daraus folgenden Schlüsse, daß schon kleine Störungen integrabler
Bewegungen zu chaotischen Bahnen führen [34,35], die im Raum aller Bahnen
dicht liegen, aber geringes Maß haben.