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Als Beispiel einer nichtrelativistischen Bewegung, die durch Erhaltungssätze
festgelegt wird, bestimmen wir die Bahnen zweier Teilchen mit Massen
und
, die sich
gegenseitig durch ein Potential
beeinflussen,
das nur von ihrem Abstand abhängt.
Die Lagrangefunktion ist die Differenz von kinetischer und potentieller Energie
 |
(4.61) |
In Schwerpunkts- und Relativkoordinaten
 |
(4.62) |
schreiben sich die Koordinaten der Teilchen als
 |
(4.63) |
und die Lagrangefunktion
als Summe
einer Lagrangefunktion für den Schwerpunkt und für die Relativbewegung,
 |
(4.64) |
Dabei ist
die Gesamtmasse,
ist die reduzierte Masse.
Die Schwerpunktskoordinaten
sind zyklisch, der zugehörige Impuls
ist erhalten, und der Schwerpunkt bewegt sich gradlinig mit konstanter Geschwindigkeit
 |
(4.65) |
Die Relativbewegung verläuft unabhängig von der Schwerpunktsbewegung wie die Bewegung
eines Teilchens mit reduzierter Masse in einem drehinvarianten Potential.
Insbesondere ist die Lagrangefunktion
invariant unter infinitesimalen Drehungen (D.12)
 |
(4.66) |
um jede Achse
. Dazu gehört die Erhaltungsgröße (4.48),
der Drehimpuls in Richtung
,
 |
(4.67) |
Der Drehimpuls
steht senkrecht auf dem Ortsvektor des Teilchens,
.
Daher verläuft die Bahn in der Ebene durch den Ursprung, die senkrecht auf
steht.
Die Bahnebene ist zeitunabhängig, weil die Richtung des Drehimpulses
konstant ist.
Mit Kugelkoordinaten (2.26)
 |
(4.68) |
vereinfacht sich die weitere Untersuchung der Bahn. Man berechnet elementar die kinetische
Energie der Relativbewegung und damit die Lagrangefunktion
 |
(4.69) |
und bestätigt, daß die Bewegung in einer Ebene, die wir
mit
,
, als
-Ebene wählen, die
-Bewegungsgleichung löst
 |
(4.70) |
Der Winkel
ist eine zyklische Variable, sein konjugierter Impuls
ist zeitunabhängig und, bei Bewegung in der
-Ebene
, der Drehimpuls
 |
(4.71) |
Ist sein Wert mit den Anfangsdaten der Bahn gegeben und ist die Radialbewegung
bekannt, dann auch
als Integral von
.
Da die Lagrangefunktion zeitunabhängig ist, ist die Energie (4.57) erhalten.
Also ist
 |
(4.72) |
bei Bewegung in der
-Ebene zeitunabhängig. Ersetzen wir hier die Winkelgeschwindigkeit
durch
,
so erhalten wir effektiv einen Energiesatz für die Radialbewegung,
zu dem die kinetische Energie der Drehbewegung die Drehimpulsbarriere
beiträgt,
 |
(4.73) |
Warnung: Wenn man Folgerungen aus den Bewegungsgleichungen wie
in die
Lagrangefunktion einsetzt, erhält man nicht die Lagrangefunktion für die Bewegung der
verbleibenden Freiheitsgrade. In die Lagrangefunktion
eingesetzt, trüge die Drehimpulsbarriere
als Teil der kinetischen Energie mit
falschem Vorzeichen zum effektiven Potential bei.
Falls es sich spezieller um das Gravitationspotential
beider Teilchen handelt - hierbei ist
und
[1,30] die Newtonsche Gravitationskonstante -
und falls
und
ist,
bestimmen wir zunächst die räumlich durchlaufene Bahn:
den Radius
als Funktion des Winkels
. Mit
und
(4.74) gilt, während
mit
zunimmt,
Für
gilt einfach
und für die Umkehrfunktion
 |
(4.75) |
Man bestätigt durch Differenzieren, daß
eine Stammfunktion ist und demnach
die Lösung
ist.
Wir wählen den Winkel
so, daß er beim minimalen Abstand verschwindet,
mit |
(4.76) |
Dies ist für
, also für
, eine Ellipse mit großer Halbachse
und kleiner Halbachse
 |
(4.77) |
Denn schreibt man mit kartesischen Koordinaten
und
die
Bahngleichung als
und quadriert,
so erhält man nach einfachem Umformen
.
Die Brennpunkte der Ellipse sind der Ursprung
und
: ihre
Abstände
und
zu den Ellipsenpunkten summieren
sich überall zu
, denn
gilt wegen
.
Für Planetenbahnen im Gravitationspotential
gilt also das Keplersche Gesetz:
sie sind Ellipsen, bei denen die Sonne, genauer der Schwerpunkt, in einem der Brennpunkte steht.
Zwischen minimalem Abstand, maximalem Abstand und wieder minimalem Abstand zur Sonne
durchlaufen die Planeten den Winkel
.
Für
,
, handelt es sich um eine Hyperbel, auf der das
Teilchen im Schwerpunktsystem um den Winkel
gestreut wird.
Die Fläche
, die der Differenzvektor
überstreicht,
setzt sich aus Kreissegmenten der Größe
zusammen
und ändert sich mit
um
 |
(4.78) |
Daß der Drehimpuls konstant, also die Flächengeschwindigkeit konstant ist,
ist Keplers zweites Gesetz: In gleichen Zeiten überstreicht der Fahrstrahl zum
Schwerpunkt,
(4.66), gleich große Flächen. Insbesondere
überstreicht
in der Umlaufzeit
die Fläche der Ellipse
.
Mit
und
folgt daraus das dritte Keplersche Gesetz
 |
(4.79) |
daß sich die Quadrate der Umlaufzeiten wie die Kuben der großen Halbachsen
der Planetenbahnen
verhalten. Damit läßt sich aus der Beobachtung der Planetenbahnen die gravitativ wirkende Masse
der Sonne
ermitteln. Durch irdische Messung der Newtonschen Gravitationskonstanten
schließlich bestimmt man die Sonnenmasse.
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