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Ablenkung von Licht und schnellen Teilchen
Für elektromagnetische Wellen mit kurzer Wellenlänge
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(6.35) |
folgt im Grenzfall
aus den Maxwell-Gleichungen (7.40),
wie wir in Abschnitt 7.4 ableiten,
daß in einer Raumzeit mit Metrik
der Wellenvektor
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(6.36) |
lichtartig ist
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(6.37) |
und daß die Lichtstrahlen, die Weltlinien von Lichtpulsen in der Raumzeit,
die durch
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(6.38) |
gegeben sind (7.60), gerade Weltlinien oder, technischer ausgedrückt, geodätische Linien sind.
Dabei bezeichnet
die Ableitung nach dem Bahnparameter.
Lichtartige geodätische Linien, die Lichtstrahlen, lassen sich, wenn man skrupelhaft ist,
nicht aus dem Wirkungsprinzip mit Lagrangefunktion (6.5) ableiten, denn das Längenquadrat
des Tangentialvektors verschwindet und die Wurzel aus dem Längenquadrat ist bei Null nicht differenzierbar.
Eine geeignete Lagrangefunktion für Lichtstrahlen ist das
Längenquadrat des Tangentialvektors
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(6.39) |
Die zugehörigen physikalischen Bahnen sind geodätische Linien (C.114)
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(6.40) |
wie man mit den gleichen Rechenschritten bestätigt, die zu (6.9) geführt haben.
Die Wirkung ist nicht invariant unter Reparametrisierungen
der Weltlinie. Lösungen der Bewegungsgleichungen gehen durch
linear inhomogene Reparametrisierungen
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(6.41) |
in Lösungen über. Zu der fehlenden Invarianz der Wirkung unter Reparametrisierungen
paßt, daß der Lichtstrahl selbst nicht die Frequenz des Lichtes festlegt, das ihn
durchläuft. Die Frequenz kommt der Parametrisierung des Lichtstrahls, genauer
,
zu.
Die Lichtstrahlen im metrischen Feld einer kugelsymmetrischen Masse (6.15)
bestimmen wir aus den Erhaltungsgrößen.
Die Lagrangefunktion hängt nicht vom Bahnparameter
ab und demnach ist die zur Translation
des Bahnparameters gehörige Energie (4.57) erhalten. Diese Erhaltungsgröße stimmt
mit dem Längenquadrat
überein, denn die Lagrangefunktion ist
wie kinetische Energie quadratisch in den Ableitungen nach dem Bahnparameter.
Da das Längenquadrat des Tangentialvektors an die Lichtbahnen verschwindet,
hat diese Erhaltungsgröße den Wert Null
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(6.42) |
Wie bei massiven Teilchen folgt aus der Drehinvarianz der Schwarzschildmetrik, daß jede Bahnkurve
eben ist und nach Wahl der Koordinatenachsen in der
-
-Ebene verläuft
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(6.43) |
Der Winkel
ist wegen Drehinvarianz eine zyklische Variable (4.55), und der
zu
konjugierte Impuls
, er ist bis auf einen Faktor die
-Komponente des
Drehimpulses, ist konstant
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(6.44) |
Die Schwarzschildlösung ist statisch, die Lagrangefunktion hängt nicht
von der Zeit
ab. Also ist
eine zyklische Variable (4.55),
und der zu
konjugierte Impuls ist auf der Weltlinie des Teilchens konstant.
Er ist bis auf einen Faktor die Energie
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(6.45) |
Setzen wir in (6.42) ein und formen wir um, so erhalten wir effektiv
einen Energiesatz für die eindimensionale Bewegung der Radialkoordinate
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(6.46) |
Das effektive Potential besteht nur aus der relativistischen
Drehimpulsbarriere
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(6.47) |
Es wird extremal bei
, läßt aber keine stabile, gebundene Bahn zu. Es fehlt nämlich,
da das Längenquadrat lichtartiger Tangentialvektoren Null und nicht
ist, der
Kepler-Anteil
im effektiven Potential. Für
wirkt
die Drehimpulsbarriere anziehend.
Für die Ableitung von
(6.25)
besagt (6.46) mit
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(6.48) |
Dies ist der Spezialfall
der Gleichung (6.26), mit der wir nun für
die Ablenkung
von Licht und von schnellen, massiven Teilchen gemeinsam untersuchen.
Das kubische Polynom hat drei reellen Nullstellen,
, falls der Drehimpuls
genügend groß ist,
, und das Teilchen nicht in das Zentrum stürzt. Eine von ihnen,
,
ist für
negativ. Denn das Produkt der Nullstellen ist negativ und ihre Summe positiv (6.27).
Auf ihrer Bahn durchlaufen Teilchen, die abgelenkt werden,
-Werte von
über den
Minimalabstand
zu
,
also
-Werte von
zu
und zurück zu
. Dabei nimmt der Winkel
um
zu,
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(6.49) |
Skalieren wir die Integrationsvariable,
, so ist dieser Winkel
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(6.50) |
Hier sind wegen (6.27)
und
Funktionen von
und
,
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(6.51) |
Das Verhältnis
von Schwarzschildradius
zum Minimalabstand vom Sonnenmittelpunkt ist für Bahnen, die an der Sonne vorbei laufen, klein.
Zudem gilt für schnelle Teilchen bis auf Terme höherer Ordnung in
und
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(6.52) |
Denn bei
ist
,
und
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(6.53) |
also gilt
. Damit erhalten wir näherungsweise
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(6.54) |
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(6.55) |
und können mit
integrieren
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(6.56) |
Ein Lichtstrahl mit
durchläuft also nicht den Winkel
wie im flachen Raum mit
,
sondern wird um
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(6.57) |
abgelenkt. Die Lichtablenkung ist umso größer, je näher der Lichtstrahl an
der Sonne vorbeiläuft. Streift der Lichtstrahl den Sonnenrand, so ist
und Lichtstrahlen werden um
abgelenkt. Bei Sonnenfinsternissen erscheinen Sterne am Sonnenrand um diesen
Winkel von der Sonne weg verschoben.
Mit dem ESA Satelliten Hipparcos wurden zwischen 1989 und 1993 die Positionen von etwa 100 000 Sternen
jeweils etwa 100 Mal vermessen. Dabei variierte der Winkel zur Sonne zwischen
und
. Die gemessenen Sternenpositionen stimmen nach Berücksichtigung
der Bewegung der Sonne, der Sterne, der Erde und des Satelliten mit gravitativer Lichtablenkung
durch die Sonne, wie sie die Allgemeine Relativitätstheorie vorhersagt, innerhalb der Meßgenauigkeit
von 3 überein [42]. Zum Beispiel ist Licht, das bei uns im rechten Winkel
zur Sonne einfällt, um
gravitativ abgelenkt.
In Newtonscher Mechanik würde ein lichtschnelles Teilchen mit Energie
im Keplerpotential um
abgelenkt (Seite
).
Da die Energie konstant ist, gilt
, also
. Also ist
groß und
demnach der Ablenkwinkel
. Dies ist nur die Hälfte der Lichtablenkung der Allgemeinen
Relativitätstheorie und experimentell widerlegt.
Auch wenn ein schnelles, massives Testteilchen im System des Gravitationszentrums nur wenig abgelenkt wird,
so kann sich in dem System, in dem das Testteilchen zunächst ruht, eine schnell bewegte,
schwere Masse stark auswirken. Im System der schweren Masse ist die Vierergeschwindigkeit des Teilchens
vor der Wechselwirkung
und hinterher
, wobei
und
sind. Die Vierergeschwindigkeit in dem System, in dem das Teilchen zunächst ruht, erhält man daraus durch die
Lorentztransformation (3.9). Vor der Streuung ist sie
- das Teilchen ruht - und nachher
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