Diejenige Weltlinie, auf der zwischen zwei zeitartig zueinander liegenden Ereignissen am meisten Zeit vergeht, ist, wenn sie existiert, die Weltlinie eines frei fallenden Beobachters, aber umgekehrt ist nicht unbedingt wahr, daß auf der Weltlinie jedes frei fallenden Beobachters zwischen zwei Ereignissen mehr Zeit vergeht als auf jeder anderen Weltlinie, die ebenfalls diese Ereignisse verbindet. Sind die Ereignisse weit entfernt, so kann auf einer geodätischen Weltlinie durchaus weniger Zeit vergehen als auf einer beschleunigten.
Zum Beispiel durchläuft ein ortsfester Beobachter mit Weltlinie
Zwischen diesen Ereignissen vergeht auf der Kreisbahn die Zeit
,
beim ortsfesten, nicht frei fallenden Beobachter vergeht mehr Zeit
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(6.105) |
Die Zeit, die beim ortsfesten Beobachter zwischen einer Umkreisung vergeht, ist nicht maximal, denn auf seiner Weltlinie ist die Wirkung (6.5) nicht stationär. Am meisten Zeit vergeht auf der Weltlinie eines Beobachters im senkrechten Fall. Man kann durch Wahl der Gipfelhöhe der Bahn erreichen, daß ein von der Erde mit hoher Geschwindigkeit senkrecht gestarteter Beobachter im freien Fall während der Aufwärtsbewegung an der Raumstation und am ortsfesten Beobachter vorbeikommt und bei der Abwärtsbewegung dieselbe Stelle passiert, wenn die Raumstation gerade eine Umkreisung vollendet hat. Die zwei Ereignisse, in denen sich die Weltlinie des senkrecht fallenden Beobachters und der im freien Fall kreisenden Raumstation kreuzen, sind durch zwei geodätische Linien verbunden; das Gravitationsfeld der Erde bündelt sie wie eine gravitative Linse.
Es gilt ganz allgemein, daß in einem zentralsymmetrischen Gravitationsfeld
auf einer geodätischen Weltlinie
die Uhrzeit zwischen zwei Ereignissen
und
nicht maximal wird,
wenn
den Zentralkörper zwischen
und
mehr als halb umläuft. Denn dann
besitzt sie zwischen
und
einen zu
fokalen Punkt
.
Ein Ereignis
heißt fokaler Punkt zu
, wenn
und
durch zwei
verschiedene geodätische Linien gleicher Länge verbunden sind.
Solch ein fokaler Punkt
wird im zentralsymmetrischen Gravitationsfeld
auf
nach einem halben Umlauf erreicht, denn alle Kurven,
die aus
durch Rotation um die Achse vom Zentrum zu
entstehen,
Hinter einem fokalen Punkt ist die Zeit von
nach
auf
nicht mehr maximal, wie man aus der Abbildung 6.2 abliest.
Die Zeit stimmt mit der Zeit längs
von
nach
und längs
von
nach
überein und kann durch eine ,,Abkürzung``
von
nach
noch vergrößert werden.
Daß die Zeit auf der Abkürzung zwischen
und
größer als von
über
nach
ist, hatten wir bei der Diskussion des
Zwillingsparadoxons in Abbildung 2.10 gesehen. Für kleine Dreiecke
überträgt sich die Ungleichung
des flachen
Minkowski-Raumes in die gekrümmte Raumzeit, denn im Punkt
kann die Metrik auf die Form
des flachen Raumes
gebracht werden und in genügend kleinen Raumzeit-Gebieten ändert sie sich nur wenig.
Wenn die geodätischen Linien
und
in Abbildung 6.2
Lichtstrahlen sind, die vom Gravitationsfeld einer Masse fokussiert werden,
dann gibt es eine geodätische Linie von
nach
, auf der die Wirkung, die
zur Lagrangefunktion (6.39) gehört, maximal und größer als Null ist.
Also gibt es bei optischen Gravitationslinsen einen frei fallenden Beobachter,
der wie in einem Spiegel in seine Vergangenheit schauen und bei
Licht sehen kann,
das er bei
ausgesendet hat.