Ein Reisender, der im Zug an einem festen Platz sitzt, durchläuft eine Menge von Ereignissen. Bezogen auf einen Punkt im Zug finden alle Ereignisse auf der Weltlinie des Reisenden an einem unveränderlichen Ort nacheinander statt. Für einen Beobachter am Bahndamm hingegen durchläuft der Reisende unterschiedliche Orte. Gleichortigkeit, die Eigenschaft verschiedener Ereignisse, am gleichen Ort stattzufinden, hängt ebenso vom Beobachter ab, wie in räumlicher Geometrie die Antwort auf die Frage, ob zwei Punkte hintereinander liegen.
Ebensowenig liegt bei einem gegebenem Ereignis
fest, welche Ereignisse zu
gleichzeitig sind, denn in der Raumzeit gibt es keine meßbare Weltzeit.
Die Menge der Ereignisse, die gleichzeitig zu
sind, steht erst fest, wenn man den Beobachter
angibt, für den die Ereignisse gleichzeitig sind.
Gleichortigkeit oder Gleichzeitigkeit sind also keine geometrische Eigenschaft, die Paaren von
Ereignissen unabhängig von einem Beobachter zukommt.
Dies verdeutlichen wir mit den folgenden Raumzeitdiagrammen.
Die Diagramme zeigen die Weltlinien von Beobachtern
und
, die
Lichtstrahlen zum Ereignis
aussenden und wieder empfangen und die je eine Uhr mit sich
führen. Mit der Zeit, die die mitgeführte Uhr anzeigt, bezeichnen wir die Ereignisse auf der
Weltlinie des jeweiligen Beobachters.
Wenn die Beobachter Licht aussenden, mögen ihre Uhren die Zeiten
und
anzeigen.
Wenn das zurückgestreute Licht eintrifft, sei es auf den Uhren
und
.
Die Differenz von Sende- und Empfangszeit
ist die Zeit, die der Lichtstrahl vom jeweiligen Beobachter zum Ereignis hin und zurück braucht,
Da es keine anderweitig meßbare Weltzeit gibt, die dem Ereignis
an sich zukäme,
verwendet jeder Beobachter als Zeit
, zu der ein Ereignis stattgefunden hat,
den Mittelwert von Sende- und Empfangszeit,
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Umgekehrt gilt - und rechtfertigt nachträglich die Bezeichnung -
Geometrisch konstruiert man in einem zweidimensionalen Raumzeitdiagramm bei gegebener Weltlinie
des Beobachters
die zu einem Ereignis
gleichzeitigen Ereignisse als
Die von
auslaufenden Lichtstrahlen bilden mit den bei
einlaufenden Lichtstrahlen ein
Lichteck
. Da für die Ereignisse
und
die Zeiten
und
übereinstimmen, finden
und
für diesen Beobachter gleichzeitig, in gleicher Entfernung und in entgegengesetzter
Richtung statt.
Wie man durch Vergrößern und Verkleinern des Lichtecks bei festgehaltenem Schnittpunkt der Diagonalen bestätigt,
sind alle Ereignisse auf der Geraden
für den Beobachter gleichzeitig.
Wie man durch Verschieben des Lichtecks
längs der Weltlinie des Beobachters sieht, finden die Ereignisse, die auf einer Parallelen
zu seiner Weltlinie liegen, für ihn in gleicher Entfernung und mit gleicher
Richtung der Lichtstrahlen, also am gleichen Ort
statt.
Ebenso sind für ihn die Ereignisse, die auf einer Parallelen zur Geraden durch
und
liegen, einander gleichzeitig.
Die Weltlinie des Beobachters und die für ihn zu einer Zeit stattfindenden Ereignisse bilden in Raumzeitdiagrammen die Diagonalen eines Lichtecks. Die eine Diagonale besteht aus gleichortigen Ereignissen, die andere aus gleichzeitigen.
Gegeneinander bewegte Beobachter stimmen nicht darin überein, welche nacheinander liegenden Ereignisse am gleichen Ort stattfinden. Denn die Weltlinien gegeneinander bewegter Beobachter sind nicht parallel. Da dann auch die anderen Diagonalen in den Lichtecken beider Beobachter nicht einander parallel sind, stimmen gegeneinander bewegte Beobachter auch nach Berücksichtigung von Laufzeiteffekten nicht darin überein, welche verschiedenen Ereignisse zur gleichen Zeit stattfinden.