Die Quantenstatistik beschäftigt sich jedoch mit der Frage, wie wir
Systeme beschreiben können, von denen der Zustand nicht exakt bekannt ist.
Wir können uns etwa vorstellen, daß ein Ensemble des Systems vorliegt,
das aus verschiedenen voneinander unabhängigen Quellen
(
stammt, von denen jede das System in einem exakt
bekannten Zustand
liefert. Die relativen Intensitäten der jeweiligen
Quellen seien mit
bezeichnet. Man spricht in einem solchen
Falle von Präparation eines Ensembles oft von einem Gemisch und
bezeichnet den dabei präparierten Zustand entsprechend als
gemischten Zustand1.1.
Es ist zwar
, aber wichtig zu bemerken, daß die
i.a. nicht die Wahrscheinlichkeiten sind, ein System aus
dem Ensemble im Zustand
zu finden, denn die
müssen nicht orthogonal sein, und
kann dann keine
Ereignisalgebra mit
als Ergebnismenge bilden, weil sich die Zustände eben nicht gegenseitig
ausschließen, wenn die
nicht orthogonal zueinander sind.
Jetzt betrachten wir einen beliebigen Zustand
und fragen
nach der Wahrscheinlichkeit, einen aus dem Gemisch entnommenen Vertreter
des Systems in diesem Zustand anzutreffen. Die dazugehörige
Observable ist
. Wegen
sind
die möglichen Eigenwerte 0
und
. Wird der Eigenwert
gemessen, ist
das System im Zustand
gefunden worden, andernfalls nicht.
Wir wissen, daß sich der
Vertreter des Gemischs in einem der Zustände
befindet.
Ist das der Fall, ist gemäß (1.81) die Wahrscheinlichkeit, daß das
System im Zustand
gefunden wird,
, wobei wir
annehmen, daß die beteiligten Zustandskets normiert sind. Entsprechend der
Anteile der Systeme in dem Gemisch liegt es nahe, die Wahrscheinlichkeit,
daß
festgestellt wird, mit
Die Eigenschaften des Dichteoperators sind schnell geklärt: Es ist
offenbar ein hermitescher Operator. Wegen
ist
Jetzt können wir auch den Erwartungswert einer an den Konstituenten des
Gemisches gemessenen Observablen
angeben:
Die Spur eines Operators ist nun aber unabhängig vom gewählten
vollständigen Orthogonalsystem immer durch die Summe der Diagonalelemente
des entsprechenden Operators gegeben. Mögen dazu
und
zwei beliebige vollständige
Orthonormalsysteme bilden. Dann ist für einen Operator
Es ist klar, daß der Fall, daß das System in einem reinen Zustand
präpariert wurde, wie er in (Q1) postuliert
wurde, unter dieses allgemeinere Schema fällt. Es ist der statistische
Operator dann durch
Ein Zufallsexperiment an einem Quantensystem ist stets die Messung einer oder die simultane Messung mehrerer Observabler. Das ergibt nur dann einen Sinn, wenn im letzteren Falle die Observablen miteinander verträglich sind. Im maximalen Falle, kann ein vollständiger Satz miteinander kompatibler Observabler gemessen werden.
Jetzt sind wir in der Lage, Zufallsexperimente an Quantensystemen eindeutig
zu formalisieren: Die Ergebnismenge
für dieses
Zufallsexperiment sind die möglichen Meßwerte der Observablen
, also
die Werte im Spektrum des dazugehörigen selbstadjungierten Operators
:
Spec
. Im folgenden gehen wir
der Einfachheit von einem diskreten Spektrum aus. Die Verallgemeinerung auf
kontinuierliche Spektren ist wieder in der üblichen Weise zu vollziehen.
Die Ereignisalgebra ist dann die Potenzmenge
.
Jetzt müssen wir nur die Wahrscheinlichkeiten für die Elementarereignisse
bestimmen. Ist das Ensemble wie oben beschrieben in dem durch
beschriebenen Gemisch präpariert, dann ist nach (1.136) die
Wahrscheinlichkeit, ein aus ihm herausgegriffenes System im Zustand
anzutreffen
. Dabei
werden die den Eigenraum
Eig
aufspannenden
simultanen Eigenvektoren
der Operatoren
orthonormiert gewählt. Dann schließen sich die Ereignisse
nämlich gegenseitig aus, und es gilt für die Wahrscheinlichkeit, die
simultanen Eigenwerte
zu messen:
Der Projektor
ist unabhängig von der Wahl der Basis des
Eigenraums. Sei nämlich
eine andere Basis, dann gilt
Schließlich müssen wir noch zeigen, daß das sichere Ereignis
die Wahrscheinlichkeit
besitzt:
Aus (1.146) läßt sich unmittelbar die wichtige Folgerung ablesen,
daß der statistische Operator genau dann nicht explizit von der Zeit
abhängt, wenn er eine Funktion der Erhaltungsgrößen des Systems
ist, also mit dem Hamiltonoperator
kommutiert. Ein solcher
Operator beschreibt ein statistisch statisches System. Man sagt
auch, solch ein System befinde sich im Gleichgewicht. Wir werden
unten sehen, daß sich daraus die vollständige
Gleichgewichtsthermodynamik ableiten läßt.
Zusammenfassend haben wir also folgende Beschreibung von quantenstatistischen Ensembles (Gemischen) gefunden